Hier erzählen sie, wie sie das hinkriegen.
Nicholas: "In Lyon waren wir die ganze Zeit zusammen. Dann plötzlich räumlich so weit getrennt zu sein, war eine krasse Umstellung."(Bild: Natália Prata Fortes)
  • Wer? Natália Prata Fortes, 23, studiert Medizin
    Nicholas Gavardi, 22, reist und lernt Sprachen
  • Woher? Aracaju (Brasilien) und Mailand (Italien)
  • Wie kennengelernt? Bei einem Französischkurs in Lyon
  • Wie lange zusammen? Fünf Monate

Natália: "Am Anfang haben wir uns über die Entfernung überhaupt keine Gedanken gemacht. Wir haben uns gesagt: Wir sind jetzt hier in Lyon, lass uns die Zeit genießen. Dann sehen wir, wie es weitergeht."

Nicholas: "Ich habe nie gedacht: Oh, sie lebt in Brasilien, das ist mir zu weit weg."

"Wir waren drei Monate zusammen in Frankreich. Ende Juli mussten wir zurück. Ich wusste damals schon, dass wir zusammenbleiben würden. Trotzdem bekam ich Angst. Ich mache mir viel mehr Sorgen als Nicholas. Mir fällt es schwer, so weit weg von ihm zu sein. Aber Gott sei Dank gibt es WhatsApp und Snapchat und Facebook und Skype."

"Wir sind immer in Kontakt. Wir haben fünf Stunden Zeitunterschied; normalerweise ist es bei mir etwa 15 Uhr, wenn Natália aufsteht. Dann schreiben wir den halben Tag miteinander."

Natália: "WhatsApp ist unser wichtigstes Hilfsmittel. Wir schreiben uns die ganze Zeit – meistens in Englisch, manchmal aber auch in Portugiesisch oder Italienisch."(Bild: Natália Prata Fortes)

"Sobald ich aufwache, schaue ich auf mein iPhone und checke, ob Nicholas sich gemeldet hat. Ich spreche mehr mit ihm als mit meiner Mutter, und mit der wohne ich zusammen. Auch Streiten funktioniert über WhatsApp sehr gut; einfach die Feststelltaste drücken. Mit Nicholas streite ich aber kaum."

"Ich gucke öfter auf mein Handy als früher und viele machen mir deshalb Vorwürfe. Eigentlich war ich nämlich derjenige, der sich beschwert hat, wenn andere das gemacht haben."

"In einer Fernbeziehung muss man aufpassen, dass man sich nicht auseinanderlebt. Wir tauschen viele Fotos und Videos aus. Nicholas ist im August mit seinen Freunden durch Italien gereist und hat mir Bilder von allen Stationen geschickt. Ich fotografiere ständig mein Essen. Es gibt uns das Gefühl, zusammen zu sein."

Natália: "Wenn ich mit meinen Eltern beim Essen sitze und erstmal ein Foto für Nicholas mache, beschweren sie sich schon mal."(Bild: Natália Prata Fortes)

"Ich verwende in meinen Nachrichten immer viele Herzen. Worte allein sehen auf dem Display oft kalt aus, obwohl sie überhaupt nicht so gemeint sind."

"Ganz viele Emojis! Wir können uns zwar nicht küssen, aber wir schicken Küssen-Emojis. Oder wir schreiben uns, was wir gerne tun würden. Wenn ich mich danach sehne, Nicholas zu umarmen, schreibe ich ihm das."

"Ich tue mich schwer damit, dass ich von hier aus nichts machen kann. Wenn Natália mich braucht, kann ich nur reden."

"In Lyon haben wir uns daran gewöhnt, immer zusammen zu sein. Da waren wir in der gleichen Sprachschule, haben zusammen gegessen, eingekauft, einfach alles."

"Natürlich vermisse ich dieses Leben. In Frankreich haben wir aber schon geplant, dass ich Natália in Aracaju besuchen komme. Wir haben zusammen nach Flügen gesucht und geschaut, welche Visa es gibt."

"Bald kommt Nicholas nach Brasilien, um Portugiesisch lernen."

Natália: "Wenn Nicholas nach Aracaju kommt, wird er eine Weile in unserer Wohnung bleiben. Ich werde ihm helfen, ein Zimmer zu finden."(Bild: Natália Prata Fortes)

"Mit meinem Touristenvisum darf ich drei Monate bleiben. Aber es gibt noch andere Möglichkeiten. Sobald ich da bin, werden wir uns kümmern."

"Wir haben noch keinen konkreten Plan. Wir denken nicht zu weit im Voraus. Ich sitze noch mindestens sechs Jahre in Aracaju fest wegen meines Studiums. Für mich ist Wegzugehen momentan keine Option."

"Wenn ich einen Job finde, der mir Spaß macht, dann würde ich mit Natália in Brasilien bleiben."

Im Laufe der kommenden Woche erzählen hier noch drei weitere Paare, wie sie ihre Mega-Fernbeziehung meistern. Zwischen Deutschland und Neuseeland zum Beispiel.