Influencer sein ist nicht einfach. Jeden Tag muss neuer Content für die Follower produziert werden, jeden Tag ein neues Teil in das Insta-Puzzle namens "Mein perfektes Leben" eingefügt werden.

Und wenn man dann das Sonnenbad am Strand überstanden, das französische Schlemmerfrühstück optimal auf dem Tisch arrangiert und davon das perfekte Foto gemacht hat – dann klafft beim Hochladen auf Instagram auf einmal dieses leere Feld namens "Beschreibung". Und natürlich möchte man auch hier alles richtig machen. Und geht deswegen textlich in die Vollen.

Anders ist es schwer zu erklären, dass sich unter den visuell makellos inszenierten Fotos der Instagram-Stars häufig völlig schwachsinnige Captions finden, die in den allermeisten Fällen wirklich überhaupt nichts mit dem Abgebildeten zu tun haben.

Denn statt sachdienlichen Hinweise wie den Ort, wo ist das Foto entstanden ist, preiszugeben, werden die Influencer mit tiefsinnigen Gedanken kreativ. Über das Universum, das Leben, die Liebe und die anderen ganz, ganz großen Themen.

Beim Scrollen durch den Feed kann man deshalb (unfreiwillig) einiges über das Leben lernen. So wie in diesen Beispielen:

Den Weg zum Glück findet man scheinbar besonders häufig in Wassernähe.

Die Wahrheit, die so viele Menschen nicht verstehen, ist, dass Glücklichsein nicht mit einem Job, einer Beziehung oder einem Ort beginnt. Es beginnt mit dir selbst, deinen Gedanken und dem, was du dir jeden Tag erzählst.
Sofia, hat einen dieser Bikinis, die in der Mitte so hoch gehen statt gerade
Beruhige deinen Geist. Das Leben wird viel einfacher, wenn du deinen Geist in Frieden hältst.
Marina, liegt im Sonnenstuhl
Wann war das letzte Mal, dass du einen ruhigen Moment damit verbracht hast, nichts zu tun – einfach nur dazusitzen, aufs Meer zu schauen, oder dem Wind dabei zuzusehen, wie er in den Zweigen eines Baumes weht, oder den Wellen an einem Felsen oder einer flackernden Kerze?
Debi, kniet im Meer

Aber auch beim Outfit of the Day kann Erleuchtung eintreten.

Wir haben die Fähigkeit bekommen, unsere Gedanken zu wählen, und das ist gewaltig.
Xenia Overdose, schaut über den Rand ihrer Sonnenbrille
Kenne deinen Wert und wage es nicht, Rabatt zu geben.
Elisa, hat für dieses Outfit vermutlich gar nichts bezahlt

Fehlt eigene Inspiration, kann man immer noch bei den Großen leihen.

Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn retten wird.
Janine, zitiert am Strand Umweltschützer Robert Swan
Wir müssen auf das Innere schauen.
Emilia, zitiert zuhause den Dalai Lama

Egal, ob die Gedanken nun den Köpfen der Influencer selbst entsprungen sind oder bei großen Denkern der Geschichte entliehen wurden – die Zusammenstellung von tiefgründigem Spruch plus Strand-Selfie mutet in diesen und anderen Fällen wahllos bis albern an. Die Devise, so scheint es: Je inhaltsleerer das Bild, desto philosophischer die Beschriftung.

Warum, kann man sich fragen, posten die Leute nicht einfach ihre schönen Fotos – sondern versuchen sie, mit pseudo-tiefgründigen Bildunterschriften auf irgendeine andere, vermeintlich höhere Ebene zu heben?

Die Antwort ist vermutlich die: Influencer zu sein, ist inzwischen schlicht und einfach ein Job. Ein Job in der Werbeindustrie.

Influencerinnen essen, trinken, sie ziehen sich an und fahren in den Urlaub – so wie jeder andere Mensch auch. Im Gegensatz zum Rest der Menschheit machen Influencer das alles allerdings in Hochglanzoptik und für alle gut sichtbar auf Social Media. Um Teil dieser schönen Welt zu sein, zahlen Unternehmen Influencerinnen (viel) Geld, damit die ihre Produkte verwenden und bei ihren x-Millionen Followern den Wunsch wecken, genau diese Produkte auch besitzen zu wollen. 

Doch damit die Rechnung aufgeht, dürfen die Posts eben nicht ganz so wie das aussehen, was sie eigentlich sind (Werbung), sondern wie etwas, das über das Oberflächliche und Konsumorientierte hinausgeht. Ein Lifestyle, ein Lebensgefühl, oder auch: ein tieferer Sinn.

So kommt es, dass sich eine perfekt gekleidete Frau auf einem Foto im Wasser räkelt und die dazugehörige Bildunterschrift den Sinn des Lebens verkündet – obwohl sich die eigentlich wichtige Botschaft im nächsten Absatz versteckt. Dort steht nämlich der Link zum Onlineshop, wo sie ihren Bikini herhat. 

Denn zumindest das habe ich beim Scrollen auf jeden Fall gelernt: Irgendwas ist hier immer zu verkaufen.


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Berliner S-Bahn will Verspätungen ausgleichen – indem sie nicht mehr überall hält
6 Fakten zur neuen Maßnahme

Berlinerinnen und Berliner sind Ärger mit der S-Bahn gewohnt. Mal fallen Züge aus, mal ist es zu heiß, mal zu kalt. Und immer dann, wenn man es wirklich eilig hat, kommt die Bahn zu spät.

Nun hat die Berliner S-Bahn eine Idee: Verspätete Züge sollen an einzelnen Stationen künftig ohne Halt einfach durchfahren. 

So sollen die Züge Zeit aufholen, um wieder in den Takt zu kommen. Das bestätigte die S-Bahn am Mittwoch bento. Zuvor hatte bereits die Berliner Morgenpost darüber berichtet.