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Neulich war es wieder mal so weit: Meine Freundin Jana*, die seit drei Jahren eine Art On-Off-Beziehung führt, hatte sich wieder mal von ihrem Freund Sven* getrennt. "Wir lieben uns beide noch, das haben wir uns auch gesagt. Aber irgendwie passt es einfach nicht richtig ..." 

Es passt einfach nicht. 

Ich weiß gar nicht, wie oft ich diesen Satz schon von meinen Freundinnen gehört habe. Es scheint, als seien die berüchtigten "unüberbrückbaren Differenzen", von denen man früher immer in Magazinen gelesen hat, inzwischen voll im Alltag angekommen.

Dabei klingt diese Erklärung erst mal komisch. Vor allem, wenn sie, wie im Fall meiner Freundin Jana, zusammen mit dem Satz "Wir lieben uns noch", fällt. Eigentlich, so möchte man meinen, ist es doch so: Entweder man liebt sich, oder halt nicht. 

Wer sich liebt, findet immer einen Weg, das haben uns Frauenzeitschriften, Disney und "Sex and the City" gelehrt. 

Wo Liebe ist, sollten weder die hochgeklappte Klobrille noch die offene Zahnpastatube auch schwer ins Gewicht fallen. Vielleicht wirkt der Satz "Es passt einfach nicht“ deshalb immer ein wenig wie eine faule Ausrede. Wer nicht bereit ist, für seine Beziehung zu kämpfen, der kann sich doch eigentlich gar nicht wirklich geliebt haben. 

Aber ganz so einfach kann es doch nicht sein. Man denke nur an die zahlreichen On-Off-Beziehungen, die sich melodramatisch von einer Episode zur nächsten hangeln. 

Manche Fragen kann eine Psychologin am besten beantworten. Diese zum Beispiel:
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Meine Freundin Jana kämpft zum Beispiel seit drei Jahren immer wieder für ihre On-Off-Beziehung – und muss dann doch jedes Mal wieder aufgeben. Die beiden haben einfach zu unterschiedliche Bedürfnisse, was Nähe und Freiraum angeht. 

Ein Urlaub zusammen? Für Jana ein Muss, für Sven eine Sache der Unmöglichkeit. 

Dinge wie zusammenziehen, gemeinsamer Alltag, kurzum, einen Schritt weiter zu gehen, funktionieren für Janas Freund einfach nicht. Und so streiten sie immer wieder über seine unabhängige (oder, um es in ihren Worten zu sagen: "egoistische") Wochenendplanung, bis es erneut nicht weiter geht. Wenn Jana dann wieder mal allein ist, ist sie todunglücklich. Klar, denn immerhin meint sie von sich ja, Sven wirklich zu "lieben" und wer ist schon gern freiwillig ohne jemanden, den man liebt?

Die drei Ebenen einer Beziehung

"Es gibt Paare, die sich wirklich lieben, die aber dennoch nicht kompatibel in ihren Vorstellungen von einer Beziehung sind“, erklärt mir Paartherapeutin Nina Zucker. Jeder Mensch habe unterschiedliche Erwartungen an eine Beziehung – und je mehr sich unser Verständnis von einer Beziehung ähnelt, desto besser läuft es.

"Es gibt drei unterschiedliche Ebenen von Beziehungen", sagt Zucker.

Partnerschaft, Freundschaft und Erotik.
Nina Zucker


  • In einer Partnerschaft, der ersten der drei Ebenen, geht es um Arbeitsteilung. Man spricht sich ab und sollte sich an die getroffenen Vereinbarungen, zum Beispiel gemeinsam Geld sparen und Kindererziehung, dann auch halten. Zuverlässigkeit ist in diesem Bereich sehr zuträglich. 
  • In der zweiten Ebene einer Beziehung – die Freundschaft – unterstützten sich Partner gegenseitig und helfen sich so, das Beste aus sich herauszuholen. "Zu dieser Ebene passt auch der Spruch 'Gleich und gleich gesellt sich gern'", sagt Frau Zucker. Man mag sich und empfindet es als Bereicherung, zusammen Zeit zu verbringen.
  • Die dritte Ebene, die Erotik und Leidenschaft, steht dazu im Widerspruch, denn hier gilt eher der Satz "Gegensätze ziehen sich an“. Diese Ebene ist von der Lust auf den Anderen, dem Abenteuer und dem Ungewissen geprägt. Pläne, wie bei einer Partnerschaft, haben dort nichts zu suchen. 

