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Bei Geld hört die Freundschaft eben auf.

Beziehungen, Politik, Filme, Sex: Mit meinen Freunden rede ich über alles. Nur nicht über meinen Kontostand.

Der liegt mit meinen 26 Jahren bei etwa 200.000 Euro. Und damit deutlich über dem, was der Rest meiner Mitte 20-jährigen Freunde mit Geisteswissenschafts-Studium besitzt.

Für dieses Geld habe ich nichts getan. Außer, in einer Reihe von Menschen geboren zu werden, die vermögend, aber nicht besonders langlebig waren.

Dass ich es habe, weiß ich seit meinem 18. Geburtstag. Da eröffneten mir meine Eltern, dass es da dieses Sparkonto gebe. Für mich kam das ziemlich überraschend. Ich hatte meine Familie zwar nie als arm, aber auch nie als reich empfunden: Alles, was wir brauchten, war da. Aber ebenso häufig, wie ich "Ja" hörte, hörte ich "Nein".

Mit 18 stand ich kurz vor dem Abitur und damit auch vor der Entscheidung, wie es mit meinem Leben weitergehen sollte. Auf meinem eigenen Sparkonto lagen zu diesem Zeitpunkt etwa 500 Euro. 200.000 – unter dieser Summe konnte ich mir überhaupt nichts vorstellen. Also bedankte ich mich verlegen bei meinen Eltern und machte weiter wie bisher.

Ich schrieb mein Abitur und zog aus, um zu studieren. Mietete mein erstes WG-Zimmer, suchte mir einen Nebenjob, aß für 2,50 Euro in der Mensa und trank mein Bier in Kneipen, die viel teurer waren, als ich es von zu Hause gewohnt war. 

Mein Umgang mit Geld unterschied sich nicht von dem meiner Kommilitonen

Doch zwischen Mensa und Kneipe wurde mir auch klar, dass wir dennoch nicht gleich waren. 

Denn einige meine Freunde konnten ihre Miete nur zahlen, wenn sie jede Woche genug Schichten im Café bekamen. Verspätete sich ihr Bafög, bangten sie um ihren Lebensmitteleinkauf. Das Pleite-Sein gehörte zum Studieren dazu, ebenso das Jammern über knappe Kassen und überteuerte Bars. 

Und weil auch ich dazugehören wollte, sagte ich nie etwas über die dicke Geldsumme auf meinem Konto. 

200.000 Euro sind kein Lottogewinn-hafter Reichtum, mit dem ich mich sofort zur Ruhe setzen kann. Ich kann damit keinen Fußballclub kaufen und auch keine Segeljacht – in der Stadt, in der ich wohne, reicht es nicht einmal für eine Eigentumswohnung.

Ich habe mich deshalb immer angestrengt, mein Studium ohne große Verzögerungen abgeschlossen, nebenher gejobbt, Praktika gemacht, Bewerbungen geschrieben und nach meinem Masterabschluss direkt angefangen zu arbeiten – keine Weltreise, kein Selbstfindungstrip, kein Gap Year.

Und trotzdem: 200.000 Euro verändern etwas. Denn sie sorgen dafür, dass ich niemals hart fallen werde. 

Sollte ich plötzlich meinen Job verlieren oder einen Unfall haben – ich müsste keine Angst um meine Existenz haben. Es ist auch nicht so schlimm, dass ich in meinem ersten Job nicht so viel verdiene – denn meine private Altersvorsorge ist schon angelaufen. 

Die meisten Leute in meinem Umfeld haben diesen Luxus nicht. Sie haben – ebenso wie ich – Politikwissenschaften studiert oder Soziologie, hängen nun in Langzeitpraktika fest oder verdienen als Volontäre weniger als den Mindestlohn.

Geld zu haben oder kein Geld zu haben ist nicht nur eine Zahl auf dem Kontoausdruck. Es ist nicht nur die Frage, ob man zu Edeka geht oder zu Aldi. Geld kann bestimmen, wer wir sind in der Gesellschaft. Geld beeinflusst unsere Stimmung. Und Geld beeinflusst auch unsere Beziehungen.

In der Vergangenheit habe ich mit ein paar Menschen über meine finanzielle Situation geredet. Meistens tastete ich mich vorsichtig vor, sagte nur etwas von einem Sparkonto, ein paar Geldanlagen, nannte keine Summe. Manche von ihnen hatten ebenfalls Rücklagen, Erspartes von früher oder von den Eltern. Nichts davon auch nur annähernd so hoch wie meines. Andere hatten gar nichts oder sogar Schulden, von Verwandten geliehen oder einen Studienkredit.

Auf meine Enthüllung reagierten die anderen häufig verblüfft. Eine Studienfreundin, die mit ihren Eltern zerstritten ist und sich seit dem Abi alles selbst finanzierte, fragte mich, warum ich mir dann in der Uni immer so einen Stress machen würde. Warum ich nicht mal "irgendwas Geiles" mache. Eine Weltreise vielleicht. Andere Freunde waren der Meinung, ich sollte mich selbstständig machen, unabhängig werden. Oder das Geld gleich für einen guten Zweck spenden.

