Hier erzählen Paare und Freunde, was ihnen die Aktion bedeutet.

Ein Klick, ein Kuss – Schlüssel ins Wasser. Auf diese Art besiegeln in Köln jeden Tag viele Menschen ihre Liebe. An der Hohenzollernbrücke nahe des Hauptbahnhofes hängen Paare und Freunde Vorhängeschlösser auf. Jedes ist beschriftet: "J+P", "Helga & Hans", "Für immer und ewig".

An der Kölner Brücke hängen schätzungsweise 150.000 Schlösser, die zusammen etwa 45 Tonnen wiegen. (WDR)

45 Tonnen Liebe: Für immer und ewig?(Bild: Getty Images / Mathis Wienand )

Das sind 45 Tonnen unterschiedliche Geschichten. Von Menschen, die glücklich miteinander sind –  oder es einmal waren.

Wie Fischschuppen sehen die Schlösser aus. Sie glänzen in der Sonne, nebeneinander, übereinander. Wer sich im Vorbeigehen einen Moment nimmt und sieht, wie aus der Masse einzelne Schlösser hervorstechen, der spürt: Jedes steht für einen Moment, in dem jemand genau an dieser Stelle stand – und an etwas glaubte.

Was ist aus ihrer Liebe, dem Versprechen dieser Menschen geworden, die hier standen? Stimmte "Für immer und ewig"? Hier erzählen Freunde und Paare die Geschichte hinter ihrem Schloss.

Till und Amelie
Till und Amelie: Höhen und Tiefen(Bild: Privat)

Amelie erzählt:

Als wir unser Liebesschloss aufgehängt haben, waren Till und ich kein Paar mehr. Ich war 17 und Till 21 Jahre alt. Wir hatten uns einige Wochen zuvor nach mehr als zwei Jahren Beziehung getrennt. Ich hatte ihm das rote Schloss mit Gravur und Glitzersteinen irgendwann mal zum Geburtstag geschenkt.

Doch wie es leider so oft ist, dachten wir immer, wir hätten ja noch genügend Zeit und würden es schon noch aufhängen. Das taten wir nicht. Jedenfalls nicht, so lange wir noch zusammen waren.

Till war meine erste große Liebe, mein erster richtiger Freund. Wir hatten eine intensive Beziehung mit hohen Höhen und tiefen Tiefen.

Im Nachhinein betrachtet passen wir überhaupt nicht zusammen, sind viel zu verschieden und haben viel zu unterschiedliche Vorstellungen von einer Beziehung. Ich bin bis heute verblüfft, wie wir es überhaupt so lange ausgehalten haben.

Till und Amelie: Verliebt und verblüfft(Bild: privat)

Trotzdem wussten wir beide bereits kurz nach unserer Trennung, dass wir befreundet bleiben werden. Wir bedeuten einander sehr viel. Das war auch der Grund, warum wir uns dazu entschieden, unser Schloss – trotz oder gerade wegen der Trennung – aufzuhängen. Als Freunde. Das Schloss steht für die gemeinsamen Erlebnisse, die wir hatten und die uns keiner mehr nehmen kann. Und es steht für unsere Freundschaft, die ewig halten soll.


Ich erinnere mich gut an den Abend, an dem wir mit dem kleinen roten Ding zur Hohenzollernbrücke liefen. Wir hatten beide jeweils einen Schlüssel und warfen ihn gleichzeitig ins Wasser.

Die meisten Menschen sind wahrscheinlich gerade auf Wolke sieben, wenn sie ihr Schloss aufhängen. "Wir sind mit großer Sicherheit die Einzigen, die dieses Ding hier nach der Trennung aufhängen", sagte Till.

Inzwischen hängt das Schloss seit sechs Jahren an der Hohenzollernbrücke. Till und ich sind noch immer sehr gut befreundet. Wer weiß – vielleicht hat uns das Schloss ja Glück gebracht. Eine Freundschaft ist manchmal mehr wert als eine Beziehung.

Jan und René
Jan – René möchte nicht im Bild zu sehen sein

Jan erzählt:

René und ich haben uns im April 2012 kennengelernt. Wir lebten beide in Köln und für uns war es deshalb Pflicht, ein Schloss aufzuhängen.

Zu unserem ersten Jahrestag habe ich ein einfaches rotes Schloss gekauft. Ich hatte nicht genug Geld, um es gravieren zu lassen, also kaufte ich einen Lackstift und beschriftete es selbst. Wie es alle Pärchen so machen, haben auch wir den Schlüssel in den Rhein fallen lassen. Ich hätte damals nicht daran geglaubt, dass wir noch lange zusammen bleiben werden. Doch es kam so.

Vier Jahre später schenkte ich René wieder ein Schloss. Diesmal gab ich mehr Geld dafür aus. Ein herzförmiges, rosé-goldenes Schloss. Unsere Namen und das Datum unseres Jahrestages hatte ich extra eingravieren lassen. Es fühlte sich an, als würden wir unsere Liebe mit diesem besonderen Schloss noch einmal ehren.

