Wir liegen im Bett, Licht aus, Wind rüttelt an den Fenstern, der Herbst wird gerade Winter und Donald Trump vielleicht Präsident. Draußen sind minus zwei Grad.

"Was, wenn er es wirklich wird?", flüstere ich. Die großen Gedanken kommen meistens erst um 23.30 Uhr.

Gestern habe ich begonnen, abends die Heizung aufzudrehen, morgen weiß ich, wer die USA regieren wird. Ich habe mir lange nur beiläufig Gedanken darüber gemacht. Das änderte sich, je besser Trump in Umfragen abschnitt.

Was, wenn es Trump wird?

So wie er brüllt seit Wochen auch meine Timeline, kein Tag mehr ohne ihn, der dazu aufruft, Frauen zwischen die Beine zu grapschen. Am Telefon fragt meine Mutter: "Würdest du noch mal ein Auslandssemester in Washington machen, wenn da so ein Trump an der Macht wäre?"

Was, wenn?

Vor zehn Jahren hätte ich über Trump gedacht, was Trump über die Europäische Union denkt: langweilig.

Mit 15 stand ich auf Flo Spira von GZSZ, stritt mit meinen Eltern um Sandalen mit Absatz und leerte eine Farbpatrone, um Kurt Cobain-Poster auszudrucken.

Jetzt habe ich zwar noch immer wenig Ahnung vom Erwachsensein, von Bausparverträgen, Börsenstürzen und Finanzverteilungen der Zentralbank. Doch dafür habe ich mir gründlich überlegt, für was mein Herz schlägt. Nicht für Trump.

Ich habe Angst vor ihm, der vom Klimawandel so denkt wie ich mit 15. Der fracken und buddeln würde, der allen in den USA geborenen Einwandererkindern die Staatsbürgerschaft entziehen und Wirtschaftskriege gegen China will.

Und, der gegen die Ehe für Schwule und Lesben ist. Einer wie er hätte meiner lesbischen Freundin, die gerade vor lauter Glück ihre Freundin geheiratet hat, die Party verboten.

(Bild: Getty Images)

Wie Opa Trump denkt und wie er handeln würde, überall steht es geschrieben. Ungelenk und schnaufend hat er sich in meinen Alltag gestampft.

Und wir, die Generation Y, die sich angeblich für nichts und schon gar nicht für Politik interessiert, wir machen uns Gedanken.

Meine beste Freundin sagt: "Horror. Wenn ich an eine Welt mit ihm denke, will ich ganz sicher kein Baby mehr." Eine Freundin aus den USA hätte kurz nach einer ungeplanten Schwangerschaft nicht abtreiben können, wäre es nach Trump gegangen: "Ich hätte keine freie Wahl gehabt, mein Leben zu leben, wie ich es will", sagt sie.


Mit einer Kollegin überlegte ich, ob Trump uns als Journalistinnen unangenehme Fragen beantworten würde: "Würde er nicht, weil wir Frauen sind."

Vor zwei Wochen unterhielten sich zwei junge Amerikaner in der Hamburger U-Bahn über die bevorstehende Wahl. Ich verstand nicht alles, aber das:

"Shit gets real."
(Bild: Getty Images)

Über den Mann mit den gelben Haaren haben wir mal gelacht. Ein Präsident, der gegen Ausländer hetzt und sich damit selbst entlarvt? Lustig, dass der Shit mal real werden könnte. Jetzt ist er es und mir nicht mehr zum Lachen.

Ich fühle mich schlecht bei dem Gedanken daran. In meinem Auslandssemester in Washington habe ich Menschen getroffen, die einen Taugenichts wie Trump nicht verdient hätten: meine Gastmutter, die mich nie wie eine Zugereiste behandelte. Meine Kollegen, bei denen ich mich nie als Fremde, sondern zugehörig fühlte. Meine Studienfreunde, die mir noch heute schreiben.

Ich habe in der Zeit ein Land mit verschiedenen Gesichtern kennengelernt. Keines sah aus wie das von Trump.

Barack Obama im Weißen Haus fand ich faszinierend, auch wenn auf seiner Liste einiges offenbleibt: Guantanamo. Schärfere Waffengesetze.

Trotzdem spazierte ich an jenen Tagen stundenlang durch den kleinen Park an der Pennsylvania Avenue, um dabei zu sein, sollte sich das Tor zur Ausfahrt öffnen für den Präsidenten, der sich für Schwarze und gegen Waffen einsetzt.

"Wäre hammer, wenn ich den sehen würde!", rief ich aufgeregt beim Skypen mit meinen Eltern.

(Bild: Getty Images)

Der, der immerzu ruft und Ausrufezeichen in die Tastatur hackt, ist vielleicht bald Trump. Einer, der immerzu sagt, es wäre einfach, Probleme zu lösen, aber der nie sagt, wie. Einer, der gegen Schwarze ist und für Waffen. Keiner, bei dem es hammer wäre, ihn zu sehen.

Als ich am Wochenende alte Schulsachen aussortierte, fand ich einen Aufsatz aus der siebten Klasse. Überschrift: "Warum der amerikanische Präsident auch außerhalb der USA wichtig ist." Für die Antwort benötigte ich drei Seiten Schreibschrift. Gäbe es auch so viel zu erzählen, wenn Trump Präsident wäre?

Wenn ein Populist wie er an die Macht käme, zeigt das auch: In dieser Gesellschaft ist es egal geworden, wer moralisch und ethisch auf der richtigen Seite steht. Es geht dann nicht mehr um Fakten, sondern darum, wer sie am besten verkauft, wer die beste Lüge erzählt.

Was, wenn?

"Wie wird es sein, wenn Trump Präsident ist?", frage ich ins Dunkle.

Die Antwort von der anderen Seite des Bettes kommt direkt, und sie ist beunruhigend: "Dann ist es wie damals, als wir noch 15 waren. Es gewinnt, wer am lautesten schreit."


Und du?


Retro

Die Kelly Family ist zurück: Das ist aus Paddy, Angelo und Maite geworden

In den 90ern gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder hast du die Kelly Family und ihre großen Hits wie "An Angel" geliebt, oder du hast die singende Zottelfamilie gehasst.

Am Freitagabend wurde auf der offiziellen Facebook-Seite der Kelly Family ein Comeback-Konzert angekündigt: Patricia, Joey, John, Kathy, Jimmy und Angelo Kelly sowie "Special Guest" und Gründungsmitglied Paul Kelly werden im Mai 2017 in der Dortmunder Westfalenhalle auftrete und "ihre größten Hits" performen. Nachdem der erste Termin nach wenigen Stunden ausverkauft war, folgte ein zweiter Termin. Am Montagmorgen startete der Kartenvorverkauf für die dritte Show.

Nicht dabei sind Paddy und Maite Kelly, die sich auf ihre Solokarrieren konzentrieren wollen.

So sehen die Mitglieder der Kelly Family heute aus: