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Werbespots vermitteln den Eindruck, dass wir unhygienisch und unattraktiv sind, wenn wir nicht zu speziellen Lotionen, Gels und Tüchern greifen. Aber brauchen wir die wirklich? Oder sind wir mit klarem Wasser doch besser dran – Männer wie Frauen? 

Wir haben nachfragt: Bei Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, und Dr. Wolfgang Bühmann, wissenschaftlicher Schriftleiter im Berufsverband der Deutschen Urologen.

Sollten Frauen spezielle Intimwaschgels nutzen? 

"Aus frauenärztlicher Sicht empfiehlt sich keine Intimwaschlotion", stellt Dr. Albring klar. Denn obwohl viele Produkte den Eindruck vermitteln, gerade für die intimsten Stellen gemacht zu sein – gerade dort sollten wir sie nicht hinlassen. "Sie sollten zwischen den Schamlippen überhaupt nicht angewendet werden", sagt der Gynäkologe. "Und für andere Regionen im Intimbereich werden sie nicht gebraucht."

Was kann schlimmstenfalls passieren? 

Egal, welche Versprechungen auf der Verpackung gemacht werden: Dem Experten zufolge kann jedes Mittel zur Störung des Scheidenmilieus führen. "Das Gleichgewicht zwischen natürlichen, gesunden Keimen und krankmachenden Keimen wird gestört, was die Scheide anfällig macht." Das kann zu Infektionen führen – und wenn sich im Intimbereich krankmachende Keime vermehren, riecht das oft unangenehm. So führen die Waschgels, die eigentlich einen schönen Duft verströmen sollen, also im Extremfall zum Gegenteil.

Noch Fragen? Hier sind alle unsere "Klären wir das"-Folgen:
Und wie sieht es bei Männern aus? 

Auch der Urologe rät von der Benutzung spezieller Produkte zur Reinigung ab. "Notwendig sind Intimwaschlotionen überhaupt nicht", sagt Dr. Bühmann. "Der Intimbereich sorgt mit einem natürlichen Säuremantel für den nötigen Schutz der Haut." Durch ein steigendes Hygienebewusstsein greifen allerdings auch immer mehr Männer zu den unnötigen Spezialprodukten. 

Wie sollten wir den Intimbereich reinigen? 

"Im Prinzip braucht man nur Wasser, um das abzuspülen, was sich auf die Haut gelegt hat", sagt Bühmann. Die Claims der Produkte – Marketingversprechen, die mit unserem Bedürfnis nach Sauberkeit spielen, mehr aber auch nicht. "Wir haben einfach das Gefühl, dass es reinlicher ist, spezielle Produkte zu verwenden." 

Auch Gynäkologe Albring empfiehlt, nur auf Wasser zu setzen: "Da klares Wasser das beste Reinigungsmittel für den Intimbereich ist, gibt es überhaupt keinen Grund, spezielle Reiniger zu verwenden." Wer ein besonderes Pflegebedürfnis hat, könne sich morgens und abends mit warmen Wasser waschen, einmal täglich reiche aber aus. 

Welche Reinigung ist nach dem Sex zu empfehlen? 

Gerade in dieser Situation greifen viele Frauen zu speziellen Reinigungsprodukten, damit sich alles sauber anfühlt. Auch das: ein Fehler

Zur äußerlichen Entfernung von Sperma oder Gleitgel ist viel lauwarmes bis kühles Wasser ebenfalls das beste Reinigungsmittel.
Gynäkologe Albring

Auch wenn zum Beispiel Gleitgel für ein brennendes Gefühl gesorgt hat, solle man nur klares Wasser verwenden und auf keinen Fall Reinigungslotionen oder Duschgel. 

Wenn Beschwerden länger anhalten, liegt es normalerweise nicht an mangelnder Reinigung – es kann ein Hinweis auf einen Infekt sein. "Problematisch wird es, wenn Frauen versuchen, Symptome von Infektionen wie Juckreiz, Brennen und unangenehmen Geruch mit Intimreinigungsmitteln zu bekämpfen", sagt Albring. In diesem Fall hilft nur: zum Arzt gehen.

Klären wir das – ein für alle Mal

In dieser Rubrik beantworten wir kleine Fragen des Alltags. Wenn du auch gerne eine beantwortet hättest, schreib uns an fuehlen@bento.de.

Wer trotz aller Gegenargumente ein Intimwaschgel kaufen will: Was ist zu beachten? 

"Wichtig ist bei allen Reinigungsprodukten, dass sie pH-neutral oder sauer sind – also einen pH-Wert unter 7 haben", erklärt Bühmann. "Diese Mittel schaden der Haut nicht, allerdings sind sie meistens auch nicht parfümiert und werden deshalb nicht so gern gekauft." Wer durch das Reinigungsgel auf einen besonderen Duft hofft, wird also enttäuscht. Parfümierte Mittel hingegen haben in den meisten Fällen einen zu hohen pH-Wert und sind daher eher ungesund. Und auch für die pH-neutralen Produkte gilt: Nur äußerlich anwenden und nicht zwischen den Schamlippen. 

Warum werden überhaupt so viele solcher Produkte angeboten? 

"Früher galt es als erotisch, wenn man nach sich selbst riecht", sagt Bühmann. "Heute werden Intimgerüche oft als eklig angesehen – dabei spielen Duftstoffe beim Geschlechtstrieb eine große Rolle." Gerade junge Frauen sind den Ärzten zufolge aber oft verunsichert, wenn sie leicht riechen. "Es steht zu vermuten, dass Hersteller die Unsicherheit der Mädchen und Frauen erkannt haben", sagt Albring. Die Industrie profitiert davon, denn die Menschen geben für Intimreinigungsprodukte viel Geld aus – Schäume sind eben Träume.


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