"Na, wann ist es bei euch denn so weit?" Die meisten Paare müssen sich nach einer gewissen Zeit diesen Satz anhören. Vielleicht wünschen die Eltern sich Enkel, die Geschwister haben längst Kinder und würden sie so gern mit ihren Cousins oder Cousinen spielen sehen. Oder Freunde bringen nach und nach Kinderwagen mit zum Kaffeetrinken.

Mal abgesehen davon, dass die Antwort auf diese Frage niemanden außer das Paar selbst etwas angeht, unterstellt sie: Jeder Mensch will irgendwann Kinder. Und die, die trotz langjähriger Beziehung immernoch ohne Nachwuchs sind, bei denen muss es an irgendetwas liegen: die Partnerin oder der Partner fehlt, die biologischen Voraussetzungen oder Reife

Ist das so? Kann man sich selbst nicht einfach auch genug sein? Ist es egoistisch, keine Kinder großziehen zu wollen? Oder sogar selbstlos?

Manche wissen früh, dass sie Kinder wollen – andere später. Wieder andere wissen: Sie wollen keine Kinder. 

Hier erzählen drei Menschen, warum sie unbedingt Eltern werden wollen.  

Lena, 25, studiert Biotechnologie in Braunschweig

Ich hätte gerne zwei Kinder, vielleicht sogar mehr. Es ist doch Wahnsinn, so eine kleine Person, die nur von einem selbst kommt.

Ich glaube, dass ich diesen Kinderwunsch eigentlich schon immer hatte. Ich habe schon als kleines Mädchen immer gerne Mutter, Vater, Kind gespielt. 

Es gab auch mal Zeiten, in denen dieser Wunsch schwächer war – zum Beispiel, als ich als Jugendliche auf Kinder aufgepasst habe, und merkte, wie anstrengend und nervig sie sein können. Trotzdem ist dieser Wunsch nie weggegangen, ich habe gerne Kinder um mich. Deshalb habe ich nach dem Abitur als Au-Pair in den USA gearbeitet, viel über Erziehung gelernt und vor allem gemerkt, was ich selbst später für meine Kinder will, und was nicht.

Aber: Jetzt gerade möchte ich kein Kind. Ich studiere noch und ich finde, man sollte finanziell abgesichert sein und ein geregeltes Einkommen haben. Damit man sich sicher sein kann, dass man das Kind auch wirklich großziehen kann, ihm alle Möglichkeiten geben kann. 

Für mich gehört außerdem ein Partner dazu. Dieses klischeehafte, dass es derjenige sein muss, mit dem man für immer zusammen ist, diese Illusion habe ich nicht. Aber eben jemand, mit dem man eine feste Beziehung führt, bei der man selbst davon überzeugt ist, dass sie lange – oder auch für immer – hält. 

Klar, es ist beängstigend, wo es mit der Welt hingeht, Klimawandel, Terrorismus. Und da setzt man jetzt ein Kind rein? Andererseits: Wir sind auch noch ein paar Jahre auf dieser Welt, und vielleicht kann man in dieser Zeit etwas bewirken, damit es nicht ganz so beängstigend ist, jemanden hier zu hinterlassen. 

Phil, 25, studiert Journalistik in Hamburg, macht Praktikum bei bento

(Bild: privat)

Für mich gehört zumindest ein Kind zum Bild einer Familie dazu. Dafür gibt es keine rationale Erklärung. Ich kenne tausend Gründe, keine Kinder zu bekommen, aber fast keinen es zu tun.   

Trotzdem sagen einem fast alle Eltern: Es sei das Beste, das ihnen jemals passiert sei.

Dabei gibt es so viele Nachteile: Kinder sind teuer und laut. Als Eltern schläft man schlecht, ist nicht mehr unabhängig, muss sich ständig um die Kleinen kümmern. 

Ich weiß das alles. 

