"Mir hat niemand gesagt, dass ich mit einem Bein so viel machen kann."

Tom ist acht, als er zum ersten Mal Schmerzen oberhalb des Knies spürt. Doch weil er viel Sport macht und zu den Besten im Sportunterricht gehört, denkt er nicht weiter darüber nach. 

Erst, als der Schmerz immer stärker wird und einfach nicht verschwindet, erzählt er seinen Eltern davon. Es geht zum Arzt – und da ist er, auf dem Röntgenbild. Ein dunkler Fleck. Knochenkrebs. 

Toms Bein muss amputiert werden. Mit einer Prothese kann er sich in den folgenden Jahren nicht anfreunden, er nutzt Krücken und setzt alles daran, seinen Alltag zurück zu bekommen. Und er merkt, dass er eigentlich alles noch kann – nur eben ein bisschen anders.

Warum der 31-Jährige sich entschieden hat, den Kilimandscharo zu besteigen und wie das für ihn war, erfährst du oben im Video.

Auf seiner Reise wurde Tom von Dokumentarfilmern begleitet, die seine Erlebnisse festgehalten haben. Den Film gibt es auf der European Outdoor Film Tour zu sehen. 

Wie Tom auf seine Diagnose reagierte und wie er heute mit seiner Behinderung umgeht, erfährst du hier: 


Fühlen

Bodypositivity geht anders: Warum meine Dehnungsstreifen kein politisches Statement sind



Bodypositivity ist an sich eine sehr gute Bewegung. Es geht darum zu sagen: Ich liebe meinen Körper, und es ist mir egal, ob der so aussieht, wie die Körper auf einem Filmplakat.

In letzter Zeit jedoch sehe ich immer und immer wieder Fotos von Frauen, die dem Ideal von Perfektion vermeintlich widersprechen – in dem sie ein paar Dehnungsstreifen oder nicht gezupfte Augenbrauen als Protest-Aktion verkaufen, Hashtag Bodypositivity.

Und ich – fühle mich verarscht.

Fast jede Frau hat Dehnungsstreifen, fast jede Cellulite. Wir haben ungleich große Augen oder Brüste, wir haben Spliss oder Haare an Stellen, an denen in der Werbung keine sind.

Das ist so, weil Köper nun mal unterschiedlich sind. Weil die Werbung lügt und gebleichte Zähne nun mal auf die Art weiß sind, wie die Natur sie mit 5 macht - aber nicht mit 25.

Wenn aber genau diese Realität als Protest verkauft wird - dann sagt das ja, dass all das nicht die Norm ist, dass Cellulite etwas ist, das besonders ist.

Breaking News: Das alles ist die Normalität. Perfekte Zähne, ein komplett durchtrainierter Bauch und exakt gleichförmige Brüste sind es nicht.

Indem wir so tun, als sei es geradezu mutig, uns "unperfekt" zu zeigen, indem wir das herausheben und durchschnittliches Aussehen als krassen Akt zelebrieren, zementieren wir diese Sicht: du siehst ganz normal aus, das ist total gut so, aber eben nicht "perfekt". "Perfekt" bleibt so der Standard, an dem sich alles misst.

Dabei ist "Perfekt" immer noch scheiß egal und die Ausnahme.

Deshalb lohnt es sich auch nicht, anderen immer wieder zu sagen, dass sie perfekt sind, wie sie sind. Denn das sind sie nicht. Wir sind schließlich keine Androiden. Und genau darum geht es: Niemand muss perfekt sein, es ist sogar im Gegenteil total sinnos, danach zu streben.

Normal, das ist Diversität. Dicke, dünne, große, kleine Menschen. Mit Haaren und ohne - das ist, wie wir Menschen sind. Und das sollten wir SELBSTVERSTÄNDLICH zeigen und nicht extra hervorheben - und so dem Selbstverständlichen das selbstverständliche nehmen.

Unsere Körper, sie sind wunderlich, schräg, schlau, kleine Meisterwerke. Sie sind besonders in ihren Funktionen - nicht in ihren Äußerlichkeiten. Jeder von uns ist ein fucking Wunder. Durch uns, unsere Gedanken, unseren Geruch. Das sollte selbstverständlich sein. Und nichts, was man extra betonen muss.

Wer vermeintliche "Makel“ als Besonderheit verkauft, verät den Gedanken, der hinter Bodypositivity steckt: den Körper positiv zu sehen, mit all seinen Besonderheiten. Das Gegenteil davon ist, zu sagen: Mein Körper ist TROTZ dieser Makel schön. Denn er ist nicht trotz oder weil dieser Makel schön, er ist einfach schön und vollkommen okay. Erst, wenn wir alle das fühlen, haben wir uns von der unglaublichen Idiotie befreit, zu glauben, dass Köper auf eine bestimmte Art und Weise aussehen müssen, um annehmbar zu sein.