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Drei Männer und Frauen erzählen

Kaum einer spart sich mehr für die wahre Liebe auf und wartet keusch bis zur Hochzeitsnacht – warum auch? Man muss ja schließlich wissen, worauf man sich einlässt. Deswegen experimentieren wir, schauen wer und was uns gefällt, haben Dates, führen Beziehungen und irgendwann treffen wir dann hoffentlich den oder die Richtige/n.

Dennoch gibt es auch heute noch junge Menschen, die bis zur Ehe enthaltsam bleiben wollen. Im Interview erzählen drei Männer und Frauen von ihren persönlichen Erfahrungen. Ihre Geschichten sind echt, ihre Namen erfunden.

Elena, 23 und Matthias, 24, Studenten

Als Teenager lernten sich Elena und Matthias über das soziales Netzwerk SchülerCC kennen. Sie führten lange eine Fernbeziehung, bis sie vor drei Jahren zusammengezogen sind und geheiratet haben. Es ist ihnen nicht immer leicht gefallen, keinen Sex vor der Ehe zu haben.

Warum habt ihr euch dafür entschieden, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten?

Elena: Das hört sich vielleicht komisch an, aber für uns waren unsere Eltern die Vorbilder. In meiner Familie ging es immer sehr harmonisch zu. Wenn meine Freundinnen bei mir zu Besuch waren, schwärmten sie oft, wie verliebt meine Eltern noch seien und wie respektvoll sie miteinander umgingen. Vielleicht liegt es daran, dass auch sie gewartet haben, dachte ich. Hinzukommt, dass Matthias und ich beide aus religiösen Elternhäuser kommen.

Ich wollte einen Ehemann, der mehr Wert darauf legt, wie es mir geht als auf die körperliche Beziehung. Wir waren uns einig, dass Sex überbewertet wird. Also Sex ist schon wichtig, aber die Ehe und offen miteinander kommunizieren zu können, sollte einfach wichtiger sein.

Wie schwer war es für euch, zu warten?

Elena: Wir hatten eine Fernbeziehung und es lagen fünf Stunden Zugfahrt zwischen uns, das hat es erleichtert. Ich habe damals öfter bei seiner Familie übernachtet, aber wir haben nie zusammen in einem Raum geschlafen, weil wir dieses Risiko nicht eingehen wollten. Und als er eine eigene Wohnung hatte, habe ich gecouchsurft statt bei ihm zu übernachten.

Lächerlich, dachten bestimmt manche: Er hat nur einen Kilometer weiter eine Wohnung und ich schlafe trotzdem woanders, damit wir unseren Vorsatz nicht brechen.

Teilweise haben wir schon Grenzen eingerissen, die wir eigentlich nicht überschreiten wollten. Das war jetzt nicht so animalisch; wir wollten es in dem Moment so. Aber danach fanden wir es eben nicht so toll. Zum Sex ist es nie gekommen und darüber waren wir dann froh.

Würdest du es wieder so machen?

Elena: Ich habe eine super Ehe – bisher ist sie zwar noch nicht so lang – aber es ist wirklich schön und auf jeden Fall empfehlenswert. Außerdem haben wir in Bezug auf Sex ja nichts verpasst, wir setzen unsere Wünsche eben jetzt in der Ehe um.

Samed, 22, Student

Bis vor kurzem war Samed in einer Beziehung, Sex hatte er mit seiner Freundin jedoch nicht – und auch noch mit keiner anderen Frau.

Warum ist es wichtig für dich, zu warten?

Früher hauptsächlich aus religiösen Gründen. Mir wurde als Kind erklärt, dass Sex vor der Ehe etwas Schlimmes sei und man dafür in die Hölle käme. Das hat mir Angst gemacht. Aber mit der Zeit hinterfragt man das. Ich bin kein Religionsfanatiker, trotzdem bin ich gegen Sex vor der Ehe.

Denn ich betrachte die Ehe als eine Partnerschaft zwischen Mann und Frau, die das Leben wirklich miteinander teilen. Wenn ich mit meiner Frau das gleiche mache, wie mit den anderen Frauen davor auch, dann ist diese Ehe nichts besonderes mehr für mich.

Würdest du von deiner Frau ebenfalls erwarten, dass sie noch keinen Sex hatte?

Ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren würde. Ich weiß, ich gehöre nicht zur Mehrheit der Gesellschaft, deshalb kann ich sowas auch nicht erwarten – aber ich würde es mir wünschen. Ich hatte bisher nur eine wirklich ernste Beziehung, in der wir auch darüber gesprochen haben. Und die Frau wollte ebenfalls warten.

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Musst du dich oft vor anderen Leuten dafür rechtfertigen?

Es kommt ziemlich oft vor, dass sich andere darüber lustig machen. Viele können es nicht nachvollziehen. Das akzeptiere ich, es ist eben eine andere Herangehensweise. In meinem engeren Freundeskreis haben sie aber zum Glück die gleiche Ansicht wie ich.

Katja, 25, Medizinisch-technische Laboratoriumsassistin, Lorenz, 23, Verfahrensmechaniker

Katja war lange Zeit fest entschlossen, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten. Von den ständigen Annährungsversuchen ihrer Exfreunde war sie genervt. Dann lernte sie Lorenz kennen.

Warum wolltest du mit dem Sex bis zur Ehe warten?

Katja: Ich möchte nur mit demjenigen intim sein, mit dem ich mir auch vorstellen kann, mein Leben zu verbringen. Das war natürlich schwierig, weil viele – oder zumindest einige – das nicht ganz so gut fanden.

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Wie hat Lorenz darauf reagiert?

Katja: Er war selbst noch Jungfrau. Er versuchte es schon bei mir – aber ich sagte ihm gleich, dass ich noch warten möchte und mir einfach sicher sein will. Er hat das akzeptiert und fand es sogar gut. Wir haben ausgemacht: Wenn es doch passieren sollte, dann geht es von mir aus. Naja, er startete dann trotzdem noch ein paar Versuche.

Wieso hast du dich doch umentschieden?

Katja: Lorenz und ich sind jetzt seit gut einem Jahr zusammen. Ich weiß, dass er derjenige ist, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen will, den ich heiraten werde und mit dem ich eine Familie gründen werde. Wir haben auch schon übers Heiraten gesprochen. Bei ihm sage ich: "Das ist er. Das ist das, was ich möchte und was mir gut tut."

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