Bild: Sr. Marie Benedicte

Bevor Schwester Luzia sich einem Leben für Gott verschrieb, war sie Anne, Sonderschulpädagogin aus der Nähe von Freiburg. Seit zwei Jahren lebt die 27-Jährige nun im Kloster der Franziskanerinnen im schwäbischen Sießen. Seit zwei Jahren folgt sie ihrer persönlichen Berufung.

Nur wenige Menschen wählen den Lebensweg, den Schwester Luzia eingeschlagen hat. Im Jahr 2015 gab es in Deutschland 74 Nonnen-Anwärterinnen, sogenannte Novizinnen. Bei den Männern waren es sogar noch weniger: Nur 45 Männer bewarben sich, um ein Leben als Mönch zu führen.

Die Orden in Deutschland haben ein massives Nachwuchsproblem. Die meisten der 16.700 Ordensschwestern und 4.200 Ordensmänner sind im Rentenalter. 84 Prozent der Nonnen sind älter als 65.

Schwester Luzia im Klostergarten(Bild: S. Dichmann )
Wieso entscheiden sich junge Leute für ein Leben im Kloster? Und wie reagiert die Familie auf diese Entscheidung?

Schwester Luzia will in der Gemeinschaft ihren Glauben leben und für ihre Mitmenschen da sein. Ihr Tag ist strukturiert:

  • Morgengebet um 6 Uhr, danach geht es zur Messe.
  • Nach dem Gottesdienst frühstückt sie mit den anderen 80 Schwestern, schweigend.
  • Um acht Uhr beginnt der Arbeitstag. Luzia hilft im Garten oder in der Küche.
  • An einem normalen Tag ist Schwester Luzia dreimal zum Beten in der Kapelle.
„Nonnen können auch lachen, feiern und Spaß haben“
Schwester Luzia

Wenn sie mit ihrer Ausbildung fertig ist, will Schwester Luzia als Lehrerin arbeiten. Grauer Klosteralltag, kein Spaß, keine Freiheit – solche Klischees kann Luzia nicht bestätigen. "Nonnen können auch lachen, feiern und Spaß haben", sagt sie. Egal ob jetzt beim Gitarre spielen, Inlineskaten oder beim Feiern.

Mit 26 Jahren die Jüngste im Kloster

Gefeiert wird auch bei den Augustiner Chorfrauen in Essen. Schwester Regina, 32, und Postulantin Katharina, 26, sind die Jüngsten im Kloster. Katharina ist vergangenes Jahr dem Orden beigetreten und ist noch in der Ausbildung.

Postulantin Katharina mit Schwester Regina in Essen(Bild: Christoph Niekamp)

Viele Außenstehende stellen sich das Leben in einem Kloster wie einen Gefängnisalltag vor. "Wir sind nicht eingesperrt", sagt Postulantin Katharina. Wenn sie ihre Familie besuchen oder mit Freunden Eis essen will, geht sie einfach in die Stadt.

Jahrelang hat sie nach einer Aufgabe gesucht, ausprobiert, was zu ihr passt. Dann hat sie vor zwei Jahren bei den Augustiner Chorfrauen ihren Weg gefunden. "Das ist das Richtige für mich", sagt Katharina.

Wie wird man Nonne oder Mönch?

Die Ausbildung im Orden beginnt als Postulant/in. Dabei tragen die Neulinge oft noch zivile Kleidung und lernen den Alltag im Kloster kennen. Das Postulat dauert zwischen sechs Monaten und zwei Jahren.

Danach folgt das meist zwei Jahre dauernde Noviziat. Die Nonnen und Mönche erhalten ihre Ordenstracht und bei einigen Gemeinschaften auch einen neuen Namen.

Am Ende des Noviziats legt man die ersten Gelübde ab - diese gelten zunächst für drei Jahre. Merkt man in dieser Zeit, dass das Ordensleben doch nichts für einen ist, kann man danach noch austreten.

Erst nach den zeitlichen Gelübden wird es ernst: Die nächsten Gelübde sind die ewigen Gelübde und die gelten fürs ganze Leben.

Konrad wurde gefunden

Für Konrad, 30, aus Oberhausen war es die Bodenständigkeit, die ihn an den Franziskaner Minoriten gefiel. Er ist dem Orden nach seinem Theologie-Studium in Würzburg beigetreten. "Ich habe nicht nach etwas Bestimmtem gesucht", sagt Konrad. "Ich wurde gefunden."

(Bild: Alex Wong/ Getty Images)

Schon während seines Studiums saßen Mönche mit ihm in den Vorlesungen, abends ging er mit ihnen ins Kino oder Wein trinken. Bei den Franziskaner Minoriten habe er normale junge Menschen gefunden, die einfach ernst machten mit ihrem Leben für Gott, sagt er.

„Ich halte mein Herz frei für meine Mitmenschen und Gott“
Schwester Luzia
Die drei Gelübde

Wie das Leben für Gott aussieht, ist genau festgelegt. Alle Ordensleute versprechen, sich an drei Gelübde zu halten: Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit.

  • Das Gehalt der Nonnen und Mönche fließt in einen großen Topf. Brauchen sie neue Schuhe oder wollen verreisen, fragen sie beim Finanzverwalter nach Geld.
  • Gehorsam bedeutet, dass die Ordensleute flexibel sein müssen. Während ihrer Laufbahn werden sie häufig in verschiedene Klöster versetzt.
  • Und die Sache mit der Ehelosigkeit? "Ich halte mein Herz frei für meine Mitmenschen und Gott", sagt Schwester Luzia. Für einen Ehemann sei da kein Platz. Schwester Regina sagt: "Es ist meine eigene Entscheidung."

Mit der Zeit wird der Orden für viele zu einer Ersatz-Familie. Trotzdem reißt der Kontakt zu den eigenen Verwandten nicht ab.

Bei der feierlichen Aufnahme in den Orden waren die Eltern von Schwester Luzia dabei. Sie unterstützen ihre Tochter bei ihrer Entscheidung und besuchen sie oft im Kloster. Sie wussten sofort, dass sie es Ernst meint.

Postulantin Katharina beim Praktikum in der Ordensküche(Bild: Christoph Niekamp)

Die Eltern von Schwester Regina haben ihre Entscheidung weniger gut aufgenommen. Sie ist Einzelkind. Ihr Kloster-Eintritt bedeutete für ihre Eltern, vermutlich niemals Enkelkinder zu bekommen. "Besonders mein Vater tut sich deshalb schwer mit meiner Entscheidung", sagt die 32-Jährige. Er fürchte, dass sie sich vom Orden abhängig mache und ihre Selbstständigkeit aufgebe.

Nicht direkt vom Hotel Mama ins Hotel Kloster

Was würde sie anderen jungen Menschen raten, die sich für den Gang ins Kloster interessieren? "Junge Menschen sollten nicht direkt vom Hotel Mama ins Hotel Kloster wechseln", sagt Schwester Regina. Sie selbst hat in Madrid studiert, ein bisschen die Welt gesehen und gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen.


Schwester Regina bei der Arbeit

Der Schritt ins Kloster war für Schwester Regina ein langer Prozess. Von der ersten Idee bis zur Entscheidung für den passenden Orden dauerte es bei ihr viele Jahre. Sie habe sich Fragen gestellt wie: "Was hat Gott mit mir vor?" Eine Probezeit im Kloster und viele Gespräche hätten sie in ihrer Entscheidung bestärkt.

"Die kommt nicht klar, deswegen ist sie im Kloster." Über solche Vorurteile kann Schwester Luzia nur lachen. "Wer sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, der ist in einem Orden ganz falsch."

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