Bild: Annika Eliane Krause

Es gibt Modetrends, die sind für Menschen einfach ungesund. Korsetts zum Beispiel, wegen denen Frauen im 19. Jahrhundert schon mal in Ohnmacht fielen, weil die engen Schnüre die inneren Organe zusammendrückten.

Und dann gibt es Modetrends, von denen viele nur meinen, sie seien ungesund – es aber nicht genau wissen. Röhrenjeans zum Beispiel, die Männer und Frauen schon seit Ende der Siebzigerjahre tragen. Umgekippt ist deswegen wohl noch keiner – doch besonders unter Männern hält sich das Gerücht, dass die starke Kompression durch die Hosen nicht folgenlos bleibt: Sie werden unfruchtbar – heißt es. 

Was passiert wirklich beim Mann, wenn er seinen Penis und seine Hoden mehrere Stunden am Tag einer extrem engen Hose aussetzt? 

In der heutigen Vögelkunde fragen wir: 

Können zu enge Hosen den Mann auf Dauer unfruchtbar machen?

"Nein, dauerhaft unfruchtbar machen die Hosen den Mann nicht", sagt Götz-Christian Melloh, Facharzt für Urologie an der Charité Berlin. 

Doch ganz ohne Folgen bleibe das Tragen enger Hosen auch nicht: Denn kurzfristig können sie die Spermienqualität tatsächlich mindern – ebenso wie das lange Sitzen mit überkreuzten Beinen oder stark wärmedämmende Unterhosen, sagt Melloh.

Welchen Einfluss haben enge Hosen auf die Spermienqualität? 

Spermien sind für die Befruchtung der weiblichen Eizelle zuständig und werden in den tubulären Zellen, den sogenannten Samenkanälchen der Hoden, produziert. 

Wie viele der Keimzellen im Hoden produziert werden, ist jedoch nicht nur abhängig von den Hormonen, sondern auch von der Temperatur.

Optimal für die Spermienproduktion ist eine Temperatur von etwa 34 Grad Celsius, also drei bis vier Grad unterhalb der Körperkerntemperatur. Aus diesem Grund befinden sich die Hoden auch außerhalb des Körpers. 

"Wird es um die Hoden herum zu kalt, zieht ein Muskel die Testikel näher an den warmen Körper heran", sagt der Urologe. "Ist es ihnen hingegen zu warm, entspannt sich dieser Muskel." Dadurch hängen die Hoden etwas tiefer, sind damit weiter vom Körper entfernt und können besser abkühlen.

Zusätzlich verfügen die Hoden sogar über ein zweites körpereigenes Kühlsystem – dieses basiert auf dem sogenannten Gegenstromprinzip: Das venöse Blut kühlt das vom Herzen kommende arterielle Blut ab und sorgt damit für eine optimale Temperatur für die Spermaproduktion.

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Wie bekommt der Mann die beste Temperatur für die beste Sperma-Qualität?

Am besten funktioniert die Hoden-Kühlung, wenn der Mann steht oder geht. Sitzt er und kreuzt dazu noch die Beine übereinander, können die Hoden kein Reißaus nehmen. Mögliche Folge: Die Temperatur in den Hoden steigt und die Produktion der Samenzellen, die sogenannte Spermatogenese, nimmt ab.

"Das ist auch beim Tragen von Skinny Jeans oder zu engen Unterhosen nicht auszuschließen", sagt Urologe Melloh. "Je stärker sie auf die Hoden drücken, desto mehr Wärme entsteht." Bestehen die Hosen dazu noch aus wärmedämmenden Materialen wie Nylon, staut sich um den Hoden herum zusätzliche Wärme, was die Spermaproduktion weiter verringern kann.

Das heißt aber nicht, dass Skinny-Jeans-Liebhaber nun keine engen Hosen mehr tragen dürfen und fortan immer breitbeinig sitzen müssen. Denn selbst wenn die Samenkanälchen im Hoden aufgrund einer Überhitzung möglicherweise weniger Spermien produzieren, ist dieser Zustand nicht irreversibel, sagt Melloh: "Kühlen die Hoden wieder ab, so kommt die Spermienproduktion auch wieder in Gang."

Und du?

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