Ohne dich hätte ich keine Umzugskartons und keine Storys von Stefanie Giesinger.

Liebes Internet, es gibt so viel Fieses in dir. Die Menschen schreiben dich voll mit Beleidigungen und Hass. Dabei hast du das nicht verdient.

Denn durch dich habe ich so viele Freunde gefunden. Ich habe mich verliebt, getrennt und wieder verliebt. Ich habe Wohnungen, Jobs und Umzugskartons gefunden – und immer jemanden, der mir beim Tragen helfen konnte. 

"Wir müssen reden"

Die wöchentliche Kolumne von Kathrin Weßling. Denn: Wir müssen reden. Über einfach alles. Am meisten aber über die Themen, die gerade aktuell brennen. Das kann ein Shitstorm sein oder eine Liebeserklärung, ein Aufschrei oder ein Kopfschütteln – gesprochen wird über alles, was beschäftigt oder bewegt, nervt oder einfach gerade im Raum steht.

Ich verdanke dir ebay-Kleinanzeigen, E-Books, Pornos und Tumblr, Serien, Lieferdienste und die Möglichkeit, für eine Flasche Wein nicht in den Supermarkt zu müssen. 

Ich verdanke dir Instagram, die Storys meiner Freunde, die Storys von Leuten, die bitte niemals meine Freunde werden sollen. Und die Storys von Stefanie Giesinger. 

Ich verdanke dir Chats nachts um drei, an diesem einen Silvester, an dem ich es eine gute Idee fand, alleine Zuhause zu "feiern". Ich verdanke dir Chats über die Liebe, den Bachelor, die Angst vorm Versagen und die Angst vorm Gelingen. 

Ich verdanke dir Twitter und die Erkenntnis, dass man für eine Botschaft, die jemanden zum Weinen bringen kann, nicht mehr als 28 Zeichen braucht.

Ich verdanke dir One Night Stands und 100 Night Stands und die schlimmste Nacht meines Lebens (die beste leider nicht, sorry). 

Deinetwegen lese ich jeden Tag Nachrichten, und wenn ich etwas nicht verstehe, erklärt es mir jemand in einem Video. Apropos: Durch deine Videos habe ich flechten, programmieren, kochen und wie man Parkett verlegt, gelernt. Dass man Mentos nicht mit Cola mischt (und wenn doch, dann besser nur, wenn man ein Video davon macht). Dank deiner Videos habe ich mindestens vierundzwanzig Deadlines verpasst, aber zum Glück mit guter Unterhaltung. 

Durch dich habe ich die ganze Welt gesehen – ein bisschen in echt und ganz viel, ohne mich bewegen zu müssen. Durch dich bin ich meinen Freunden nah, auch, wenn sie mal wieder quer durch die Welt reisen. Ich sehe den Garten meiner Eltern, die grauen Haare meines Vaters, die Bachelor-Feier meines Bruders. Ich sehe, dass Spenden helfen und dass die Welt an vielen Orten sehr hübsch aussieht.

Durch dich bin ich meinen Freunden nah, auch, wenn sie mal wieder quer durch die Welt reisen.
Kathrin Weßling

Du bist ein beschissener, trauriger Ort. 

Aber daneben bist du auch der Ort, an dem Geschichte geschrieben wird und Revolutionen sichtbar werden. 

Der Ort, an dem neue Währungen entstehen, neue Lieben und großartige Ideen.

Ich weiß deinetwegen, dass es da draußen viele Menschen gibt, die so sind wie ich. Dass es eine Welt gibt, die parallel existiert, die aufregend und wertvoll ist. Du hast mir gezeigt, dass Menschen großartig sein können und großartige Dinge bewegen können. Dass sie sich zusammenschließen gegen Nazis, Hater und andere Wichser.

Das Leben ist oft furchtbar und oft schön. Wenn man auf eins von beidem keinen Bock hat, dann kann man zu dir kommen und sich aufheitern oder drangsalieren lassen. Du tust vielleicht oft weh. Aber am Ende bist du auch nur das, was ich, was wir, was alle daraus machen. So, wie es in guten Beziehungen eben ist.


Gerechtigkeit

Frauen müssen keine Männer werden, um im Job Erfolg zu haben!
  • Du bist eine Frau und hast ein Bewerbungsgespräch? Benutz Männerparfum, das assoziieren Chefs mit Stärke. 
  • Du willst mit euren Vorschlägen im Meeting gehört werden? Bloß nicht so eine hohe Stimme – lieber etwas tiefer, das nehmen die Menschen ernster. 
  • Und der knallrote Lippenstift? Uhhh, lieber nicht. Denn wie ein Bewerbungsportal rät: "Mal ganz unter uns assoziieren Männer die Lippen im Gesicht unbewusst mit etwas anderem – zwinker."

Wer als Frau Tipps für den Berufsalltag sucht, findet häufig solche Ratschläge. Und leider sind die gar nicht mal so falsch.

Warum das ätzend ist und was in vielen Unternehmen verkehrt läuft, erfährst du im Video.