Dieser eine Mittwochnachmittag war ein Schock für Ellen. Ihren Mitschülern erzählte die 16-jährige Oberschülerin stolz, dass die zentrale Brücke in Pirna mit lauter bunten Bändern behangen sei. Ein Zeichen für Offenheit und gegen den Fremdenhass, der sich vor allem durch die Randale im benachbarten Heidenau gezeigt hatte. Ellen war das wichtig, sie engagiert sich in der Kirche in der Jugendarbeit.

Aber die Mitschüler schauten sie nur verdutzt an: Die Brücke? Die habe am Morgen ganz normal ausgesehen. Später stellt sich heraus: In der Nacht hatten Unbekannte das Zeichen gegen Fremdenhass beseitigt und die Bänder abgehangen.

Wie sie lebt und was ihr Zimmer über Ellens Alltag erzählt, könnt ihr im 360-Grad-Foto sehen:

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Für Ellen die bisher schlimmste Begegnung mit Fremdenhass in ihrem Heimatort. Aufgeben will sie dennoch nicht. Wenn in ihrer Klasse rassistische Sprüche fallen, widerspricht sie energisch. "Rassismus und Faschismus sind Dinge, die wir in unserer Gesellschaft nicht mehr brauchen", sagt Ellen. Zum Höhepunkt der Flüchtlingsdebatte im Jahr 2015 war sie mit dieser Meinung zeitweise in der Minderheit ihrer Klasse.

Ihr Heimatstädtchen Pirna findet sie trotzdem lebenswert. Auch für Jugendliche. Ellen stimmt nicht in die Klagen vieler Altersgenossen mit ein, wonach es ja eh nichts zu erleben gebe. Sie sucht die Verantwortung eher bei den Jugendlichen: "Es gibt Angebote: Jugendtreffs, Freizeitangebote, Aktionen der Kirche – es müssten nur mehr hingehen."

Hier nimmt euch der 28-jährige Mario mit in sein Zimmer


Fühlen

Jugend in Sachsen: So wohnt Berufssoldat Mario

Mario ist Berufssoldat. Der 28-Jährige wohnt in Pirna und pendelt jede Woche zu seinen Kameraden nach Gotha. Den Dienst hat er auch angetreten, um dem "Vaterland noch einmal etwas zurück zu geben". Er lebe gerne in Deutschland, sagt er. "Natürlich, Deutschland ist schließlich meine Heimat." Umso mehr ärgert es ihn, wie Sachsen in den Medien dargestellt werde.

Für ihn grenzt es an "Rufmord", dass "immer nur auf die negativen Seiten geschaut" werde. Die Region habe viel zu bieten und sei eben nicht der braune Fleck Deutschlands.

Weg von hier? Derzeit kann sich das Mario kaum vorstellen. Regelmäßig fährt er zu seinen Eltern ins zehn Kilometer benachbarte Bad Schandau. Vor allem aber leben seine allerbesten Freunde in Pirna. "Sie sind es, die mich noch hier halten", sagt Mario.