Sommer bedeutet Hochzeitssaison. Ob bei der Schwester, der Cousine oder dem Kumpel – fast jeder wird einmal Gast auf einer Trauung. Doch nach der ersten Freude über die Einladung fragen sich manche: Was genau erwartet das Brautpaar bei der Feier von mir? Wieviel Geld soll ich den beiden schenken? Und darf ich als Hochzeitsgast wirklich gar kein Weiß tragen?

Damit ihr das Fest entspannt genießen könnt, haben wir drei Wedding-Planner befragt.

1. Nicht knauserig sein

Janina El-Gawaly sagt, bei Geldgeschenken seien 40 Euro pro Person angemessen. Wobei gilt: "Besser Verdienende können natürlich mehr für ein Geschenk ausgeben als Berufsanfänger oder Studenten", sagt Julia Heimann. Sie fügt hinzu: "Wichtiger ist, dass man sich Gedanken gemacht hat, welches Geschenk die beiden freuen würde."

Mit wem haben wir gesprochen?

Hochzeitsplaner Frank "Froonck" Matthée leitet die Agentur "Wh!te – The Wedding Agency" in Berlin. Besser bekannt ist er als Moderator der Sendung "Vier Hochzeiten und eine Traumreise"

Julia Heimann ist Wedding Planerin und Inhaberin der Agentur "Hochzeitsgefühl" in München.

Janina El-Gawaly ist Wedding Coordinator bei der "marry me Hochzeitsagentur" in Hamburg.

2. Keine Handtücher verschenken

Grundsätzlich gilt: Wenn das Brautpaar sich Geld wünscht, solltet ihr auch Geld schenken, egal, wie unkreativ das erscheinen mag. Gerade junge Paare sind in der Regel darauf angewiesen, da sie sich so ihre Hochzeitsfeier finanzieren. Nur Trauzeugen, Geschwister oder Eltern schenken oft etwas Persönliches. "Geschenke, bei denen das Paar zusammen etwas unternehmen kann, sind hier immer die beste Wahl", sagt Julia Heimann, ein gemeinsames Frühstück oder ein Wellness-Wochenende zum Beispiel. Janina El-Gawaly fügt hinzu: "Vermeiden sollte man Nützliches, wie Handtücher oder Geschirr – es sei denn, das Brautpaar hat sich dies explizit gewünscht."

Frank "Froonck" Matthée
3. Auf KEINEN FALL WEISS tragen

Einige Paare geben in ihrer Einladung bereits einen Dresscode vor. Ist das nicht der Fall, könnt ihr die Trauzeugen fragen. Auch die Location bietet Orientierung: "Wird in einer Scheune gefeiert, ist ein bodenlanges Kleid vielleicht ungeeignet", sagt Julia Heimann. Und: "Schicker als das Brautpaar sollten die Gäste nicht sein."

4. Na gut: So gut wie kein Weiß tragen

Auf gar keinen Fall Weiß, warnt Frank "Froonck" Matthée. Die Braut freut sich schließlich seit Monaten auf ihren großen Auftritt. Sie wird sauer sein, verlasst euch drauf. Laut Julia Heimann gehen zumindest weiße Accessoires in Ordnung – "aber man sollte die Farbe Weiß wirklich auf ein Minimum reduzieren".

5. Auch Singles dürfen nicht kneifen

In der Serie "How I met your Mother" muss Ted ausgerechnet als Trauzeuge an der Hochzeit seiner großen Liebe Robin teilnehmen. Ein Alptraum – manchen Singles reicht es schon als normaler Gast. Und trotzdem: "Zumindest an der Zeremonie sollte man teilnehmen", findet Froonck. "Das erfordert der Respekt gegenüber dem Brautpaar." Danach könne man immer noch entscheiden, ob man früher geht.

Im Slider: Wir haben Junggesellen auf der Reeperbahn begleitet
1/12
6. Nicht zu heftig knutschen

"So lange es keiner öffentlich mitbekommt und man sich nicht gerade an den Bräutigam heranschmeißt, spricht nichts gegen einen Flirt", sagt Janina El-Gawaly. Zu heftig solltet ihr es aber nicht treiben, um dem Brautpaar nicht die Show zu stehlen.

7. Kurzfristig absagen ist schlecht fürs Karma

"In der Regel gibt es Rückmeldefristen, die man allein aus Respekt den Einladenden gegenüber einhalten sollte", sagt Janina El-Gawaly. "Wenn es keinen wirklich triftigen Grund gibt, wie eine Krankheit zum Beispiel, sollte man gar nicht absagen – oder zumindest so frühzeitig, dass das Brautpaar deswegen nicht unnötig auf Kosten sitzen bleibt."