Jeder schien eine Meinung zu haben, was man mit 200.000 Euro anfangen sollte. Und nach dem Gespräch hörten sie oft nicht auf, das zu erwähnen.

Beschwerte ich mich über das Arbeitspensum im Studium, schlug mein Kumpel mir vor, doch einfach ein Semester Pause einzulegen, "ein bisschen backpacken und die Seele baumeln lassen".

Kotzte ich mich über meinen neuen Job aus, hieß es von besagter Freundin: "Warum kündigst du nicht einfach? Du bist doch auf das Geld nicht angewiesen." Und damit war die Sache für sie erledigt.

Mich nervte das. Ich wollte nicht nach dem Lustprinzip leben und jedes emotionale Loch mit Geld stopfen. Und jedes noch so große finanzielle Polster ist irgendwann verschwunden, wenn man nicht vernünftig damit umgeht. Doch mir Sorgen um Job und Zukunftsplanung zu machen, stand mir in den Augen der anderen offenbar nun nicht mehr zu.

Auf die Spitze trieb es mein Exfreund. Er studierte Kunst und war, wie es sich für einen Künstler gehört, notorisch pleite. Dass ich es nicht war, passte ihm äußerst gut in den Kram. Im Restaurant schob er mir die Rechnung hin. Anfangs führten wir eine Fernbeziehung – und immer musste ich ihn besuchen, weil er sich kein Ticket leisten konnte. Als wir zusammenzogen, hing er den ganzen Tag zu Hause rum und überließ mir trotzdem das Einkaufen. "Du bist doch reich" war sein Standardspruch. In seiner Vorstellung heirateten wir irgendwann, ich ging arbeiten, sicherte uns mit meinen Rücklagen zusätzlich ab und er hatte Zeit für seine Kunst.

Daraus wurde nichts. Ich wollte eine gleichberechtigte Beziehung, kein abhängiges Kind. Seitdem warte ich noch länger, bis ich meinen Partnern meine finanzielle Situation erkläre. Anderen Menschen erzähle ich es meistens einfach gar nicht mehr.

Auch ich habe ein Recht darauf, mir über meine Zukunft Sorgen zu machen. 

Ich habe ein Recht darauf, mich über meinen Job zu beschweren und über zu hohe Benzinpreise. Ich brauche keinen Partner, der sich nur auf mich stützt, und ich brauche keine Freunde, die ihre eigene Unzufriedenheit an mir auslassen.

Stattdessen habe ich deshalb mit Menschen geredet, die sich mit Geld auskennen. Finanzexperten, Anlageberater. Die mir erklärt haben, was ich mit dem Geld machen muss, damit es mir über die Jahre als Sicherheitskissen erhalten bleiben kann. Denn egal, was alle sagen: Auch darauf habe ich ein Recht.



Fühlen

Donald Trump zerstört einem Kind den Glauben an den Weihnachtsmann
"Glaubst du noch an den Weihnachtsmann? Weil mit sieben Jahren ist das an der Grenze, richtig?"

Seien wir mal ehrlich: So richtig schön war Heiligabend noch, als wir an den Weihnachtsmann geglaubt haben. Wenn das Glöckchen läutete, die Tür zum Wohnzimmer aufging und der Baum hell erleuchtet war. Um diesen Traum noch weiter auszuschmücken, gibt es in den USA eine langjährige Tradition: Kinder können bei einer Hotline erfragen, wo sich Santa Claus mit seinem Schlitten gerade aufhält. Blöd nur, wenn am anderen Ende der Leitung der US-Präsident sitzt.

Was ist passiert?

Donald Trump hat an Heiligabend beim traditionellen Weihnachtsmann-Radar Anrufe von Kindern entgegengenommen. Und dabei einem Siebenjährigen erklärt, dass es Santa Claus nicht gibt.

Diesen sogenannten "Santa-Tracker" gibt es bereits seit Jahrzehnten. Kinder wählen die Nummer einer Hotline und erhalten Auskunft über die aktuelle Position des Weihnachtsmanns und seines Schlittens auf der weltweiten Geschenketour. Die Spaß-Aktion wird vom nordamerikanischen Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando (NORAD) organisiert. Auch die Präsidentenfamilie hilft traditionell, die Fragen zu beantworten. (USA Today)

Wie soll das Gespräch zwischen Trump und dem Jungen abgelaufen sein?

Trump bezweifelte offenbar die Existenz von Santa Claus. Wie mehrere Nachrichtenagenturen melden, sagte Trump zu dem Jungen namens Coleman:

"Hallo, ist das Coleman? Fröhliche Weihnachten. Wie geht es dir? Wie alt bist du?" Und weiter:"Glaubst du noch an den Weihnachtsmann? Weil mit sieben Jahren ist das an der Grenze, richtig?" 

Die Antwort von Coleman konnte die anwesende Presse nicht hören. 

Trump fing jedenfalls an zu lachen.