Frauen werden von Frauenmagazinen gehasst.

Lena Meyer-Landrut hat ein Bild gepostet, das sie vor einem Spiegel voller Hasskommentare zeigt (bento). Dafür wird sie nun abgefeiert. Und das auch ausgerechnet von jenen, die die Ursache all dessen sind.

"Mutig" sei ihr Statement und "stark". So etwas kann man lesen, wenn man in dieser Woche die Berichte einiger Klatschzeitschriften zu ihrem Selfie durchliest. 

Das Selfie von Lena Meyer-Landrut ist eine wichtige Botschaft. Aber keine neue. 

Überraschung: Frauen wird ständig gesagt, dass sie zu fett, zu hässlich, zu laut, zu aufmüpfig, zu anstrengend, zu klein, zu groß, zu dumm, zu langsam, zu fuckable, zu unfuckable, zu wenig geil seien. 

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Und das passiert tagtäglich, ständig, immerzu? Seit immer? 

Na, das kann ich ja gar nicht glauben! 

Welcome 2018, wo jede Frau sich so etwas fast jeden Tag geben darf. Das Problem ist so viel größer, Surprise! 

Das Problem beginnt bei den Frauenzeitschriften, die Lena jetzt dafür beklatschen. Eben jene Frauenzeitschriften, die davon leben, Frauen und Mädchen seit jeher einzureden, sie seien zu fett, bräuchten immer neue, immer teure Klamotten und noch mehr Cremes und Schminkischminki, damit sie attraktiv bleiben.

Jene Magazine, die im gleichen Atemzug schreiben, wie mutig Lena sei und wie wichtig das Statement – und die über Frauen immer wechselnde, immer gleich bedingungslos blödsinnige Sachen schreiben, wie "Ist sie zu dünn?".

Screenshot vom OK-Magazin

(Bild: OK Magazin )

Am nächsten Tag geht es dann mit Diättipps und Werbung für Kleidung weiter, die Frauen "schlanker aussehen lassen".

Die ganze Bigotterie findet im Fall Lena Meyer-Landrut einen sichtbaren Höhepunkt – der trotzdem nichts ändern wird. 

Denn Frauen werden von Frauenmagazinen gehasst. 

Diese Magazine leben davon, Frauen zu sagen, dass sie niemals gut genug sein werden. Und diese Botschaft tragen sie in die Welt und diese Welt antwortet darauf, indem sie Frauen noch mehr hasst. Denn "gut genug" gibt es nicht. 

"Gut genug" wäre das Ende dieser Magazine.

Denn würden sie den Beifall ernst meinen, würden sie sich und alle Auflagen verbrennen, nach Hause gehen und darüber nachdenken, was sie mit ihrer "Arbeit" Frauen antun. Sie würden darüber nachdenken, dass sie ein Teil des Problems sind und dass sie Frauen und Männer Jahrzehnte lang eingetrichtert haben, dass alles ekelhaft ist, was nicht Größe 34 trägt.

Ich kann nicht glauben, dass die Redakteurinnen und Redakteure dieser Magazine nicht in der Lage sind, zu verstehen, was sie da machen. Zu verstehen, dass sie es sind, die ihre Miete damit bezahlen, jungen Mädchen zu sagen, dass sie nicht attraktiv genug sind. Und dass sie nichts damit zu tun haben, wenn diese Standards, die von ihnen gesetzt werden, zu Hass und Häme führen. 

Für die meisten Frauen ist Sexismus, Herabwürdigung und Hass Alltag. Kaum eine, die nicht schon übergriffiges Verhalten oder extreme Erniedrigung erlebt hat. 

Ich wünsche mir, dass auch Nicht-Prominente immer wieder sichtbar machen, was sie tagtäglich erleben. Denn Lena Meyer-Landrut ist keine Ausnahme. Sie ist kein Phänomen. Sie ist das Opfer einer Welt, die auch von Zeitschriften und Medien vergiftet wird mit Argwohn, suggestiven Fragen und dem Hass auf den Frauenkörper in seinen mannigfaltigen Variationen.

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