So viele fremde Menschen, die ganze Hektik – das ist nichts für mich.

Nach der Schule ziehen viele weg aus dem Dorf, manche reisen ein Jahr um die Welt, pflücken Melonen in Australien, andere studieren in Berlin oder arbeiten in Köln.

Und manche bleiben einfach da.

Wir haben mir drei Menschen gesprochen, die sich bewusst für das Leben auf dem Land entschieden haben: Wie fühlt es sich an, wenn Freunde wegziehen – und sie bleiben? Und was denken sie über das Großstadtleben?
Susanne, 23, aus Wittlich

Meine Freunde dachten lange, ich sei die Erste, die Wittlich verlässt – eigentlich hatte ich auch genau das vor. Doch während fast alle inzwischen weggezogen sind, bin ich immer noch hier. Es ist nicht so, dass ich nicht weg gekonnt hätte, ich wollte nicht.

Für meinen Ausbildungsplatz habe ich mich deutschlandweit beworben, in Groß- und Kleinstädten und eben auch in meiner Heimat. Ich hätte meine Ausbildung auch in Köln machen können, den Platz hatte ich, aber letztendlich hat mir der Betrieb in Wittlich besser gefallen.

Bei jedem Umzug meiner Freunde dachte ich mir: Nicht du auch noch!

Außerdem leben hier meine Familie und mein Freundeskreis, auch wenn letzterer sich über die Jahre immer weiter entfernt hat. Bei jedem Umzug meiner Freunde dachte ich mir: nicht du auch noch! Es ist verdammt hart, wenn irgendwann fast alle weg sind, die man seit Kindertagen kennt und mag.

Viel härter war es jedoch, dass einige anfingen, von oben herab auf ihre Heimat zu blicken, sobald der Umzugswagen das Ortsschild hinter sich gelassen hatte. Manchmal kam es mir vor, als würden sie plötzlich einen anderen Menschen in mir sehen. Das Dorfkind, das sie wahrscheinlich nicht mehr sein wollten. Wobei ich natürlich tolle neue Leute kennengelernt habe, die auch immer noch hier wohnen.

Vielleicht gehe ich irgendwann weg. Wobei ich glaube: Je länger man in seiner Heimat bleibt, desto schwieriger wird es, zu gehen.

Fabian, 27, aus Bad Laasphe-Rückershausen

Ich komme aus einem Ort mit knapp 500 Einwohnern. Mit 21 Jahren bin ich in den Nachbarort gezogen, ins Elternhaus meines Vaters – dort war eine riesengroße Wohnung frei geworden.

Ich bin einfach ein Landei und finde: Das Dorfleben ist genial. Vor allem bin ich ein totaler Familienmensch. Meine ganze Familie wohnt hier oder im zehn Kilometer entfernten Nachbarort – das ist näher als viele Distanzen in der Großstadt.

Ich kann mir absolut nicht vorstellen, jemals in eine Stadt zu ziehen. Dort kennt man im Idealfall seine direkten Nachbarn; hier kennt jeder jeden. Ich singe in zwei Chören, engagiere mich im Heimatverein und bin im Sportverein. Egal, was du brauchst: Immer wird dir jemand helfen, denn hier gibt es noch Zusammenhalt.

Die allermeisten meiner Freunde leben auch immer noch hier. Die Uni Siegen ist nicht weit und sowieso eine Pendler-Uni. Da war niemand überrascht, dass ich vom Dorf komme. Oft haben wir uns sogar über die ganzen Stadtmenschen lustig gemacht. Sobald es in Siegen zum Beispiel geschneit hat, reagierten alle panisch. Bei mir im Dorf liegen dann richtige Schneemassen, die machen das Autofahren erst wirklich lustig.

Manche sagen, ich müsste mal raus in die echte Welt. Sie meinen damit die Stadt oder das Ausland, aber das sind durchweg Stadtmenschen. Ich mag Großstädte, und ich würde einen Städtetrip dem Urlaub auf dem Bauernhof auf jeden Fall vorziehen - so lange ich wieder gehen kann.

Denn: Abi, Studium, Job, eigene Wohnung, feines Auto – ich wüsste nicht, was ich an diesem Leben Negatives finden könnte.

Flavia, 26, aus Wittenberge

Aufgewachsen bin ich in Glöwen, für mein Abi zog ich nach Wittenberge. Mein damaliger Freund wohnte schon dort, mein Vater kommt aus dem Ort, deswegen war das für mich kein großer Schritt. Zumal für mich erst mal vor allem der Schulabschluss im Vordergrund stand.

Studieren wollte ich eigentlich nie und doch fand ich mich nach einer abgebrochenen Ausbildung plötzlich als Studentin wieder. Allerdings nicht in Berlin oder Potsdam, sondern in Wittenberge. Teils an einer Fernuni, teils bei einem hiesigen Bildungsanbieter machte ich meinen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre und arbeite jetzt im Rechnungswesen bei einem Verein.

Früher sind meine Freunde und ich oft mit dem Regio zum Feiern nach Berlin gefahren und im Morgengrauen wieder zurück. Auch heute bin ich gerne mal zum Shoppen oder für ein Konzert da, aber ich bin jedes Mal froh, wieder zu Hause anzukommen.

Es hat mich nie gereizt, in eine Großstadt zu ziehen. So viele fremde Menschen, die ganze Hektik – das ist nichts für mich. Allein der Gedanke an die Wohnungssuche in Großstädten schreckt mich schon ab.

Natürlich frage ich mich manchmal, ob ich etwas verpasse. Gerade nach dem Abi, als der Großteil meiner Freunde wegzog und mir von all den Partys und dem Großstadtleben erzählte.

Spätestens an Weihnachten oder Ostern sind alle zurück.

Trotzdem vermisse ich nichts. Großstädte sind voll von Überfluss, den ich weder will noch brauche. Auch wenn manche darüber gerne Witze machen: Wir haben sogar Internet und die Post kommt auch täglich vorbei.

Viele gehen, weil sie meinen, auf dem Land gäbe es weder Arbeit noch Geld. Ich glaube, es kommt darauf an, was man sucht. Wahrscheinlich verdiene ich nicht so viel wie jemand in der gleichen Position in einem großen Konzern. Aber dafür sind die Lebenshaltungskosten auch viel geringer.

Und auch wenn viele meiner Freunde irgendwann weggezogen sind: Spätestens an Weihnachten oder Ostern sind alle zurück, um mal wieder etwas Landluft zu atmen.

Und du so? Eher Landei oder Stadtkind? Dieser Test zeigt dir, wie du wirklich drauf bist.

Sport

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