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Steuern, Ehevertrag, Unterhalt – hier kommen ein paar hilfreiche Tipps.

Bald geht es wieder los – dann wird überall geheiratet. Worüber man meistens redet: Den Antrag, die Torte, die Reise. Worüber keiner reden will: Die Steuern, den Ehevertrag, das Kleingedruckte. Dabei gibt es ein paar Sachen, die verdammt hilfreich sein können, bevor man den Bund fürs Leben (oder ein paar Jahre) eingeht. 

Wir haben uns von Eherechts-Experten die wichtigsten finanziellen und rechtlichen Fragen beantworten lassen.  

1. Wer kommt in welche Steuerklasse?

Nach der Hochzeit werden Paare automatisch zusammen veranlagt­. Das heißt, dass der Staat beide nun steuerlich wie eine Person behandelt, das Paar also auch eine gemeinsame Einkommenssteuererklärung macht, erklärt Christina Georgiadis vom Lohnsteuerhilfeverein "Vereinigte Lohnsteuerhilfe" (VLH). Das ist das sogenannte Ehegattensplitting, welches übrigens auch für eingetragene Lebenspartnerschaften gilt. 

Verheiratete haben im Gegensatz zu Unverheirateten die Wahl zwischen drei Steuerklassen:

  • III & V: Diese Kombination ist vorteilhaft bei unterschiedlich hohen Einkommen. Der weniger Verdienende (Steuerklasse V) muss dann einen höheren Steuersatz zahlen, der Besserverdienende (Steuerklasse III) einen niedrigeren Satz. Zusammengerechnet kann man so viel Geld sparen. 
  • IV & IV: Lohnt sich, wenn beide etwa gleich viel verdienen.
  • IV & IV mit Faktor: Kann sich ebenfalls lohnen, wenn beide ein ähnlich hohes Einkommen haben. Dabei wird das sogenannte Faktorverfahren berücksichtigt, ein Modell zur gerechteren Besteuerung ungleicher Einkommen.

Nach der Hochzeit kommt das Paar zunächst automatisch in die Steuerklasse IV. Wer dann wechseln will, muss dafür erst einen schriftlichen Antrag beim zuständigen Finanzamt stellen. 

"Ein Wechsel in die Steuerklasse III und V lohnt sich, wenn einer 60 Prozent oder mehr des Familienverdienstes verdient", sagt Georgiadis. Doch: Je größer die Schere zwischen den beiden Gehältern ist, desto höher ist am Ende des Jahres meist auch die Steuernachzahlung.

2. Wie viel Steuern spare ich durch die Hochzeit?

Beim Ehegattensplitting zählt das Finanzamt beide Einkommen zusammen. Dann wird der Betrag halbiert und für die Hälfte die Einkommenssteuer berechnet. Diese verdoppelt ist dann die Einkommensteuer, die das Ehepaar gemeinsam zahlen muss. Meistens zahlen Paare mit dem Ehegattensplitting weniger Steuern, als wenn jeder seine Einkommenssteuer einzeln berechnen lässt. 

Die VLH gibt zwei Beispiele: 

  1. Einer arbeitet Vollzeit und verdient 45.000 Euro im Jahr, der Partner arbeitet in Teilzeit und verdient 15.000 Euro. Mit dem Ehegattensplitting müssen beide etwa 10.840 Euro im Jahr an Steuern zahlen. Einzeln versteuert wären zusammen etwa 1.000 Euro mehr fällig.
  2. Wenn einer allerdings 35.000 Euro und der Partner 25.000 Euro im Jahr verdient, sparen beide über das Ehegattensplitting nur etwa 100 Euro

Grundsätzlich gilt: Je größer die Differenz der Gehälter, desto höher der steuerliche Vorteil. 

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3. Kann ich auch einfach auf eine gemeinsame Steuervorteile verzichten?

Klar, jeder kann seine eigene Steuererklärung abgeben. Dazu müssen beide auf der Steuererklärung “Einzelveranlagung von Ehegatten/ Lebenspartnern“ ankreuzen. 

Der Vorteil hierbei: Die Ausgaben und Einnahmen des Einzelnen werden bei der Berechnung exakt zugeordnet. Das kann Sinn ergeben, wenn:

  • Ein Ehepartner selbstständig ist und der andere angestellt,
  • einer Verluste macht,
  • einer Entgeltersatzleistungen wie Krankengeld oder Elterngeld bezieht,
  • einer eine hohe Abfindung erhält,
  • beide wieder vorhaben, sich scheiden zu lassen.

4. Wann ist ein Ehevertrag sinnvoll? Was kann man darin alles regeln?

Familienrechtsanwalt Rudolf Haibach rät, einen Ehevertrag noch vor der Hochzeit abzuschließen. "Mancher will ihn nach der Eheschließung nicht mehr unterschreiben – und dann sind Sie machtlos." 

Im Ehevertrag kann das Paar viele verschiedene Punkte individuell regeln, zum Beispiel den Güterstand, den Unterhalt nach der Ehe und wer was im Falle einer Scheidung bekommt. Dazu gehört der Ehegattenunterhalt, der Versorgungsausgleich oder wer beispielsweise das Haus behält.

