Bild: Alle Bilder: Martin Lechtape
Frauen dürfen hier nicht rein.

Ich bin ein Mann. Ganz klar. Doch als ich die Tür zum "Gentlemen Barber Clubs" öffne, bekomme ich so meine Zweifel: Hinter Zigarettenrauch dreht sich eine Reihe von Rauschebärten zu mir um. Mein Gesicht ist verglichen damit so glatt wie ein Baby-Popo. Gerüche wie in einem Club, Bier und Nikotin. Meine Augen tränen. 

Auf den Wandpostern räkeln sich nackte Playmates, daneben hängen signierte Fußballtrikots. Felix Hohleich, der Geschäftsführer des Barber Clubs, sitzt auf einer riesigen braunen Ledercouch im Wartebereich. Die Jungs neben ihm sehen so aus, als säßen sie schon Stunden oder Tage hier herum. 


Felix trägt Jogginghose und Drei-Tage-Bart. Vor ihm steht ein Vodka-Energy. 

"Hi, mein Lieber", sagt der 29-Jährige und hält mir seine Faust hin. Gerade noch rechtzeitig erwidere ich den Ghetto-Handschlag.

Diese Begrüßung ist im Gentlemen Barber Clubs in Köln Pflicht. Wer die Regel nicht einhält, wird rausgeschmissen. Der Salon rühmt sich damit, der letzte Rückzugsort für Männer zu sein. 

"Vorher habe ich bei einem ganz normalen Dorffriseur gearbeitet. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mir Männerfrisuren am meisten Spaß machen." Die seien auch viel anspruchsvoller als Frauenhaare. "Wenn ich hier etwas falsch mache, sieht man das sofort", sagt Felix.

2015 hat er den Laden zusammen mit seinem Geschäftspartner Elmar Heilf gegründet. Erst versuchten die beiden auf den Hipster-Zug aufzuspringen. Sie trugen Hosenträger, rauchten Zigarre und tranken Whiskey. "Wir haben aber schnell gemerkt, dass das nicht zu uns passt", so Felix. Also tauschten sie Jogginghose gegen Hosenträger, Bier gegen Whiskey und Zigaretten gegen Zigarren. 

Auf Instagram und Facebook posteten die beiden Bilder und Videos von ihrer Arbeit und erreichten so in kurzer Zeit tausende Follower. Inzwischen hat allein Felix über 9000 Abonnenten bei Instagram. Ein Musik-Video über den "Gentlemen Barber Clubs" schauten auf Facebook mehr als 40.000 Nutzer.

Sechs Barbiere schneiden inzwischen etlichen Kunden jährlich Haare und Bärte. 

Darunter Prominenten wie Lukas Podolski. An Wochenenden touren Felix und Elmar durch Deutschland, suchen neue Sponsoren und zeigen ihr Können unter anderem auf der Top-Hair, Deutschlands bekanntester Friseurmesse. Felix und Elmar sind in der Barber-Szene eine große Nummer. Nicht nur, weil sie gut Haare schneiden können. "Wir machen einfach immer Stimmung", sagt Felix. 

Bevor Felix mir die Haare schneidet, füllt er sein Glas mit Vodka-Energy. Ich nehme mir ein Kölsch aus dem Kühlschrank, folge Felix zu einem der Friseurstühle und lasse mich in das tiefe Leder fallen. "Ich hätte gern – ", beginne ich. "Ich weiß, welcher Schnitt gut für dich ist", sagt Felix und legt los. Während er mit der einen Hand den Rasierer über meinen Kopf gleiten lässt, führt er mit der anderen die Zigarette zum Mund. Zwischendurch nippt er an seinem Drink. 

An der Wand neben mir hängen Bilder von ihm und Podolski. Auf Felix‘ Smartphone, das vor mir auf dem Frisiertisch liegt, spielt der 1. FC Köln im Livestream gegen Sandhausen. Bei Ecken und Freistößen unterbricht Felix seine Arbeit und schaut angespannt auf den Bildschirm. Während er schneidet, wird geraucht, getrunken und gequatscht. Einer der Rauschebärte auf einem anderen Friseurstuhl erzählt einen Witz über eine "Vierlochstute" weit unter der Gürtellinie. Ich lache verlegen. 

Männer können hier ihren Gedanken freien Lauf lassen, erklärt Felix. „Ich will auch einfach mal über Frauen, Schnaps und Fußball reden.“ Das ginge zwar auch in der Kneipe, aber dort dürfe man nun mal nicht rauchen.

Meine Gedanken laufen allerdings eher in andere Richtungen: Ich kenne genug Männer, die nicht mehr glauben, ein Mann müsse viel Saufen können, um ein Mann zu sein. Die Zigarettenrauch hassen, und stumpfe Lochwitze sowieso. Was für ein Bild von Männlichkeit ist das, was hier vermarktet wird? Und warum funktioniert es so gut?

Mit Frauenfeindlichkeit und Sexismus habe das nichts zu tun, sagt Felix. "Frauen gehen doch auch in die Frauen-Sauna. Da sagt keiner, das sei männerfeindlich.“ Felix und Elmar haben vor dem Laden eine Bank aufgestellt, auf der die Frauen und Freundinnen auf ihre Männer warten können. Felix‘ Mutter, seine Frau und seine Tochter kommen jeden Samstag zu Besuch. Auch sie nehmen dann auf der Bank Platz. "Da machen wir keine Unterschiede“, so Felix.