8. Heiratsanträge vorher absegnen lassen

Darf ich selbst einen Antrag machen? "Wenn ich den Brautstrauß gefangen habe, gerne. Ansonsten sollte man diesen Tag dem Brautpaar gönnen, die als einzige im Mittelpunkt stehen sollen", empfiehlt Froonck. Generell gilt: Heiratsanträge auf Hochzeiten solltet ihr immer mit dem Brautpaar besprechen und sie um Erlaubnis fragen.

9. Auch den langweiligen Onkel einbinden

Muss ich mich auch um langweilige Gäste kümmern? Ja, findet Froonck: "Als Gast sollte ich den Kontakt zu den Tischnachbarn suchen und mich einbringen – auch oder gerade wenn es ein spezieller Gast ist. Jeder sollte glücklich sein und feiern." Julia Heimann sieht es nicht ganz so eng: "Man sollte freundlich bleiben, aber man muss sich nicht um den langweiligen Onkel kümmern. Ein kurzes Gespräch oder die Frage, ob man etwas vom Nachtischbuffet mitbringen soll, sind sicher nett."

10. Den Brautstrauß respektieren

Was, wenn ich den Brautstrauß gar nicht fangen will? "Der Brautstrauß sollte auf jeden Fall gefangen werden", sagt Julia Heimann. "Reinspringen ist erlaubt, aber Wegspringen ist keine Option. Wenn man keine Lust hat, ist es besser, sich gar nicht erst aufzustellen."

11. Tschüs sagen

Versetzt euch einmal in ihre Lage. Wochen- wenn nicht sogar monatelang haben sie ihr Fest vorbereitet. Sicher sind sie traurig, wenn ihr einfach ohne ein Wort verschwindet. Deshalb solltet ihr auch möglichst lange mit den beiden feiern – mindestens bis zur Mitternachtstorte. "Wenn ihr wirklich eher gehen müsst, solltet ihr zumindest Tschüs sagen", findet Julia Heimann. "Ein persönlicher Abschied mit einem Dank für die schöne Hochzeit halte ich für ein Muss."

12. Es ist kompliziert

Muss ich das Brautpaar jetzt auch auf meine Hochzeit einladen? "Nicht zwingend", findet Froonck. Das sei vor allem von der Größe der Feier abhängig – bei Hochzeiten im kleinen Kreis könne eben nicht jeder dabei sein. Schwierige Situation, sagt auch Janina El-Gawaly: "Wenn ich eingeladen war, das Paar aber selbst nicht einlade, dann ist das fast gleichzusetzen mit einer Freundschaftskündigung." Doch auch sie schränkt ein: "Andererseits kommt es auch immer auf den individuellen Fall an und wie nahe man sich steht."

13. Danke sagen

Ein "Danke" für eine schöne Feier gehört dazu, da sind sich alle drei Wedding-Planer. "Darüber freut sich jedes Brautpaar, wenn man kurz schreibt oder ein paar Tage später anruft", sagt Froonck. Janina El-Gawaly sagt: "Und wenn man das Fest tatsächlich genossen hat, dann hat man doch eigentlich von selbst das Bedürfnis, dem Brautpaar dies noch einmal mitzuteilen."

Dieses Quiz sagt dir, wie deine eigene Hochzeit (vielleicht) mal aussehen wird:

Mehr Hochzeit


Queer

Christopher Street Day: So schön war die Party in Berlin
Queer statt Fear.

Jetzt erst recht: Am Samstag hat in Berlin der 38. Christopher Street Day stattgefunden. Einen Tag nach dem Amoklauf in München zogen Hunderttausende Menschen durch die Straßen, um für die Rechte von Schwulen, Lesben, Transsexuellen und Transgendern, Inter- und Bisexuellen zu demonstrieren.

"Angesichts der weltweiten Gewaltanschläge und Intoleranz ist es umso wichtiger, auf die Straße zu gehen und ein kraftvolles Zeichen zu setzen für Vielfalt, Akzeptanz, Weltoffenheit. Jetzt erst recht", sagte David Staeglich vom CSD-Vorstand dem "Tagesspiegel". Ähnlich war auch die Einstellung bei den Feierenden: Auf vielen Plakaten waren Botschaften voller Empathie und Zusammenhalt zu lesen. "Die Liebe siegt."