Bild: bento
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Kaum eine Wochenhälfte fasst mein Leben so gut zusammen wie die vom 27. Oktober an. An diesem Tag – einer meiner Lieblingstage des Jahres – habe ich rosa Herzchen in meinen Kalender gekritzelt. Mir zittern immer noch die Knie, wenn ich das Datum beim Durchstöbern des Jahresplaners entdecke. Es ist der Tag, an dem mein Freund und ich uns zum ersten Mal geküsst haben. Samstagsabends in einem Club in Düsseldorf, ich hatte ein scheußliches rotes Shirt an.

Blättere ich weiter, finde ich die To-Do-Liste mit Dingen, bei denen nichts kribbelt oder zittert: Arbeitsschichten für die nächste Woche vergeben, Geschenk für Papa besorgen, Friseur-Termin machen, Tisch fürs Frühstück reservieren, Postkarte einwerfen.

Mein ganzes Leben auf Papier, umschlungen von einem türkisgrünen Ledereinband.
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Ich habe meinen Kalender immer dabei. Ohne ihn wäre ich aufgeschmissen, würde Geburtstage vergessen, mich nicht mehr erinnern, an welchem Wochentag ich noch mal mit wem zum Bier verabredet war. Und es gibt wohl kaum ein befriedigenderes Gefühl, als die Punkte "Bad putzen" und "weiße Wäsche waschen" mit einem Häkchen zu versehen.

Mein Kalender ist eine Mischung aus Schmierzettel und Tagebuch, in Zeiten, in denen fast niemand mehr Briefe schreibt und man selbst bei der Arbeit ohne Kulli auskommt.

Konzerttickets, Museumsschnipsel von meinem letzten Wochenendtrip, Notizen. Das Freundschaftsarmband eines Freundes liegt immer zwischen den Seiten mit der aktuellen Woche. Fotos von Opa und mir im Skiurlaub, ich bin fünf und sitze auf seinem Schoß, während er die Arme um mich legt, oder das meiner Eltern in jungen Jahren sammle ich in der Tasche auf der letzten Seite. Da steckt auch diese Postkarte mit der Aufschrift:

"Einen Scheiß muss ich."

Ich könnte meinen Kalender am Jahresende niemals wegwerfen, da könnte ich gleich meine gesammelten Erinnerungen auf die Müllkippe werfen.

Und deshalb nervt mich auch diese Frage. "Wann fängst du endlich an, deine Termine in dein iPhone einzutragen?"

Sie wird mir meist dann gestellt, wenn ich mal wieder meinen abgegriffenen Kalender aus der Tasche wühle, um das nächste Essensdate mit meinen Freundinnen zu planen.

Aber: Könnte ein Handy so viele Gefühle in sich tragen wie mein Kalender? Nein!

Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich gedankenverloren am Telefon hänge und nebenbei Kringel um das Heimatwochenende bei meinen Eltern male – als sei ich immer noch die Sechstklässlerin, die in ihr Diddl-Tagebuch schreibt. Ich steh dazu.

Ein bisschen bin ich sogar stolz auf das kleine Ding, Größe DIN A5. Manches darin ist nur so dahin skizziert, anderes in Schönschrift notiert. Aber alles wirkt auf mich in bester Ordnung.

Auf meinem Handy herrscht hingegen das Chaos:

Nachrichten-Apps, Mails, Bilder, Screenshots, Musik, Rezepte, soziale Netzwerke. Wenigstens die Planung meines Lebens möchte ich davon fernhalten.

Und dann kommt dieser Moment am Ende des Jahres, wenn ich die Geburtstage in den noch unberührten Kalender übertrage. Was wird mich noch erwarten, denke ich mir beim Blick auf die leeren Seiten. Was dieses Jahr schon wieder alles passiert ist, denke ich beim Blick in den alten Kalender.

Ein sehr meditativer Moment. Wenn ich zu lange auf mein Smartphone starre, bekomme ich stattdessen nur Kopfschmerzen.

Gerechtigkeit

"Genderless Nipples": Instagramer protestieren gegen Doppelstandards

Der Instagram Account "Genderless_Nipples" zeigt Nahaufnahmen von Brustwarzen, um gegen die umstrittenen Sperrrichtlinien der Plattform zu protestieren. Instagram blockiert Fotos von nackten Frauenbrüsten, die von Männern jedoch nicht.

Der Account wurde von den New Yorker Studenten Morgan-Lee Wagner, 21, Evelyne Wiss, 24 und Marco Russo, 28, gegründet. Sie wollen damit zeigen, dass Brustwarzen gleich aussehen – egal ob männlich oder weiblich. (Daily Mail)