Was es mit dem Hype um die "Sorting Games" in den Storys auf sich hat.

Hypegeist

Wie haben sich die Neunziger zurück in unsere Kleiderschränke gemogelt? Und warum tragen gerade alle ihr Handy am Halsband? In dieser Reihe gehen wir der Frage nach, wie es manche Trends geschafft haben, sich durchzusetzen – und was sie über unsere Gesellschaft aussagen.

Heute: "Sorting Games" – die Instagram-Filter, die dir sagen, wer du bist.

Was ist es?

Die neue und so ziemlich unaufwendigste Form des Persönlichkeitstests. Instagram-Filter offenbaren, welches Pokémon man ist, in welches Hogwarts-Haus man gehört oder welcher Schriftart man am ehesten entspricht. Um mitzumachen, muss man in der App einen Test auswählen und sich mit der Selfiekamera aufnehmen. Dann wird aus allen möglichen Ergebnissen eines zufällig ausgewählt. Erinnert ein bisschen an einen Spielautomaten. Aber mit Einblick in die eigene Persönlichkeit. Herzlichen Glückwunsch, du bist ein Glumanda. Aus dem Haus Slytherin. In Comic Sans.

Wo sieht man es?

In fast jeder Insta-Story. Bei Celebrities oder Lisa aus deinem Studiengang, der du zwar niemals Hallo sagst, aber auf Instagram folgst, natürlich. Aber auch bei Leuten, die sonst nicht jeden Internet-Trend mitmachen. Die "Sorting Games" sind die Fidget-Spinner der Social-Media-Welt: absolut unsinnig, aber plötzlich überall.

Und was bringt das?

Früher musste man noch in Magazinen Kreuzchen machen und Punkte zählen, wenn man wissen wollte, welcher Beziehungstyp oder welche Eissorte man ist. Bei den neuen Filtern braucht man nichts mehr zu tun, als sein Gesicht in eine Kamera zu halten. 

"Selbstverständlich sagt das überhaupt nichts über unsere Persönlichkeit aus", sagt Christian Kandler. Er lehrt Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Bremen. "Gäbe es einen Algorithmus, der aufgrund gespeicherter Daten etwas über unsere Person aussagen könnte, wäre das Ergebnis der Filter interessant. Wenn sie aber nur auf Grund von Zufall entscheiden, handelt es sich einfach nur um einen witzigen Trend."

Wer nutzt die Filter?

Natürlich die Millennials, die naturgemäß in einer ständigen Sinn- und Existenzkrise stecken und sich fragen, wer sie eigentlich sind. Die sich nach Antworten sehnen, den eigenen Platz in der Welt suchen und sich mit anderen verbunden fühlen wollen.

Obwohl die Ergebnisse jeder Grundlage entbehren: Dass die Filter so beliebt sind, liege daran, dass sie in geringer Weise zu einer Art Identitätssuche und Nischenbildung beitragen, sagt Christian Kandler. "Insbesondere bis zum ersten Drittel ihres Lebens stecken Menschen in der sogenannten Identitätsfindungsphase und sind für solche Angebote leicht zu begeistern. Das gilt vor allem, wenn sie so einen Spielecharakter haben." 

Denn die Filter machen Spaß, bieten einen gewissen Grad an Spannung ("Hoffentlich nicht Slytherin!"). Außerdem kosten sie nichts und sind einfach zugänglich. Also genau das Richtige, um einen trägen Abend auf der Couch und den eigenen Insta-Auftritt ein bisschen aufregender zu gestalten.

Der Rest erledigt sich dann von selbst: "Dann funktioniert das alles wie ein Schneeballsystem und wird schnell zum Trend – wie früher Tamagotchis", sagt Christian Kandler. "So etwas ist selten vorhersehbar." 

Apropos Tamagotchi. Welches wir wohl wären...?

Bleibt der Trend?

"Ich glaube, dass diese Filter ein kurzlebiger Trend sind und bald verschwinden werden", sagt Christian Kandler. Unser Wunsch nach Zugehörigkeit und die Suche nach der eigenen Identität blieben jedoch ein großes Thema. Solange wir herausfinden wollen, wer wir sind und uns anderen mitzuteilen, wird es also immer wieder solche Tests geben – selbst wenn wir genauso gut eine Münze werfen könnten. 

Aber spätestens dann, wenn wir wissen, welches Meereslebewesen, welche Teesorte und welches Mitglied aus dem Cast der "Rosenheim Cops" wir sind, ist zumindest die Zeit der "Sorting Games" abgelaufen. 


Uni und Arbeit

"Hier kann ich mich auf das Wesentliche fokussieren": Simon lebt im Wohnmobil - auch im Winter

"Das machst du doch eh nicht", sagte ein Freund als Simon ihm erzählte, dass er zukünftig in einem Wohnmobil wohnen will. Doch seine Idee wurde Realität: Simon zog aus seiner WG aus, nahm einen Kredit auf und lebt mittlerweile seit acht Monaten auf 9,5 Quadratmetern.

Dass das funktionieren kann, hatte Simon bereits bei einem Freund seines Vaters gesehen. Der lebt in einem Van auf einer Wiese. Mit seiner Mutter und seiner Freundin war der 26-Jährige außerdem schon öfter im Wohnmobil im Urlaub. Seine Entscheidung hat er bisher nicht bereut. Doch der Winter bringt Herausforderungen, mit denen er nicht gerechnet hat.

Wie es ist, das ganze Jahr im Wohnmobil zu leben, erzählt Simon oben im Video.