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Drei Paare erzählen, warum sie mit Anfang 20 heiraten.

Für viele gilt es als schönster Tag des Lebens: die Hochzeit. Doch was früher beinahe ein Muss war, hat sich inzwischen verändert. Immer weniger Paare geben sich das Ja-Wort. Seit 1960 hat sich die Zahl der jährlichen Eheschließungen in Deutschland halbiert. Außerdem heiraten die Menschen heute merklich später als noch in unserer Elterngeneration. (BiB

Aber bedeutet so eine Statistik, dass wir uns heute in Beziehungen weniger Bindung zutrauen?

Entgegen des Trends gibt es immer wieder junge Menschen, die sich früh füreinander entscheiden und ihre Jugendliebe heiraten – und das schon mit Anfang oder Mitte 20. Damit trotzen sie den Erwartungen ihres Umfelds, dem Druck durch Dating-Apps und dem Vorurteil, man müsse sich erstmal "richtig die Hörner abstoßen", bevor man heiratet. 

Wir haben mit drei jungen Frauen gesprochen, die kurz vor der Hochzeit stehen. 

Jessica, 20, und ihr Freund Lukas, 21, haben kein Problem mit Tradition.

"Ich habe Lukas in der 10. Klasse kennengelernt. Wir haben unser Abi gemacht, waren im Urlaub und haben uns gemeinsam an der Uni eingeschrieben. 

Die größte Herausforderung ist aktuell, dass wir uns verändern und neue Leute kennenlernen. Das stellt die Beziehung auf die Probe. Erst recht in unserem Alter, in dem sehr viel Veränderung stattfindet. Aber das macht mir nichts aus: Ich habe mich endgültig für Lukas entschieden. 

Ich glaube, ein Problem unserer Generation ist: Alle wollen immer etwas Neues, Aufregendes – andererseits wollen sie auch einen festen Partner oder Partnerin. Das passt meiner Meinung nach nicht zusammen. Ich sehe oft, dass viele wegen eines Problems sofort die Beziehung wegwerfen, anstatt daran zu arbeiten. Was die Leute vergessen, ist, dass es keinen Partner gibt, der alle Punkte auf ihrer Wunschliste erfüllt. 

Wenn ich Leuten erzähle, dass ich früh heiraten will, dann belächeln sie mich. Sie können nicht glauben, dass ich tatsächlich für immer mit meinem Partner zusammen bleiben will. Es gibt viele junge Menschen, die die Heirat als veraltet oder nicht modern empfinden, aber ich finde: 

„In einer Welt voller Modernisierungen ist es schön, etwas Traditionelles wie eine Hochzeit zu haben.“

Wir brauchen keine große, aufwendige Hochzeit. Nur mit der Familie und den engsten Freunden. Es soll ein Zeichen unserer Liebe sein."

Ab wann darf man in Deutschland heiraten?

In Deutschland dürfen Paare erst heiraten, wenn beide mindestens 18 Jahre alt sind. Bis Juli 2017 war aber erlaubt, dass eine Partnerin oder ein Partner auch jünger sein durfte, mindestens aber 16 Jahre. (§ 1303 BGB)

Im Schnitt sind Männer bei der Hochzeit 34,2 und Frauen 31,7 Jahre alt (Statistisches Bundesamt). Zur Länge von besonders jung geschlossenen Ehen gibt es wenige Statistiken, doch eine Studie der University of Utah legt nahe, dass die Chancen auf eine lange Ehe bei jungen Paaren schlechter stehen: Wer schon im Alter von unter 20 Jahren heiratet, lässt sich demnach mit 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit scheiden als Paare, die sich nach dem Alter von 25 das Ja-Wort gegeben haben. 

Julia, 21, und Pascal, 22, brauchen keine große Hochzeit.

"Wir haben uns in einer Facebookgruppe für Mangas und Animes kennengelernt. Nach den ersten persönlichen Treffen haben wir schnell gemerkt, dass es passt und sind zusammengekommen. Ich hatte zwar vorher einen Freund, aber wir haben uns nie geküsst oder Händchen gehalten. Den ersten Kuss haben Pascal und ich zusammen erlebt.

Pascal ist mein bester Freund: Wir haben viel Spaß miteinander und erleben alles zusammen. Dadurch, dass er 45 Minuten von mir entfernt wohnt, sehen wir uns nicht ganz so häufig – haben dadurch aber auch Freiraum. Jeder kann selbstständig bleiben.

Manche Menschen haben viele kurze Beziehungen oder eine "Freundschaft Plus". Das alles gab es bei mir nicht. Zwischendurch habe ich überlegt, ob ich mich noch ein wenig ausprobieren sollte. Ich glaube, Pascal ging es genauso. Irgendwann habe ich mich allerdings gefragt, warum ich das überhaupt muss – denn ich bin vollkommen zufrieden mit uns.

„Ich brauche mich nicht mehr ausprobieren oder tindern.“

Für uns ist die Hochzeit ein weiterer Schritt in unserer Beziehung. Das hat weniger mit einer gesellschaftlichen Erwartung zu tun, als mit der Geste, die sagt: Wir möchten für immer zusammen bleiben. 

Ich hatte nie genaue Vorstellungen davon, wie meine Hochzeit ablaufen soll. Ich will auf keinen Fall in einem riesigen Prinzessinnenkleid antanzen und eine Party mit 500 Menschen feiern. Uns würde es reichen, wenn wir in schicker Kleidung zum Standesamt gehen, uns das Ja-Wort geben und danach zu McDonald's gehen. Denn es ist ein Moment für uns – nicht irgendeine Show für andere."

