Bild: elen yatsenko / unsplash

Sexualität ist ständig ein Thema in unserer Gesellschaft: Wen wir wie wo lieben, spielt in jeder zweiten Netflix-Serie, jedem dritten Werbeplakat und bei wirklich jeder WG-Party eine Rolle. Ob polyamouröser Pansexueller oder serielle Monogamistin, die Möglichkeiten sind vielfältig. Jungfräulichkeit wirkt da im Vergleich für viele sonderbar: Warum hat jemand keinen Sex, auch wenn es gesellschaftlich nicht mehr verpönt ist? Sind Jungfrauen verklemmt? Oder steckt etwas anderes dahinter? Solche Fragen kennt Vera*, 24, nur zu gut.  

Sie ist Jungfrau und hat uns erzählt, mit welchen Vorurteilen sie konfrontiert wird, wie sie damit umgeht - und warum sie sich mehr Offenheit mit dem Thema wünscht.

"Wenn ich mit anderen über Beziehungen rede, kommt früher oder später der Moment, in dem ich sage: Ich hatte noch nie eine Beziehung – und auch noch keinen Sex. 

Oft ist mein Gegenüber dann überrascht und will wissen, warum ich noch Jungfrau bin. Dabei frage ich ja auch nicht 'Warum hast du Sex?' 

Die Leute versuchen zwar meist, Verständnis aufzubringen, aber ich habe trotzdem oft das Gefühl, dass ich sie wieder in eine Komfortzone zurückbringen muss, indem ich mich erkläre. Ich muss dann einordnen, wieso ich noch Jungfrau bin und bezeugen, dass es mir gut geht damit. Denn zu ihrem Bild von einer normalen Person in unserem Alter gehört, dass man Sex hat. Und dass, wenn jemand noch keinen Sex hatte, mit der Person eben irgendetwas nicht normal ist. 

In den Medien ist es genau so. Dort werden oft nur Bilder von Beziehungen und Sexualität gezeigt, die mit meinen eigenen Erfahrungen nicht übereinstimmen: leicht bekleidete Frauen, die in vermeintlich verführerischen Posen mir auf riesigen Plakaten entgegen springen. Selbst in der Bravo geht es schon gut ab. Und das lesen 12-, 13-, 14-Jährige. Das passt wenig in mein Frauenbild und in mein Selbstverständnis. 

In den Medien wird Jungfräulichkeit auch immer als Gegenteil von Sexualität dargestellt: 

Wenn du Sex hast, dann bist du begehrenswert, locker, wild. Und als Jungfrau gilt man als Gegenteil – unattraktiv, spießig oder verklemmt.

In Artikeln über Jungfräulichkeit bleibe ich oft an Formulierungen hängen, die sich genau an diesen Stereotypen bedienen. Wenn sie es nicht tun, gibt es immer den Versuch, die Jungfräulichkeit zu entschuldigen, indem die Artikel die Protagonisten besonders positiv darstellen. Eine Autorin schrieb beispielsweise über ihren Kumpel: Er sei nicht übergewichtig, ein cooler Typ, mache viel in seiner Freizeit. Und trotzdem sei er Jungfrau.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nichts. Es soll nur zeigen: Ok, das mit seiner Jungfräulichkeit ist komisch, aber eigentlich ist das ein ganz toller Typ.  

Das erste Mal

Millennials haben im Durchschnitt mit 17,4 Jahren das erste Mal Sex, das fand eine Studie des Gesundheitsportals DrEd heraus. Dafür wurden Tausend Menschen in den USA und Europa der Generation Y zu ihren sexuellen Erfahrungen und Einstellungen befragt. Die nachfolgende Generation Z erlebt ihr erstes Mal übrigens schon ein ganzes Jahr früher: mit 16,2 Jahren verlieren sie im Durchschnitt ihre Jungfräulichkeit. 

Die gleiche Beweislast spüre ich auch: Ich fühle mich ständig gezwungen, zu zeigen, dass ich nicht irre bin oder irgendein tiefliegendes Problem habe, das der Grund sein könnte, wieso man noch Jungfrau ist. 

Alle tun immer so offen und tolerant, aber man merkt eben in solchen Gesprächen, dass das nicht der Fall ist. Für sie gibt es nur diesen einen Weg. Und meiner ist eben anders. 

Denn dass ich eben einfach noch nie Sex hatte, nehmen die wenigsten einfach so hin.

Dabei fallen immer wieder Sätze wie 'Mach dich mal locker' oder 'Entspann dich'. Oder es wird impliziert, dass ich an mir etwas ändern müsste und dann würde 'es schon klappen'. Ich merke, wie ich mir deshalb selbst Druck aufbaue. Dabei möchte ich das gar nicht. 

Ich möchte das tun, was für mich gut ist. Ich will mich nicht dafür schämen und mich auch nicht die ganze Zeit fragen, ob ich etwas falsch mache. Was ich schön fände, wäre so eine Unaufgeregtheit und Natürlichkeit im Umgang mit dem Thema. Dass, wenn man das Wort "Jungfrau" sagt, nicht sofort irgendwelche Schubladen in den Köpfen aufgehen.

Denn der Satz 'Ich bin Jungfrau' sagt über mich doch nur: Ich hatte noch nie Sex. Nicht mehr und nicht weniger."

*Name geändert – der echte Name ist der Redaktion bekannt.


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