Jan und René: Das erste gemeinsame Schloss(Bild: privat)

Natürlich gab es in unserer Beziehung Aufs und Abs. Aber wir haben zueinander gehalten und versucht, an unseren Problemen zu arbeiten. Das Schloss war ein schönes Symbol dafür.

Bei einem Spaziergang über die Hohenzollernbrücke haben wir letztes Jahr nach dem zweiten Schloss gesucht. Obwohl wir uns beim Aufhängen extra Ankerpunkte gemerkt hatten, damit wir es zwischen den Tausend anderen wiederfinden, hatten wir keinen Erfolg. Unser Schloss von einst haben wir nie wieder gefunden.

René und ich waren fast sechs Jahre zusammen. Im vergangenen Winter haben wir uns getrennt. Zu wissen, dass unsere Schlösser immer noch irgendwo in Köln an der Brücke hängen, ist schön und komisch zugleich.

Matthias und Claudia
Matthias und Claudia: Es ging schnell(Bild: privat)

Claudia erzählt:

Wir waren beide 16, als wir uns kennengelernt haben. Wir wurden ein Paar, dann ging alles recht schnell: Mit 18 zog Matthias bei mir und meiner Mutter ein. Drei Jahre später haben wir geheiratet.

Einige Freunde konnten diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Mit 21 Jahren zu heiraten, das erschien ihnen als überstürzt und naiv. Wir waren einfach nur glücklich. Letztes Jahr sind wir dann auch noch Eltern geworden.

Das Liebesschloss habe ich Matthias damals zur Hochzeit geschenkt. Bei gemeinsamen Städtetrips haben wir solche Schlösser immer wieder an Brücken gesehen. Uns hat es Spaß gemacht, zu rätseln, welche Geschichten hinter den Schlössern stecken.

Wir fragten uns: War es lange geplant, dass das Paar so ein Liebesschloss aufhängt oder war das eine spontane Aktion? War es vielleicht ein Heiratsantrag? Sind die beiden noch zusammen?

Schloss von Matthias und Claudia: Freiheit bewusst aufgeben(Bild: privat)

Obwohl unser Schloss ein Hochzeitsgeschenk war, ist das Datum unseres Kennenlernens darauf eingraviert. Es hat für uns mehr Bedeutung als die Heirat, denn die Liebe haben wir schon von diesem Moment an gespürt.

Das Liebesschloss steht für mich für den bewussten Entschluss, ein Stück Freiheit aufzugeben. Im Gegenzug bekomme ich ein gemeinsames Leben mit meinem Traummann. Diesen Tausch gehe ich gern ein. Bald wollen wir unserem Sohn unser Liebesschloss zeigen. Und ein Schloss mit seinen Initialen und seinem Geburtsdatum dazu hängen. Schließlich sind wir jetzt eine Familie.    

Maxi, Mona, Nadine, Chrissi, Julia, Kati und Franzi
Maxi und Mona vor fünf Jahren: Auf dem Weg nach Köln(Bild: privat)

Maxi erzählt: 

Unser Schloss ist kein typisches Liebesschloss und es steht auch nicht nur für die Beziehung zwischen zwei Menschen. Es ist ein Schloss, das mittlerweile daran daran erinnert, dass Menschen sich verlieren können.

Ich habe das Schloss 2013 gemeinsam mit meinen vier besten Freundinnen in Köln aufgehängt. Wir kannten uns seit der fünften Klasse, waren in der Schule eine Clique. Ursprünglich zu sechst, verbrachten wir jede Pause zusammen, feierten mit zu vielen Süßigkeiten und Nachtwanderungen Übernachtungspartys. 

Maxi und Mona heute: Noch immer Freundschaft(Bild: privat)

Das Highlight unserer Freundschaft war ein Ausflug nach Köln. Wir hatten schon vorher entschieden, dass wir auf jeden Fall ein Schloss aufhängen werden, weil wir schon viel darüber gehört hatten. Wir wollten mitmachen bei diesem Trend. Mit Edding schrieben wir unsere Namen auf ein Vorhängeschloss. In diesem Moment wussten wir: Wir gehören zusammen, und das für immer.

Dann wurden wir älter und unsere Freundschaft veränderte sich. Ich kam mit meinem ersten Freund zusammen. Jungs waren plötzlich wichtiger als Übernachtungspartys mit meinen Freundinnen.

Seit knapp drei Jahren habe ich zu Julia, Kati und Chrissi keinen Kontakt mehr. Das ist schade. Aber vermutlich auch normal. 

Freundschaften können zerbrechen. Mona und ich haben uns noch immer sehr gern – zumindest unserer Freundschaft hat das Schloss Glück gebracht.


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