Bild: imago
Ruf! Mich! Nicht! An!

Das Telefon klingelt. Ich starre es an und spüre, wie mein Puls schneller wird. Die Nummer auf dem Display kenne ich nicht. Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf und statt den Anruf einfach anzunehmen, überlege ich erst einmal, ob ich überhaupt rangehen soll. Ich entscheide mich schließlich dafür, den Anruf doch noch anzunehmen. Telefonumfrage, na toll. 

Telefonieren ist eine Qual für mich.

Es ist einfach nicht mein Ding, das bescheinigt mir auch mein Handy. Instagram – acht Stunden und acht Minuten, Twitter – sieben Stunden und vier Minuten, Facebook – vier Stunden und 14 Minuten. Ich scrolle mich durch die Angaben zur wöchentlichen Bildschirmzeit. Ich scrolle weiter. Und weiter. Auf Platz 21 finde ich schließlich die Angabe zu meinen Telefonaten. Ganze sechs Minuten habe ich vergangene Woche telefoniert. 

Irgendwie schon zu viel, denke ich mir.

Müsste ich zwischen Glasscherben, über die ich barfuß laufen muss, und einem Telefonat wählen, würde ich mich wahrscheinlich für die Glasscherben entscheiden – jedes Telefonat, das nicht stattfindet, ist ein gutes Telefonat.

Wenn ich die Möglichkeit habe, per Nachricht, Mail oder auch Sprachnachricht mit anderen zu kommunizieren, nutze ich sie gern. Keine unangenehme Stille, kein "Guten Tag, hier ist, äh ...", kein "Und sonst so?", wenn mir die Themen ausgehen. 

Als ich acht Jahre alt war, hatte sich mein Papa sein erstes Handy gekauft und ich klingelte damals die gesamte Kontaktliste durch. Ein Anruf war aufregender als der andere. Und heute: Herzklopfen, wenn das Handy klingelt. Die Hoffnung, dass das Gegenüber nicht abnimmt, wenn ich anrufe. Die einzige Ausnahme: Mama und Papa. Die müssen schließlich wissen, dass ich noch lebe. 

Schon irgendwie paradox, schließlich ist mein Handy mein ständiger Begleiter. Ich beantworte jeden Tag unzählige Nachrichten und Mails ohne Probleme. Aber Telefonieren? Bitte nicht.

Dabei habe ich sonst kein Problem, mit Menschen zu sprechen. 

Ich bin 23 und hasse es, zu telefonieren. Stimmt etwas nicht mit mir?

Nein, sagt Professor Dr. Joachim Höflich, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt. Früher habe man sich eher darauf besonnen, dass telefonieren Geld kostet, dass man sich immer kurz halten muss. "Dabei hatte man immer im Hinterkopf: Wenn ich schon telefoniere, dann muss ich auch etwas Wichtiges zu sagen haben. In den Anfangsjahren war das Telefonieren eine große Entdeckung, mittlerweile kann ich aus jeder Ecke ein Telefonat führen."

Durch die endlos langen Kontaktlisten und die ständige Erreichbarkeit sei man irgendwann einfach überfordert. Die Reduktion könnte also sowas wie "eine normale Zurückführung in einen ruhigeren Zustand" sein. 

Aber:

Wir kommunizieren deswegen ja nicht weniger, sondern schreiben auf WhatsApp und Co.
Prof. Dr. Joachim Höflich

Die schriftliche Kommunikation habe die mündliche "markant ersetzt", sagt Professor Höflich. Dadurch schaffen wir uns einen Puffer, melden Anrufe an, bleiben auf der anderen Seite aber auch immer etwas unverbindlich. 

Stimmt das in meinem Fall eigentlich? Ich bin – wie viele andere auch – den ganzen Tag von Menschen umgeben, empfange fast schon im Sekundentakt Informationen und muss diese auch verarbeiten. In vielen Fällen habe ich nicht die Möglichkeit zu entscheiden, ob ich das überhaupt möchte. 

