"Sag mal, was ist hier eigentlich so lustig", fragte mich Anna. Es war unser erstes Date.

An meinen Lippen hatte sie es gemerkt: Ich lächelte. Beim Küssen. Ich bekomme das regelmäßig gesagt, es verwirrt. Mache ich mich über sie lustig? Machen sie vielleicht etwas falsch?

Ich habe mich daraufhin beobachtet und festgestellt:

  • Meist bin ich einfach glücklich. Küssen ist schön, und Frauen sind schön. Das habe ich Anna auch gesagt und sie war zufrieden.
  • Der zweite mögliche Grund: Da es beim Rumknutschen sonst nicht so viel zu tun gibt, schweifen meine Gedanken manchmal ab. Dann wundere ich mich über uns Menschen: Warum finden wir es bloß so unglaublich hot, uns gegenseitig die Zunge in den Hals zu stecken? Mit einer mentalen Backpfeife hole ich mich zurück in den Moment. Übrig bleibt ein kleines Schmunzeln. Ein Schmunzeln über den schönsten Speichelaustausch der Welt.
  • Manchmal muss ich aber auch einfach aus Erleichterung und Stolz grinsen, dass ich nach stundenlangem Rumgegrabe, Rumgeflirte und Weingetrinke nun ENDLICH meinem Date an die Wäsche darf.

Wer ist Hannes Isart?

Sex ist eine ernste Sache. Wegen all der Tabus und Unsicherheiten sind gerade die ersten intimen Momente ein großer Schritt (außer man hat drei Flaschen Wein gemeinsam getrunken). Unser Autor ist Mitte 30, Journalist und Comedian und hat mit der Zeit gelernt, im Bett zu lachen – und so Nähe zu schaffen.

An diesem Abend hatte ich Anna aus der Bar nach Hause gelotst. Weil ich aber ein Gentleman sein möchte, ging es nicht gleich ins Schlafzimmer, sondern erst mal zum Knutschen auf die Couch. Es wurde wilder, Hände wanderten unter Shirts und in Hosen und nach und nach rutschten wir Stück für Stück von der Couch.

Was wir wollten: Eine romantische Stimmung, in der wir zärtlich unsere Körper erkunden. Tatsächlich war ich völlig verkrampft, um nicht von der Couch zu fallen, ich konnte mich kaum aufs Küssen konzentrieren. Als mir bewusst wurde, wie lächerlich das ist, bin ich unter lautem Lachen mit ihr aufs Parkett geknallt.

Ich finde solche Situationen wichtig: Sie holen einen raus aus der Fantasie eines perfekten Dates, rein in den Moment. Mittlerweile ist es für mich sogar völlig normal, dass zwei Menschen, wenn sie miteinander intim werden, peinliche Situationen produzieren.

Unsere erotischen Buchtipps

Vor allem am Anfang. Einfache Dinge, wie gemeinsames Essengehen sollten keine große Herausforderung darstellen. Wir können uns sicher alle einigen, dass man mit Messer und Gabel isst, eher aus einem Glas als aus der Flasche trinkt und im Restaurant nicht rumschreit (wobei einige Leute hier schon scheitern).

Aber im Bett weiß man nie:
  • Mag er Blowjobs?
  • Wo wird sie am liebsten gestreichelt?
  • Wie wäre es jetzt mit ein bisschen Dirty-Talk?
  • Oder andersherum: Ich versuche, meine Partnerin mit dem Mund zu befriedigen und sie merkt, dass ich ganz klar überhaupt keine Ahnung habe, was ich da unten tue. Und woher kommen diese Furzgeräusche die ganze Zeit?
Kein Grund zur Panik.

