Bild: Unsplash

Es gibt Menschen in meinem Umfeld, die beim Anblick eines floral dekorierten Vintage-Umschlags im Briefkasten  zusammenzucken:

Bitte nicht noch eine Hochzeit!

Wenn ich ihnen gegenüber erwähne, dass ich diesen Sommer auf vier Hochzeiten tanzen werde, schweigen sie mitleidig. Oft schieben sie hinterher, dass sie "zum Glück" nur zu zwei Hochzeiten eingeladen sind. 

Und ich muss sagen: Ich kann das nicht verstehen.

Klar, Gast sein ist total hart: 
  • Zunächst müssen sie zu- oder absagen. Zusagen bedeutet, einen Tag (oder sogar zwei, falls ein JGA hinzu kommt) in der Zukunft fest zu verplanen. Fest! In der Zukunft! Ohne zu wissen, welchen spontanen Kurztrip sie in einigen Monaten verpassen könnten. Schwierig, das verlangt – ebenso wie eine Absage – Überwindung.
  • Dann brauchen die Gäste ein passendes Outfit – wie aufwändig! Da kann man sich – Zauberwort Online-Versand – natürlich einfach etwas in verschiedensten Größen vor die Haustür liefern lassen. Oder einen alten Look je nach Wetter und Dresscode für die kommenden Hochzeiten neu stylen. Oder ein Kleid von einer Freundin leihen. Ist das so dramatisch? Danke, Problem gelöst.
  • Und dann ist da ja noch das Geschenk. "Wie viel Geld schenkt man zur Hochzeit?", spicken Menschen gerne bei Google. Die Antworten variieren nach Freundschaftsgrad. Foren und Portale empfehlen pro Person (nicht pro Paar!) etwa 50 Euro bei Bekannten, bei guten Freunden und Familienangehörigen 100 Euro aufwärts, abhängig von der finanziellen Lage. Und ja, auch die Begleitperson darf mehr als eine Unterschrift in der Glückwunschkarte beisteuern.

 

Alles in allem ist Gast sein also eine total schreckliche Zumutung – außer natürlich man kann sich vorstellen, dass es total schön sein könnte, an einem Tag dabei zu sein, an dem tolle Menschen ihre Liebe feiern. Mit Freunden, die einen dabei haben wollen, mit einem Fotos mit Papp-Schnurrbart machen, Hochzeitstorte essen und zu den Backstreet Boys tanzen wollen. Das volle Programm halt.

 

Vielen erscheint das vielleicht austauschbar. 

Durch Instagram und Pinterest liegt die mit Girlanden und Lichterketten verzierte Latte hoch. Von Fernsehshows kennen wir den Kampf um die beste Hochzeit. Irgendwie ähnelt sich alles im Ablauf und Style und vielleicht benehmen sich manche deshalb irgendwann mehr wie Juroren einer Talentshow: War der Raum optimal beleuchtet? Der DJ perfekt? Oder das Steak zäh? Und wie sieht’s aus mit veganen Alternativen?

 

Das Brautpaar versucht währenddessen, alles so perfekt wie möglich zu machen. Bei Location, Essen, Band, Fotograf etc. möchte man nicht geizen.

Da ich nicht nur vielfacher Hochzeitsgast bin, sondern bald meinen ersten Hochzeitstag mit dem besten Mann der Welt feiere, weiß ich, wie sehr das Fest der Liebe finanziell reinhaut. Alles ist schweineteuer. Schnell sind 10.000 Euro weg und das ergibt nicht die klar-wir-bezahlen-allen-die-Übernachtung-im-fancy-Schloss-Variante.

 

Doch egal, wie viel von ihrem Ersparten die Gastgeber ausgeben, das ist es ihnen wert. Die angehenden Eheleute möchten (wenn alles glatt läuft) bloß einmal im Leben ihre Liebe zusammen mit ihren Lieblingsmenschen feiern und stecken viel Mühe in jedes Namenskärtchen.

Deshalb: Wenn du, ja du, schon beim Anblick der Hochzeitseinladung mit den Augen rollst, nur widerwillig Begleitperson bist oder dich dem Paar null verbunden fühlst: 

Sag doch einfach ab.

 

Und zwar frühzeitig statt kurzfristig mit einer Notlüge. Die 80 Euro oder so, die eine Teilnahme kostet, investieren die #Newlyweds garantiert lieber in ihre #Flitterwochen – oder jemanden, der dabei sein will.

 

Du brauchst dich nicht zu einer Feier schleppen, auf die du keinen Bock hast. Bleib zu Hause.

 

Oder geh hin und freu dich für die beiden. Hab Spaß, zeig deine wildesten Moves auf der Tanzfläche, mach Polaroids im Sonnenuntergang, mach den Abend unvergesslich – für sie und für dich. 

Denn erst die Gäste sorgen für eine unverwechselbare Hochzeit, die ewig in Erinnerung bleibt.  

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