Bild: Christin Hume/Unsplash (bento-Montage)
Wir schauen, was hinter dem Trend steckt.

Hypegeist

Wie haben sich die Neunziger zurück in unsere Kleiderschränke gemogelt? Und warum tragen gerade alle ihr Handy am Halsband? In dieser Reihe gehen wir der Frage nach, wie es manche Trends geschafft haben, sich durchzusetzen – und was sie über unsere Gesellschaft aussagen.

Heute: ätherische Öle und Körperöle.

Was ist es?

Hautpflege, Raumduft, Aromatherapie, Putzmittel, Badezusatz, manchmal Salatdressing. Vor allem aber: eine schmierige Angelegenheit.

Was riecht denn hier so gut?

Auf Instagram flutschen Bilder von Ölbädern und Gesichtsölen in fast jeden Feed. In deutschen Drogerien steht mittlerweile so viel Öl, dass vermutlich bald US-Truppen einmarschieren. Und wer noch keinen stylischen Aroma-Diffuser Zuhause hat, heizt vermutlich auch mit einer brennenden Tonne und besitzt weder Eames-Chair noch Monstera-Pflanze.  

Neben Ölen, die man aus der Küche kennt, gibt es überall im Einzelhandel und im Internet auch kleine Fläschchen mit stark riechenden Ölen – in wirklich allen denkbaren Duftrichtungen: Fichte, Lavendel, Eukalyptus oder Zimtrinde. 

Diese Düfte kann man mit "Basisölen" mischen und als Hautpflege verwenden, mit anderen Düften mixen oder als fertige Einlagen für Duftlampen oder Aroma-Diffuser kaufen. Mischungen tragen Namen wie "Frische Luft" oder "Harmonie". 

Wer ölt denn da?

Die, die als Kinder schon gerne mit Fingerfarbe, Schlamm oder ihrem Mittagessen herumgematscht haben. Und die, die sich jedes Mal, wenn irgendwo jemand im Umkreis von zehn Metern eine Mandarine schält, mit suchendem Blick wild umherdrehen und rufen: "Was riecht denn hier so gut?!"

Vor allem aber: Studierende, die vor Prüfungsangst nicht schlafen können, in Lavendelöl baden und entspannende Duftmischungen in ihren Aroma-Diffuser tröpfeln – um dann am nächsten Tag verweifelt ihr WG-Zimmer mit "Frischer Luft"-Raumspray einzunebeln. Früher Gras und Ritalin, heute Patschuli-Kampherbaum- und Zitrone-Grapefruit-Duft. Leicht schwitzende Hände kriegt man nur noch, wenn man CBD-Öl aufs Kassenband legt.

Und natürlich ölen umweltbewusste Millennials besonders gern. Schließlich kann man mit einem kleinen Glasfläschen 20 Drogeriemarkt-Produkte ersetzen. Badezusatz? Olivenöl. Wasserfleck auf dem Holztisch? Olivenöl. Abschminken? Olivenöl. Salatdressing? Olivenöl. Soll ich noch was mitbringen? Olivenöl. Und zwar das teure. Aus dem Biomarkt. 

Warum gerade jetzt?

"Sich mit Produkten, die man benutzt, auseinanderzusetzen, hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen", sagt Margareta Ahrer. Sie ist Aromaexpertin und hat davor viele Jahre als biomedizinische Analytikerin gearbeitet. Heute bietet sie Online-Kurse zu Aromatherapie und selbstgemachter Naturkosmetik an. "Man will wissen, was drin ist und legt Wert auf möglichst natürliche Inhaltsstoffe."

Das Interesse an Naturkosmetik, Plastikverzicht und einem minimalistischen Lebensstil sei gestiegen. Auch der Trend des Selbermachens breite sich immer mehr aus. Wer gerne experimentiert und sich mit den Grundlagen beschäftige, kann in der Hautpflege und der Aromatherapie leicht selbst Produkte herstellen.

Nachhaltigkeit gehört in Millennial-Kreisen, wo man um die Ökobilanz von selbstgemachter Guacamole streitet, ohnehin zum guten Ton. (Den Rest erledigt die Duftmischung "Harmonie"!)

Und nachdem Unternehmen uns mit Sheetmasks und eigentlich allem, worauf man Einhörner, Flamingos oder Lamas drucken kann, das Geld aus der Tasche gezogen haben, haben sie natürlich auch den Trend ums duftende Gold erkannt: "Der Markt für die Produkte ist groß. Und auch für passendes Zubehör", weiß Margareta. Raum- und Kissensprays, Lampen, Duftsteine und sogar Adventskalender – frei nach Jamie Oliver gibt es eigentlich nichts, was durch einen Schuss Öl nicht besser wird.

Was muss man beachten?

Beim Selbermachen solle man sich vorher über die richtige Rezeptur informieren, sagt Margareta. "Ätherische Öle müssen wirklich gut verdünnt sein, damit sie nicht schädlich sind." Zudem sei es immer gut, auf Bioqualität zu achten.

Und wer seinen Mitbewohner nicht mit gebrochenem Arm ins Krankenhaus fahren möchte, putzt nach dem Ölbad besser die Wanne. Oder stellt vorsichtshalber ein "Rutschgefahr"-Schild auf.

Bleibt der Trend oder verschwindet er?

"Ich glaube, dass dieser Trend noch eine ganze Weile bleiben wird", sagt Margareta. 

Ob man mit Öl und "Harmonie" in Fläschchen den Planeten retten kann, darf allerdings bezweifelt werden. Aber dann verschwindet der Trend eben beim anstehenden Weltuntergang einfach mit. 


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