Wenn Mann sich an die Regeln hält, wird er schnell in die Gemeinschaft aufgenommen. "Die Jungs hier sind inzwischen so etwas wie meine Familie geworden", sagt Tom Geyer. Der 58-jährige Fernsehredakteur gehörte zu den ersten Kunden des Gentlemen Barber Clubs und kommt nicht nur zum Haareschneiden hierher. Nach Feierabend sitzt er oft auf der braunen Ledercouch und trinkt mit den Jungs ein Bier. Es gibt sogar eine WhatsApp-Gruppe unter den Kunden. Dort könne man sich auch melden, wenn man eine Wohnung oder einen Job suche. Manchmal treffe sich die Barber-Clique bei Tom oder einem der anderen Kunden zu Hause, um zu grillen. Mit Frauen und Kindern. Denn selbst die Familien seien teilweise untereinander befreundet. 

Sogar einen Heiratsantrag habe es im "Gentlemen Barber Clubs" schon gegeben, erzählt Felix. Natürlich von zwei Männern, beide Kunden. 

"Das war schon eine Ehre für uns, dass der Nico diesen Ort ausgesucht hat, um seinem Liebsten einen Antrag zu machen."

Eine Halbzeit dauert der Haarschnitt – 45 Minuten. Danach habe ich einen "klassischen Männerhaarschnitt“, wie Felix sagt. An den Seiten kurz, oben lang. Es sieht gut aus. Nur meine Freundin wird sich nicht freuen, denke ich. Sie mochte meine langen Haare. Nach dem Schnitt soll ich die Augen schließen. Mir wird ein nasses Handtuch auf die Augen gelegt, das nach Zitrone riecht. Mit einem anderen Handtuch wird mir kühle Luft zugewedelt. Ich beginne mich etwas zu entspannen.

"Meine Freundin sagt immer, ich gehe hier zum Männer-Wellness", sagt einer der Rauschebärte, der auf einem der anderen Friseurstühle sitzt. Früher sei Haareschneiden für Männer ein notwendiges Übel gewesen. "Heutzutage wollen Männer, genauso wie Frauen, beim Friseur auch eine coole Zeit haben." sagt Felix. 

Sie wollen, so interpretiert er das, rauchen, Bier trinken und obszöne Sprüche klopfen. Und im "Gentlemen Barber Clubs" können sie das. Dort werden Männer in einen exklusiven Club aufgenommen, in dem sie auf einen Schlag einen Haufen neuer Freunde finden und von jedem mit Ghetto-Faust begrüßt werden. Das schmeichelt. 

Doch es gibt vielleicht auch Frauen, die dasselbe wollen. Warum also die Geschlechtertrennung? "Dein Opa saß beim Friseur bestimmt auch nie neben einer Frau. Da gab es eine klare Trennung," sagt Felix. Dann sei eine Zeit gekommen, in der Frauen und Männer immer gemischt wurden. "Jetzt wollen wir dem Mann wieder einen Rückzugsort geben. Denn wenn Frauen im Raum sind, wird er gehemmt."

38,50 Euro kostet der Rückzugsort für Männer. Für den Schnitt wäre es das wert. Aber ich werde mich bei meinem nächsten Friseurbesuch nicht mehr "zurückziehen" in eine Welt, in der sich die Generation meines Opas wohl gefühlt hätte. Diese echten Männer, so scheint es, leben vor allem in einer verklärten Vergangenheit. Und ich persönlich muss da nicht hin zurück.

Dieses Video zeigt, wie es aussähe, wenn Männer wie Frauen behandelt würden:



Today

Erst entlassen, dann ins Innenministerium: Jetzt soll auch Ex-Bamf-Chefin zu Seehofer
Was wir bisher wissen

Die ehemalige Chefin des Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Jutta Cordt, soll einen Job im Bundesinnenministerium bekommen, das berichtet die "Bild".

Welchen Job soll Cordt im Innenministerium machen?

Laut eines Regierungssprechers soll sich die Ex-Bamf Chefin im BMI in Zukunkft um Digitalisierungsthemen kümmern. "Es ist beabsichtigt, dass Frau Cordt in das BMI wechselt und im Rang einer Ministerialdirigentin Aufgaben im Bereich der Digitalisierung wahrnimmt", so ein Ministeriumssprecher zur "Bild".

Demnach würde Cordt Abstriche vom Gehalt machen müssen. Laut der "Bild" würde sie von Besoldungsstufe B9 auf B6 fallen und damit deutlich weniger verdienen.

Jutta Cordt? Wer war das nochmal?

Cordt war bis Juni Chefin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Sie musste ihren Posten wegen des Bamf-Skandals in Bremen räumen (bento).

Zunächst wurde vermutet, dass zwischen 2013 und 2016 mindestens 1200 Asylanträge bewilligt wurden, obwohl dies nicht rechtens war – die wenigsten davon in Bremen selbst. Die Bremer Außenstelle des Bamf soll immer wieder in die Belange andere Bundesländer eingegriffen haben. 

Nach Abschluss der Untersuchungen wurden letztlich 17 Anträge revidiert, bei denen grobe Verstöße festgestellt wurden, berichtet die "ZEIT".

Cordt hatte zwar direkt keine Verantwortung für die unzulässigen Asylanträge, da sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht Leiterin des Bamfs war, trotzdem hätte sie auf den Skandal aufmerksam machen müssen. Die Bremer Außenstelle durfte darauf vorerst keine Asylanträge mehr beantragen.

Als der Skandal im April und Mai diesen Jahres öffentlich wurde, kündigte Innenminister Horst Seehofer personelle Konsequenzen an. Diese trafen unter anderem auch Cordt.