Lena, 25, und Max, 26, wussten schon früh die Namen ihrer Kinder.

Lena und ihr Freund Max

(Bild: Privat)

"Wir kommen aus zwei benachbarten Dörfern. Mit 14 haben wir uns beim Firmunterricht ineinander verliebt. Seitdem haben wir viel gemeinsam erlebt und durchgestanden.

Als Max mir den Antrag gemacht hat, habe ich ihn gefragt, ob er sich wirklich sicher ist, dass er den Rest seines Lebens mit mir verbringen will. War er. 

Er hat nach der Verlobung viele blöde Kommentare von seinen Kumpels bekommen, aber er will keine andere Frau.

Mich bringt die Skepsis anderer Menschen überhaupt nicht aus der Ruhe: Klar, was andere Partner oder sexuelle Erfahrungen angeht, haben wir keinerlei Erfahrungen – aber solange es zwischen uns gut läuft, warum soll ich mir etwas anderes suchen?

Durch die Hochzeit wissen wir, dass wir immer jemanden an unserer Seite haben. Nicht nur auf emotionaler Ebene, sondern auch auf dem Papier. Ich fühle mich dadurch abgesichert. Für unsere Kinder möchte ich außerdem einen gemeinsamen Namen – auch wenn das total traditionell ist. 

Ich habe mir schon immer vorstellen können, dass Max der Vater meiner Kinder wird. Wir haben uns schon mit 14 oder 15 ihre Namen überlegt.

„Unser Ziel war es ursprünglich, mit 25 verheiratet zu sein und Kinder zu kriegen.“

Mit dem Kinderkriegen wollen wir nun warten, bis ich meine Ausbildung beendet habe, aber bevor ich 30 Jahre alt bin, soll es definitiv losgehen."

Wir haben mit der Soziologin Ulrike Thiele-Manjali, 35, über junge Ehepaare gesprochen. Sie forscht an der Universität Göttingen zu Paarbeziehungen.

(Bild: privat)

Wie haben sich Beziehungen in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Ulrike Thiele-Manjali: "Die Fünfziger- und Sechzigerjahre nennt man das Zeitalter der 'Golden Marriages'. Heiraten schien die einzig gegebene Paarform. Mittlerweile spricht man von einer Pluralisierung der Lebensform: Alternative Lebenswege werden immer sichtbarer, beispielsweise polyamouröse Paare, Homosexualität oder Patchworkfamilien. Trotzdem lebt der Großteil der Bevölkerung immer noch in einer heterosexuellen Ehe. Dass Paare besonders jung heiraten, ist statistisch gesehen kein Trend."

Wie passen dann besonders frühe Hochzeiten in dieses Bild?

"Gerade in Zeiten von Pluralisierung und Offenheit passiert es, dass Menschen sich zurückbesinnen auf bestimmte Werte und Normen, die man eher als traditionell bezeichnen könnte. Das kann man auch auf die Ehe beziehen. Früher haben die Menschen deutlich eher geheiratet – Anfang 20, so wie die Menschen in diesem Artikel.

Die Ehe ist etwas, das Sicherheit gibt. Es ist ein Versprechen, lange zusammenzubleiben."

Heiraten manche Paare auch, um die Beziehung vor der Familie und den Freunden zu validieren?

"Richtig. Es geht eben nicht nur um das Paar an sich, sondern auch um ihr Umfeld. Die Ehe kann helfen, dass die Ernsthaftigkeit der Beziehung anerkannt wird. Sie zeigt andern auf, wie ernst zwei Menschen es miteinander meinen. Gerade bei jungen Menschen, denen dies oft nicht zugetraut wird, kann das ein wichtiger Faktor sein."

Hinweis: In einer ersten Version der Infobox haben wir geschrieben, dass eine Eheschließung auch mit 16 Jahren möglich ist. Das ist allerdings seit einer Gesetzesänderung 2017 verboten – wir haben die Infobox korrigiert.


Fühlen

Noch besser als Verabredungen? Abgesagte Verabredungen!

Mein Handy leuchtet auf, es ist die Nachricht einer Freundin: "Ich schaff es heute leider doch nicht. Lass uns das Treffen verschieben. Tut mir leid, dass das so kurzfristig ist." Was bei vielen erstmal die Pläne über den Haufen wirft, ist für mich oft eine Erleichterung. 

Abgesagte Verbredungen mit Freunden sind für mich kein Drama. Im Gegenteil: MeTime, Zeit mit mir selbst, ist mindestens genau so schön wie ein Treffen mit Freunden. 

Ich habe oft Streit in meinem Freundeskreis erlebt, weil der eine dem anderen spontan abgesagt hat. Egal, ob aus Krankheit, Stress oder akuter Unlust: Oft wirkt es wie ein Verrat an der Freundschaft, wenn jemand keine Zeit oder Energie für ein Treffen hat. Verletzter Stolz? Vielleicht. Viele wissen offenbar aber auch nicht, was sie allein anfangen sollen.

Dabei gibt es tausende Möglichkeiten: Anstatt des verabredeten Films – dem man nur zugesagt hat, weil der Freund oder die Freundin ihn unbedingt sehen will – kann man einfach seine Lieblingserie anschmeißen. Ganz oldschool ein Buch lesen. Kochen. Aufräumen. Schlafen. Sich um sich selbst kümmern.