Ein Ehevertrag ist sinnvoll, wenn ein Partner ein relativ hohes Einkommen oder Vermögen hat, also unterhaltspflichtig werden könnte, sagt der Anwalt. Auch wenn einer Unternehmer beziehungsweise selbstständig ist, lohnt er sich: "Im Falle einer Insolvenz kann dieser rechtzeitig Teile seines Vermögens an seinen Ehepartner übertragen, sodass es ihnen erhalten bleibt", sagt Haibach.

(Bild: Giphy)

5. Was bedeuten Gütertrennung, Gütergemeinschaft und Zugewinngemeinschaft?

Es gibt in der Ehe drei verschiedene Güterstände. Sie regeln, wem das in die Ehe eingebrachte und während der Ehe erworbene Vermögen gehört, wer es verwaltet und wer für Schulden haftet. 

  • Zuerst lebt das Paar automatisch in der Zugewinngemeinschaft. Bei ihr wird Falle einer Scheidung ausgeglichen, wenn sich das gemeinsame Vermögen in der Zeit der Ehe erhöht hat. Dazu wird das einzelne Vermögen zum Anfang und zum Ende der Ehe festgestellt. "Der, der mehr erworben hat, muss dem, der weniger erworben hat, die Hälfte der Differenz abgeben", erklärt Haibach.
  • Die Gütertrennung muss dagegen im Ehevertrag vereinbart werden. Hierbei gibt es im Unterschied zur Zugewinngemeinschaft keinen Vermögensausgleich
  • Die Gütergemeinschaft wird kaum noch angewendet, weil sie rechtlich sehr kompliziert ist. 

Wenn einer viel mehr verdient als der andere, wäre eine Gütertrennung sinnvoll: "Das ist der Fall, wenn derjenige sein Geld die Ehe über spart oder anlegt und sein Vermögen vermehrt", sagt der Experte. Der andere Ehepartner bekommt in diesem Fall nichts ab.

6. Was ist der Versorgungsausgleich?

Er regelt die Verteilung der Rentenansprüche und tritt bei einer Scheidung in Kraft. Am Ende einer Ehe werden die Ansprüche ermittelt, erklärt Haibach. Derjenige, der mehr Rentenansprüche erworben hat, muss an den Partner die Hälfte der Differenz auszahlen. 

Den Versorgungsausgleich kann man aber im Ehevertrag ausschließen oder verändern. Dann müssen beide eine sogenannte Kompensationsleistung vereinbaren, "damit nicht einer über den Tisch gezogen wird", sagt Haibach. 

7. Was bringt eine Scheidungs-Rechtsschutz-Versicherung?

So eine Versicherung gibt es von verschiedenen Anbietern, beispielsweise bei der Arag. Sie gilt dort für beide Ehepartner bei einer Versicherungssumme bis 30.000 Euro und zahlt unter anderem für den Anwalt bei einer Scheidung. Ob sich so eine Versicherung lohnt, müsse jedes Paar selber entscheiden, meint Haibach. Bei Stiftung Warentest gibt es eine Sammlung an Hinweisen dazu, wie eine Scheidung "möglichst reibungslos und kostengünstig" ablaufen kann.

Sie noch schnell abschließen, wenn eine Trennung bereits absehbar ist, geht allerdings nicht: Solche Versicherungen haben eine Wartezeit. Arag beispielsweise zahlt erst, wenn mindestens drei Jahre zwischen Abschluss und Scheidung liegen.

8. Was kostet es, wenn ich mich wieder scheiden lassen will?

"Eine reine, ‘nackte‘ Scheidung bei Gericht kostet zwischen 1.500 und 14.000 Euro", sagt Haibach – je nach dem monatlichem Einkommen und Höhe des Vermögens. Darin sind die Anwaltskosten und die Gerichtskosten enthalten. 

Für Menschen mit geringem Einkommen gibt es die Möglichkeit, sogenannte Verfahrenskostenhilfe vom Staat zu beantragen. Die Gerichtskosten werden zwischen beiden aufgeteilt. Zu diesen gehören die Gerichtsgebühren: Je höher der sogenannte Verfahrenswert ist, desto höher sind sie. Der Verfahrenswert wiederum wird, genauso wie die Höhe der Anwaltskosten, durch das Einkommen und Vermögen bestimmt. (Scheidung.de)

  • Die wichtige Regel: Je mehr ein Paar außergerichtlich im Einvernehmen regelt, desto billiger wird das Scheidungsverfahren.

Nach dem Prozess kommen aber eventuell noch Folgekosten wie der Unterhalt auf einen zu, sagt Haibach. Die Unterhaltszahlungen können beide vorher im Ehevertrag vereinbaren. Einer hat gegebenenfalls Anspruch auf Trennungsunterhalt, von der Trennung bis zur Scheidung, und einen nachehelichen Unterhalt

Bei gemeinsamen Kindern muss derjenige, das das Kind nicht betreut, Kindesunterhalt in Form von Geld zahlen. Der Unterhalt an den Ex-Partner richtet sich nach dem Lebensverhältnissen während der Ehe. Außerdem kommt es bei ihm sowie beim Kindesunterhalt auf das Einkommen und Vermögen beider an. (Scheidung.de)


Haha

Weißt du, welche Marken zu welchem Großkonzern gehören?

Du stehst an der Supermarktkasse, dein Einkaufswagen ist voll: Kaffeepulver, Mineralwasser, Schokoriegel, Tütensuppe, ein bisschen Streichkäse. Mayonnaise und Ketchup für die Fritten zum Abendessen. Ein Deo, eine Tüte Waschmittel.