Lass uns Freunde werden!

Im Umkehrschluss heißt das: Es ist so gut wie unmöglich, dass alle Ebenen, die eine Beziehung ausmachen, von nur einer Person erfüllt werden. Dementsprechend sollten wir uns bewusst machen, was wir von unserer Beziehung erwarten. Ist es uns wichtiger, sich auf den anderen zu verlassen, gemeinsame Urlaube zu planen und irgendwann das ganze Leben, samt unglamourösem Alltag miteinander zu teilen? Oder sind uns Spannung und Leidenschaft wichtiger? 

"Bei der Frage danach, ob unsere Partnerschaft so wirklich für uns funktioniert, ist es wichtig, wirklich in uns selbst hineinzuhorchen. Oft denken wir, dieses und jenes sei in einer Partnerschaft 'normal' - dabei gibt es in einer Beziehung gar keine Normen", sagt Zucker. Oftmals übernehmen wir Dinge, die uns von der Gesellschaft und dem Elternhaus vorgelebt werden, ohne zu prüfen, ob diese unseren eigenen Überzeugungen entsprechen. 

Konkret heißt das: Es mag sein, dass der Großteil aller Paare irgendwann zusammenzieht. Wenn es aber für uns unvorstellbar ist, mit dem Freund oder der Freundin den Alltag zu teilen, dann müssen wir das nicht. Die Frage ist nur, ob unser Partner und wir so auf einen gemeinsamen Nenner kommen und auf lange Sicht die jeweiligen Bedürfnisse und Erwartungen erfüllen können.

Schwierig wird es dann, wenn beide Partner eine sehr unterschiedliche Vorstellung von Nähe und Distanz haben. Wenn wir unseren Freund am liebsten täglich sehen möchten, uns einen gemeinsamen Urlaub und eine Wohnung zusammen wünschen, während es ihm dagegen reicht, uns alle zehn Tage mal kurz zu sehen.

Jeder hat eine andere Art zu lieben
Nina Zucker

"Wenn jemand andere Bedürfnisse hat als wir und uns zum Beispiel nicht so oft sehen möchte, heißt es nicht, dass unser Partner weniger liebt als wir selbst. Er liebt nur anders.“ sagt Zucker. Und eben dieses 'anders' ist es, das dazu führen kann, dass es einfach nicht 'passt', dass man sich eben liebt, und dennoch nicht zusammen sein kann.

"Wenn man keine Einigung finden kann und die Erwartungen an eine Beziehung sehr unterschiedlich sind, ist es manchmal besser, sich zu trennen. Anders würde man sich nur verbiegen und trotzdem nicht glücklich werden“, sagt die Paartherapeutin. 

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Klingt irgendwie traurig, und wenn ich an meine Freundin Jana denke, die wieder mal darüber nachdenkt, ob sie Sven und sich nicht doch noch eine Chance geben soll, kann ich mir kaum vorstellen, dass diese Lösung wirklich befriedigend ist. Das hier vielleicht schon eher:

Lieben ist eine Fähigkeit
Nina Zucker

"Jemanden lieben zu können, beschränkt sich nicht nur auf die eine Person, die wir meinen zu lieben. Wer seinen Partner lieben kann, kann und wird auch andere Menschen lieben", sagt Nina Zucker. Insofern hat es also auch etwas Gutes, Schluss zu machen, weil es einfach nicht 'passt': 

Wir sind wieder frei für die nächste große Liebe, die ganz bestimmt irgendwann wieder um die Ecke kommt - und dann mit ein bisschen Glück ein bisschen besser 'passt‘.

*Jana und Sven heißen eigentlich anders.


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