Irgendwann schiebt einem das Kind vielleicht ein Nutella-Brot in den DVD-Player. Oder malt das Sofa mit Edding an. Vielleicht nimmt es das iPhone mit in die Badewanne oder kotzt das Frühstück auf die Hose. 

Kann sein. Aber all diese Dinge lassen sich ersetzen. 

Was sich nicht ersetzen lässt, so stelle ich es mir zumindest vor: Der Moment, wenn einen das eigene Kind am Sonntagmorgen anguckt und sagt "Papa, ich hab dich lieb."

Ich glaube, das ist dieses Phänomen der bedingungslosen Liebe, das ein Leben erst richtig vollkommen macht. Diese Augenblicke und Nähe kann kein anderer Mensch ersetzen. Es ist eine Bereicherung des eigenen Lebens und die wahrscheinlich beste Möglichkeit, etwas zu hinterlassen, das die Welt ein kleines bisschen besser macht.

Cami, 33, arbeitet als Humangenetikerin und lebt mit ihrer Partnerin zurzeit in Boston, USA

(Bild: privat)


Ich wollte schon immer Kinder. Am liebsten mehrere. Ob das nun leibliche Kinder sind, oder durch meine Frau, durch Adoption oder Langzeitpflege. Ganz ohne Kinder zu leben wäre für mich nichts. Ich komme selbst aus einer großen Familie mit Geschwistern und vielen Cousins and Cousinen – sowohl leibliche als auch adoptierte und jobbte früh als Babysitterin. 

Kinderkriegen bedeutet für mich, Kinder in meinem Leben willkommen zu heißen und sie dann mit Liebe, meinen Idealen und meiner Weltanschauung großzuziehen. Im Idealfall zu ganz tollen Erwachsenen, die in der Welt viel Gutes tun. Ich will, dass meine Kinder von mir lernen, viel Liebe bekommen und hoffentlich Liebe geben können – sowohl an mich als auch an andere Menschen.

Als Lesbe ist das Kinderkriegen etwas, das mehr Planung braucht. Wenn meine Partnerin das Kind austrägt, dann gehört es vielleicht nicht biologisch mir, aber das ist kein Problem. Es geht mir auch gar nicht um die Gene: Ich glaube nicht, dass meine Gene so großartig sind, dass man unbedingt mehr davon braucht. Mir geht es eher um das Großziehen der Kinder, sie lieb zu haben und als Person formen zu können. 

Meine Frau ist gerade im sechsten Monat schwanger mit unserem ersten Kind. Früher gehörte das Gebären und Stillen stark zu meiner Vorstellung des Kinderkriegens. Jetzt, wo unser Baby auf dem Weg ist, ist es mir nicht mehr so wichtig. Es ist schön zu sehen, wie meine Frau das durchlebt, wie toll sie mit ihrem Bauch aussieht und sie zu begleiten und zu unterstützen.

Wir wollen unseren Kindern viel von uns mitgeben, aber hoffentlich schaffen wir es auch, ihnen zu zeigen, dass unser Weg, Dinge zu tun, nicht der einzig richtige ist.

Generell reagieren andere positiv auf meine Einstellung. Viele stellen Fragen, aber bis auf sehr wenige Menschen haben wir fast nur gute Erfahrungen gemacht. Ganz viele freuen sich auf unser Baby. Es ist wirklich schön für mich, dass die Welt uns – im Großen und Ganzen – mit Freude als Familie akzeptiert.


Fühlen

Was ich bei einem Muschi-Workshop über mich selbst gelernt habe
Es gab sogar Hausaufgaben.

Bisher dachte ich, ich hätte ein gutes Verhältnis zu meiner Muschi. Kinky Talk und Gespräche über One-Night-Stands machen mir Spaß, ich habe keine Probleme damit, anderen meine sexuellen Bedürfnisse mitzuteilen. 

Aber wenn es die Möglichkeit gibt, mein Sexleben noch besser zu machen, bin ich sofort dabei. Also habe ich mich für einen "Handarbeitsabend" für Frauen angemeldet.