Nun wird sie dafür fertiggemacht.

Egal ob Stillen, Füttern oder die richtige Kita: Wenn es um das Großziehen von Kindern geht, haben die meisten Eltern sehr genaue Vorstellungen davon, was richtig und was falsch ist. 

Da kommen externe Ratschläge nicht immer gut an – vor allem, wenn sie grundlegende Aspekte des bisherigen Lebens mit den eigenen Kindern in Frage stellen. 

Deshalb ist es kein Wunder, dass das Interview einer australischen Sexualpädagogin nun für einen riesigen Aufruhr gesorgt hat. 

Ihr Tipp: Eltern sollten Babys um Erlaubnis bitten, bevor sie deren Windeln wechseln.

Das klingt natürlich erst mal komplett absurd. Aber man muss ihre Aussage im Kontext sehen. 

In dem besagten Interview mit der Fernsehsendung ABC News erzählt Deanne Carson von ihrem Job für die Organisation "Body Safety Australia". Diese setzt sich gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern ein, indem sie Kindern einen selbstbewussten Umgang mit dem eigenen Körper beibringt – und Eltern, Lehrer und andere Verantwortliche für die Selbstbestimmung der Kinder sensibilisiert. 

Im Interview sagte Carson in diesem Zusammenhang, sie arbeite mit Kindern ab drei Jahren und mit Eltern schon ab der Geburt eines Kindes. Es gehe dabei darum, eine "Kultur der Zustimmung" im Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern zu etablieren, sagt sie. 

Darauf folgt der Satz, der nun für Wirbel sorgt. Man solle selbst sehr kleine Kinder fragen:

Ich werde jetzt deine Windel wechseln. Ist das okay?

Dass darauf von einem Baby keine konkrete Antwort kommt, ist Carson klar: "Natürlich wird ein Baby nicht sagen: 'Ja, Mama, das wäre toll!" 

Aber es gehe darum, die Frage zumindest auszusprechen und dem Kind durch Augenkontakt und Körpersprache zu signalisieren, dass seine Meinung zählt. 

Das alles dient laut Carson dazu, Kindern schon ab dem frühesten Alter beizubringen, dass sie Kontrolle über ihren eigenen Körper haben – und entscheiden können, wer sie anfasst und wer nicht. Damit sie nicht Opfer von sexueller Gewalt werden.

Hier kannst du den Ausschnitt ansehen:

Carsons Methode kann man natürlich kritisch sehen und hinterfragen. 

So meldeten sich nach dem Interview in diversen Medienberichten Psychologen zu Wort, die sagten, ein Baby könne solche Fragen noch nicht begreifen, daher seien sie unangebracht.

Und auch viele Eltern haben eine Meinung zur Debatte – wie diese Mutter, die sich sicher ist, dass sie von ihren Kindern niemals die Zustimmung zum Wechseln der Windeln bekommen hätte:

Andere stellen sich die Situation so vor:

Doch das sind die harmlosen Reaktionen. Andere gehen weit über jede normale Kritik hinaus.

Seit das Video online ist, wird Deanne Carson extrem im Netz beschimpft, sie sei eine "linke Verrückte", bekam sogar Morddrohungen. Es ging so weit, dass sie alle ihre Accounts vorerst deaktivierte.

Bevor sie offline ging, schrieb sie auf Facebook:

"Leider haben sich einige Menschen dafür entschieden, mich zu veralbern (oh nein, pinke Haare! Sie muss lesbisch sein!) und ebenso den Gedanken, Kleinkindern Autonomie über ihre Körper zu geben. 
Für diese Leute poste ich das.
Eines von drei Mädchen und einer von sieben Jungen wird sexuell missbraucht, bevor sie 18 Jahre alt sind. Eines von zwölf Mädchen wird sexuell missbraucht, bevor sie sechs wird.
Die Arbeit, die wir mit Kindern, Lehrern und Eltern machen, ist ein internationales Erfolgsmodell zur Prävention von Missbrauch. Sie lehrt Kindern ihre Rechte und ihre Verantwortung und verbindet sie mit Menschen, die helfen können. [...]
Trollt mich, wie ihr wollt [...], aber denkt daran, wenn ihr es tut, dass ihr damit die Stimmen der mutigen Überlebenden von sexuellem Missbrauch zunichte macht."

Tatsächlich ist das Konzept hinter Carsons Aussagen nicht weit von dem entfernt, was auch in Deutschland Praxis ist. 

So wird in Fachkreisen beispielsweise über den Umgang mit der Intimsphäre von sehr kleinen Kindern debattiert. Kita-Pädagoginnen und -Pädagogen wird in Publikationen wie dieser empfohlen, die Kinder beispielsweise aussuchen zu lassen, von wem sie gewickelt werden möchten. 

Und: Schon ab dem dritten Lebensjahr beginnen Kinder, in "Doktorspielchen" gegenseitig ihre Körper zu erkunden (Süddeutsche). In solchen Situationen hilft es Kindern definitiv, wenn sie in der Lage sind, "nein" zu sagen, sobald sie etwas nicht wollen. Auch darüber sind sich Experten einig.

Ob man Carson nun also zustimmt oder nicht: Die Gedanken hinter dem Wickel-Satz sind gar nicht so verkehrt. Die Reaktionen hingegen waren es schon. 


Today

Hitler ist tot. Zur Info für alle, die sich nicht sicher waren
Forscher haben das vorsichtshalber geklärt.

Adolf Hitler war ein gefährlicher Diktator und für den Massenmord an Millionen von Menschen verantwortlich. 

Und er ist tot. Seit 1945 schon.

Das haben nun, 73 Jahre später, französische Wissenschaftler bestätigt. (AFP)