Das Telefon ist ein weiteres Element, das um meine Aufmerksamkeit bettelt. Nein, es bettelt nicht nur – es kommandiert. Sein Klingeln sagt: 

Leg alles andere Beiseite und beschäftige dich jetzt sofort mit mir. Egal, wo du bist. Egal, was du machst. 

Und umgekehrt verlange ich diese Aufmerksamkeit von anderen, wenn ich sie anrufe. Das fühlt sich irgendwie unhöflich an. 

Meine feindliche Einstellung dem Telefonieren gegenüber könnte also eine natürliche Reaktion darauf sein, dass ich durch die unzähligen Kommunikationsmöglichkeiten fast überrollt werde. Man müsse irgendwann eine Auswahl treffen und sich fragen, was einem wichtig ist, so Professor Höflich. 

Und diese Auswahl will mir das Telefon eben nicht überlassen. Der Anrufer ist im Grunde nichts anderes als jemand, der sich in der Schlange nach vorne drängelt. 

Auch die Zahlen zeigen, dass ich mit dieser Haltung nicht alleine bin.

"Junge Deutsche texten lieber statt zu telefonieren", heißt es in einem Bericht des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, bitkom. Neben Textnachrichten scheinen aber vor allem Sprachnachrichten sehr beliebt zu sein – in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen verschicken rund drei Viertel, also 73 Prozent, Sprachnachrichten (bitkom). 

Ich gehöre zu den 73 Prozent – bei meinem letzten Liebeskummer schickte ich meinem besten Freund eine verheulte Sprachnachricht. Die konnte er sich anhören, wann er wollte und ich musste ihn nicht mit einem Anruf belästigen. Mir war es wichtig, meine Gefühle rauszulassen. Wann er sich die Sprachnachricht anhören wird, war mir egal. Ich wusste aber auch, dass ich nicht allzu lange auf eine Antwort warten würde, dafür sind wir alle leider noch viel zu oft zu erreichbar.

Wir haben noch nie so viel kommuniziert wie heute und womöglich noch nie so wenig miteinander gesprochen wie heute.
Prof. Dr. Joachim Höflich

Ich möchte einfach jederzeit die Kontrolle darüber haben, mit wem ich wann kommuniziere.

Vielleicht ist mein Hass aufs Telefonieren nur ein natürlicher Filter, den ich mir im Laufe der Zeit angeeignet habe. Ich setze Prioritäten. Ich entscheide, wen ich an meinem Tag teilhaben lasse und wem ich abends am Telefon etwas vorgähnen möchte. So schlecht kann das ja nicht sein. 


Musik

Pink geht bei den Grammys leer aus – also basteln ihre Kinder einfach einen eigenen Award
Awwwww-Level: 9000

Für Sängerin Pink läuft es momentan eigentlich perfekt: Diesen Monat wurde ihr eigener Stern auf Hollywoods berühmtem Hall of Fame enthüllt, viele Konzerte ihrer kommenden Europa-Tournee sind bereits ausverkauft. Doch auch die erfolgsverwöhnte 39-Jährige muss manchmal Niederlagen einstecken. 

So wie bei der diesjährigen Grammy-Verleihung. Viele hielten die US-Amerikanerin in der Kategorie "Bestes Album" mit "Beautiful Trauma" für die Favoritin, dann holte Ariana Grande den Preis (Unilad).

Für Pinks Kinder ist ihre Mama aber die Siegerin der Herzen.

Und deshalb zögerten sie nicht lange und bastelten einfach selbst einen Grammy-Award. Darauf zu lesen ist eben die Beschreibung: "Best Vocal Pop Album" zusammen mit der "Preisträgerin" Pink und dem Namen ihres Albums. 

Awwwwww-Level: 9000.

Auf Instagram postete Pink Bilder ihrer sieben und zwei Jahre alten Kinder Willow und Jameson mit ihrer DIY-Grammy Trophäe und schrieb: "Danke an meine Kinder. Mein Lieblingsaward."