Sexkolumnistin Anna Klausner über ihre offene Ehe:

"Ich will auch mit anderem Sex haben!" Im ersten Teil erzählt sie, wie ihr Verlobter auf diese Ansage reagiert hat. Die ganze Kolumne lest ihr hier.
In der zweiten Kolumne gehts ums erste Mal auf einem Swinger-Datingportal – und die große Frage: zusehen oder zusehen lassen? Den ganzen Text findet ihr hier.
Auf das Swinger-Datingportal folgt natürlich die erste Sex-Party. Wie Anna Klausner sie erlebt hat, lest ihr hier.
Bis jetzt wusste eigentlich niemand aus dem Familien- und Freundeskreis von ihrer offenen Beziehung. Dann entschieden sich Anna und ihr Verlobter, ihre besten Freunde einzuweihen. Wie das ankam, hat Anna in dieser Kolumne aufgeschrieben.
Auf die beste Freundin folgt die Schwester – nur war dieses Outing nicht geplant. Wie's gelaufen ist, könnt ihr hier nachlesen.
Vier Monate studierte Anna Klausner in New York – und lernte Ed kennen. Plötzlich fragte sie sich: Liebe ich Leo überhaupt noch? Hier geht's zu dieser Kolumne.
Zurück in Deutschland, zurück bei Leo kämpfte Anna mit sich: Habe ich Leo betrogen? Würde er mir verzeihen? Wie Leo reagiert hat, lest ihr hier.
Was hat Anna Klausner in fünf Jahren offener Beziehung gelernt? Hier geht's zu ihrem letzten Text.
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Ich beschäftige mich schon lange mit Humor. Und die schönste Definition, die ich bisher gefunden habe, lautet: Humor = Wahrheit + Schmerz. Zum Beispiel sage ich:

"Hör zu Anna, ich racker mich die ganze Zeit ab, ich möchte, dass es dir mit mir im Bett gefällt. Aber ehrlich gesagt habe ich gar keine Ahnung, wie Cunnilingus richtig geht. Geschweige denn wie man das schreibt. Und langsam tut mir die Zunge weh."

Dadurch wird die peinliche ("schmerzhafte") Situation des schlechten Leckens aufgelöst, und wer jetzt nicht lachen muss, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Danach kann man offen über seine Vorlieben sprechen und dem anderen helfen, sich selbstbewusst durch die erogenen Zonen zu bewegen.

Was ganz wichtig ist: Lachen im Bett ist schön. Es entspannt und schafft Nähe. Was aber gar nicht geht: den anderen auslachen. Wer das macht, ist einfach nur ein Arschloch und spielt in einem sehr intimen Moment mit Gefühlen.

Ich erinnere mich noch an eine Macke, die ich zu Anfang meines Sexlebens mit 17 Jahren hatte: Nach dem Orgasmus war ich immer ein bisschen high und gleichzeitig beschämt. Denn danach im Arm einer Frau zu liegen, ist schon sehr intim. Wunderschön, aber diese Nähe muss man erst mal aushalten können.

Als Übersprungshandlung habe ich früher immer irgendwas gelabert und blöde Witze gemacht. So à la:

"Hey, sorry, dass ich jetzt so schwer auf dir liege, aber ich muss mich gerade mal ausruhen und du bist so schön weich."

So bin ich mit meiner Scham umgegangen. Mittlerweile habe ich zum Glück gelernt, diesen post-orgasmischen Moment einfach zu genießen.

Im Sexualkundeunterricht lernt man zwar, wo die Vagina ist und wie es aussieht, wenn man zwei Menschen beim Sex in der Mitte durchschneidet. Aber wie richtig guter Sex geht, sagt einem niemand.

Zum Glück fand ich mit 17 Jahren durch Zufall ein Buch, das mein Sexleben für immer veränderte. Dazu mehr in meiner nächsten Kolumne.

Mit unserem Quiz kannst du testen, wie durchschnittlich deine Beziehung ist:


(Hier haben wir aufgelistet, mit welchen Studien wir im Quiz gearbeitet haben.)


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Petry und Pretzell haben geheiratet. Was bedeutet das für ihre Parteiämter?