Die 26-Jährige Madalyn Rose Parker leidet an Depressionen und Angststörung. Obwohl die Webdesignerin ihren Job und ihre Kollegen liebt, gibt es Tage, an denen sie sich nicht in der Lage fühlt, zur Arbeit zu gehen. An diesen Tagen fühlt sie sich nutzlos und lustlos und würde am liebsten den ganzen Tagen schlafen, schreibt sie.

Das sind Tage, an denen sich die US-Amerikanerin auf sich selbst konzentrieren muss, anstatt ihrem Job als Webdesignerin bei der Firma Olark nachzugehen.

Madalyn entschied sich, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen und schrieb eine Rundmail an das ganze Team:

Hey Team, ich nehme mir heute und morgen frei, um mich auf meine mentale Gesundheit zu fokussieren. Hoffentlich bin ich nächste Woche zurück, um mich wieder mit 100 Prozent der Arbeit zu widmen.

Die 26-Jahre hatte sich nicht zum ersten Mal aus diesem Grund krankgemeldet, dieses Mal antwortete ihr aber ihr Chef Ben Congelton. 

"Hey Madalyn, 

ich wollte mich nur persönlich bei dir bedanken, dass du E-Mails wie diese verschickst. Jedes Mal, wenn du das tust, erinnere ich mich daran, wie wichtig es ist, Krankheitstage für mentale Gesundheit zu nutzen - ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das nicht in allen Organisationen Standard ist. Du bist ein Vorbild für alle von uns und hilfst uns, das Stigma zu brechen, sodass wir alle unser ganzes Ich zur Arbeit bringen können."

Die positive Reaktion ihres Chefs rührte nicht nur Madalyn, sondern auch viele Twitter-Nutzer, die den Tweet tausendfach teilten und kommentierten. Sie wünschen sich einen ebenso verständnisvollen Chef und teilen ihre eigenen Erfahrungen: 

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Madalyn glaubt, dass man sich um die psychische Gesundheit genau so kümmern sollte wie um die körperliche. Sie schreibt: 

Psychische Krankheit ist Krankheit.

Psychische Gesundheit ist Gesundheit.

Kümmert euch um eure Psyche genau so wie um euren Körper.

Beides ist im gleichen Maße begründet.

Wenn man sich in den USA aus psychischen Gründen krank meldet, nennt man das einen "Mental Health Day".

Und wie ist die Lage in Deutschland? 

Auch in Deutschland sind psychische Erkrankungen ein großes Problem. Mit 17,1 Prozent sind psychische Ursachen der zweithäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeitstage. Wie man gegenüber Arbeitgebern mit einer Erkrankung umgeht, ist dabei eine zutiefst persönliche Entscheidung. 

Muss man überhaupt einen Grund angeben, um sich krankzumelden? 

Wir haben mit Tobias Werner, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Berlin gesprochen.

Sollte ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich mich krankmelde, weil es mir seelisch nicht gut geht? Oder kann mir daraus ein Strick gedreht werden?

Zunächst einmal muss man den Arbeitgeber nur darüber informieren, dass man sich nicht in der Lage fühlt, zur Arbeit zu erscheinen. Ob der Grund für das Fernbleiben nun eine Erkältung, ein gebrochener Fuß oder seelischer Natur ist, hat den Arbeitgeber zunächst einmal nichts zu interessieren. Ich persönlich würde nicht dazu raten, den Grund für die Erkrankung anzugeben.

Wieso nicht? Trage ich durch das Ausschweigen nicht auch zu einer Stigmatisierung von mentalen Krankheiten bei?

Wieso? Durch Berufung auf den Datenschutz vermeidet man doch eher, dass die Arbeitsleistung des Einzelnen  in Hinblick auf die mentale Gesundheit beurteilt wird.

Diese Bilder zeigen, wie Depression sich anfühlt:
Der Fotograf Matteo Rigosa zeigt, wie sich Depressionen anfühlen (hier erfährst du mehr über ihn):
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Muss mir für ein Krankschreiben eine psychische Krankheit diagnostiziert werden, oder reicht es auch, wenn ich mich psychisch nicht belastbar fühle?

Erfolgt die Krankmeldung länger als drei Tage, muss spätestens am vierten Tag die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, sprich der Krankenschein, vorliegen. Davor sollte man vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn absagen, ob telefonisch oder per Mail. Wenn man also merkt, dass es einem nicht gut geht, kann man entscheiden, ob man sich in der Lage fühlt, zur Arbeit zu gehen oder nicht. 

Davon kann es allerdings Abweichungen geben. Zum Beispiel, weil im Arbeitsverhältnis verankert ist, dass man schon ab dem ersten Fehltag ein Attest braucht. Dann muss ein Arzt diagnostizieren, ob die Erkrankung schwerwiegend genug ist, um ein Fernbleiben zu rechtfertigen. Auf dem Durchschlag für den Arbeitgeber ist keine Diagnose enthalten. Lediglich auf dem Durchschlag für die Krankenkasse befindet sich ein Diagnoseschlüssel.

Darf ich Dinge unternehmen, die mir helfen, wieder fit zu werden oder sollte ich zuhause bleiben, sobald ich mich krankgemeldet habe?

Grundsätzlich muss man sich nicht zu Hause einschließen, nur weil man sich krankgemeldet hat. Das kommt natürlich auch auf die Art der Erkrankung an. Aus psychischen Gründen könnte ja auch ein Konzert oder Ausflug ans Meer sehr heilsam sein. Mit einer Erkältung sollte man sich beim Hausbau eines Freundes aber besser nicht blicken lassen. Im Extremfall droht eine verhaltensbedingte Kündigung.


Gerechtigkeit

Gut so: Großbritannien verbietet sexistische Werbung

Eine der wichtigsten Regeln im Werbegeschäft lautet: Sex sells. Mit viel nackter Haut oder erotischer Andeutung wird angeblich jedes Produkt besser – oder zumindest besser wahrgenommen.

Das Resultat: In vielen Innenstädten kleben meterhohe Plakate von halbnackten Frauen. Die dann Werbung für Jeans, Bausparverträge und Urlaubsreisen machen. Oder für Kaffee.

In Großbritannien soll es solche Werbung künftig nicht mehr geben.