Am Anfang meines Sexlebens brach ich jedes Mal nach zwei Minuten Schwerstarbeit über meiner Freundin zusammen. Da war ich 17 Jahre alt. Zum Glück hatte meine Freundin viel Humor und sie zog mich damit auf, dass es länger dauerte, mein Jugendzimmerbett in ein Liebesnest zu verwandeln, als Sex darin zu haben.

Zu meiner Verteidigung: Niemand bringt einem bei, wie man länger beim Sex durchhält. Es gab keine Biolehrerin, die gesagt hat: "So und nun noch ein kleiner Tipp für die Männer. Versucht mal beim Sex vor dem Orgasmus innezuhalten und eure Prostata zusammenkneifen, dann könnt ihr es eurer Partnerin länger besorgen." Wäre auch strange gewesen.

Wir hatten damals noch keine Blogs mit Sextipps. Wir hatten Bravo.

Und in der Bravo hatte meine Freundin folgendes gelesen: Kurz bevor ich komme, solle ich einfach an stinkende Fische denken. Der Ekel solle vom Orgasmus ablenken. Das hat natürlich erstens nicht funktioniert und zweitens hatte ich Angst, einen Fetisch für vermoderte Fische zu entwickeln.

Unser Sex war trotzdem okay, wir waren jung und hatten Spaß. Aber ich litt zunehmend: Sex ist für mich die schönste Form der Intimität, ich brauche diese Nähe sehr. Die paar Minuten waren einfach nicht genug, um mein Bedürfnis zu befriedigen.

Wer ist Hannes Isart?

Sex ist eine ernste Sache. Wegen all der Tabus und Unsicherheiten sind gerade die ersten intimen Momente ein großer Schritt (außer man hat drei Flaschen Wein gemeinsam getrunken). Unser Autor ist Mitte 30, Journalist und Comedian und hat mit der Zeit gelernt, im Bett zu lachen – und so Nähe zu schaffen.

Im Buchladen fand ich endlich einen Sexratgeber, der mich erlöste: Der Thailänder Matak Chia beschäftigt sich normalerweise mit der Lehre des Tao, der Meditation, Energie und der esoterischen Medizin. In "Öfter! Länger! Besser!" wandte er die Prinzipien der Mediation auf Sex an. Sexualenergie sei sehr heiß und schwer zu kontrollieren, schreibt er. Das Zurückhalten der Energie solle dem Mann bessere Orgasmen bescheren – und sogar gesund sein.

Das Buch sollte meine neue Bibel werden. Folgenden Übungen widmete ich mich nun täglich:
Mit genügend Öl ausgestattet, bringt man sich selbst bis kurz vor den Höhepunkt, ohne zu kommen.
Man muss lernen, den richtigen Punkt abzupassen und die pre-orgiastischen Gefühle sowie das Pulsieren der Prostata zu genießen. Gleichzeitig drückt man die Prostatamuskeln zusammen, als wollte man den Urinstrahl stoppen.
Jetzt wird es esoterisch: Beim Zusammenpressen stellt man sich vor, man zieht die heiße Sexuelle Energie die Wirbelsäule hoch und lässt sie im Kopf kreisen.
Dann lässt (tatsächlich) der Druck etwas nach und man kann weitermachen, bis man wieder kurz vor dem Kommen ist.
Nach einigen Wiederholungen fühlt es sich an, als lädt sich der Körper mit "Orgasmus-Energie" auf, was ein sehr kraftvolles Gefühl ist – und das Bedürfnis zu Kommen lässt nach.
1/12

Oft lag ich auf dem Bett und musste über mich selbst lachen. Gab es sonst noch jemanden auf der Welt, der jeden Tag seine Wichs-Hausaufgaben machte?

Ich glaube, ich habe nie wieder in meinem Leben so hart an etwas gearbeitet, wie daran, länger im Bett durchhalten zu können. "Also du willst mir sagen, dass du dir jetzt jeden Tag einen runterholst?", fragte meine Freundin halb schockiert, halb belustigt, als ich ihr davon erzählte. Ich grinste in mich hinein, im Grunde genommen hatte sie Recht. Trotzdem sagte ich fortan immer: "Ich habe heute wieder meine taoistische Übung gemacht."

Bist du sicher, dass das gut ist? Quäl dich doch nicht so!
Freundin

Die ersten Erfolge überzeugten sie schließlich: Bald schaffte ich schon zehn Minuten. (Ich schaute regelmäßig auf ihren Wecker.) Kurz vor dem Kommen schrie ich: "HALT!" – auch nur die kleinste Bewegung hätte das Ende bedeutet. Dann fing ich an die "heiße Sexual-Energie" hochzupumpen. Ich muss dabei ein sehr angestrengtes Gesicht gemacht haben, denn meine Freundin fing oft an zu lachen: "Bist du sicher, dass das gut ist? Quäl dich doch nicht so!"

Und ich wurde noch besser: Nach zwei Monaten hatte ich bei einer meiner taoistischen Übungen den ersten Ganzkörperorgasmus. Wenn man zehnmal fast kommt und dann dieses Orgasmusgefühl durch den Körper fließen lässt, kribbelt es überall.

Affiliate-Links. Was ist das?

Wir haben in diesem Text Affiliate-Links gesetzt. Das heißt: Wenn jemand auf einen Link im Artikel klickt, und das Produkt in dem Online-Shop tatsächlich kauft, bekommen wir in manchen Fällen eine Provision. Das hat keinen Einfluss auf unsere Berichterstattung.

Irgendwann dauert der Sex mit meiner Freundin manchmal fast eine Stunde. Ich konnte den Akt jetzt ganz anders genießen: Mal eine Pause machen, sich ein bisschen streicheln, kurz reden und dann geht es weiter. Im Nachhinein bin ich meiner Freundin unendlich dankbar, dass sie mit der Situation so humorvoll und offen umgegangen ist.

Zum Klicken: Sexkolumnistin Anna Klausner über ihre offene Ehe

"Ich will auch mit anderem Sex haben!" Im ersten Teil erzählt sie, wie ihr Verlobter auf diese Ansage reagiert hat. Die ganze Kolumne lest ihr hier.
In der zweiten Kolumne gehts ums erste Mal auf einem Swinger-Datingportal – und die große Frage: zusehen oder zusehen lassen? Den ganzen Text findet ihr hier.
Auf das Swinger-Datingportal folgt natürlich die erste Sex-Party. Wie Anna Klausner sie erlebt hat, lest ihr hier.
Bis jetzt wusste eigentlich niemand aus dem Familien- und Freundeskreis von ihrer offenen Beziehung. Dann entschieden sich Anna und ihr Verlobter, ihre besten Freunde einzuweihen. Wie das ankam, hat Anna in dieser Kolumne aufgeschrieben.
Auf die beste Freundin folgt die Schwester – nur war dieses Outing nicht geplant. Wie's gelaufen ist, könnt ihr hier nachlesen.
Vier Monate studierte Anna Klausner in New York – und lernte Ed kennen. Plötzlich fragte sie sich: Liebe ich Leo überhaupt noch? Hier geht's zu dieser Kolumne.
Zurück in Deutschland, zurück bei Leo kämpfte Anna mit sich: Habe ich Leo betrogen? Würde er mir verzeihen? Wie Leo reagiert hat, lest ihr hier.
Was hat Anna Klausner in fünf Jahren offener Beziehung gelernt? Hier geht's zu ihrem letzten Text.
1/12

Versteht mich nicht falsch, ich bin keine stählerne Sexmaschine. Vor allem mit neuen Partnerinnen muss man sich immer neu einstellen und eingrooven, nicht jedes Mal ist der Sex fantastisch. Aber es ist ein befreiendes Gefühl, seinen Orgasmus steuern zu können. Höflich wie ich bin, frage ich nun immer: "Kann ich langsam kommen?"

So schön das auch ist, es bewahrt einen trotzdem nicht vor extrem peinlichen Situationen. Das sollte ich schon sehr bald feststellen müssen.

Das Buch "Öfter! Länger! Besser!" kannst du hier bei Amazon bestellen.

Du brauchst etwas Inspiration?

Unser Quiz verrät dir, welche Sexstellung dir gefallen könnte.


Gerechtigkeit

Warum derzeit so viele Rumänen gegen ihre Regierung demonstrieren

In Rumänien gehen seit mehr als einer Woche Hunderttausende Menschen demonstrieren. Am Anfang ging es nur um eine Verordnung, mittlerweile um die Zukunft der gesamten Regierung. Am Sonntag waren im ganzen Land mehr als eine halbe Million Rumänen auf der Straße (bento). Es sind die größten Proteste seit dem Ende des Kommunismus.

Worum geht es in Rumänien genau? Die wichtigsten Antworten:

1. Wer demonstriert gegen wen?

Einfache Bürger gegen die Regierung. Derzeit ist eine Koalition aus der sozialdemokratischen PSD und der liberalen ALDE an der Macht.

Die Demonstranten sind vor allem auf Ministerpräsident Sorin Grindeanu von der PSD und auf Liviu Dragnea wütend, den Parteichef der PSD. Sie demonstrieren seit mittlerweile acht Tagen in Folge vor dem Regierungssitz in der Hauptstadt Bukarest, aber auch in großen Universitätsstädten wie Timisoara und Cluj-Napoca (Romania Insider).