Bild: Alicia Shao

Alicia war 20. Sie wollte gerade Wäsche waschen, als sie weinend zusammenbrach und spontan zur Kamera griff. Die lag gerade auf dem Tisch in ihrem Zimmer in einem Kölner Studentenwohnheim.

Ich saß auf dem Sofa und weinte über dem Korb Wäsche auf meinem Schoß und kam mir einfach nur so bedeutungslos vor.
Alicia Shao

In den nächsten zwei Tagen entstanden Fotos, die Alicias Schmerz festhielten – und sie gleichzeitig aufheiterten. "Vielleicht weil das Licht gut fiel und sie auf ihre Art schön waren", so erinnert sich Alicia Shao heute.

Unter dem Titel "Somewhere in the infinity of her universe" veröffentlichte die Design-Studentin die Bilder auf Imgur. Das Feedback der Nutzer habe die heute 22-Jährige überrascht: "Ich hatte richtig Angst vor negativen Reaktionen", sagt Alicia. Die blieben aber aus.

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Sie bildet ab, was viele fühlen

Stattdessen Mitgefühl und Verständnis. "Ich sitze gerade genauso da, wie du auf dem vierten Bild. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mit einer Fremden so verbunden fühlen könnte", kommentiert jemand ihr Foto.

Ihr Gesicht zeigt die gebürtige Chinesin bewusst nicht. Es gehe nicht um Details, sondern um das Gefühl, das die Bilder transportieren, sagt sie. Und darum, dass sich viele darin erkennen. Immerhin leidet jeder fünfte Deutsche einmal im Leben an einer Depression, so die Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

"Es klingt so klischeehaft, aber am meisten hat mir das Gefühl geholfen, mit meiner Krankheit nicht alleine zu sein", sagt Alicia.

Zum Klicken: Unsere Psychologin beantwortet eure Fragen
"Oft fühle ich mich erfolglos und allein. Was kann ich tun?"
"Meine Schwiegereltern mögen mich nicht – soll ich sie dennoch besuchen?"
"Meine Oma kommt auch nach zehn Jahren noch immer nicht mit meiner Homosexualität zurecht. Auf Familienfeiern geraten wir immer wieder aneinander – was kann ich tun?"
"Ich liebe meine Tante, aber sie geht an Weihnachten immer total herzlos mit meiner Cousine, um. Was kann ich tun?"
"Jedes Jahr an Weihnachten findet ein Klassentreffen statt. Was kann ich gegen Gefühl tun, dass alle anderen viel mehr erreicht haben als ich?"
"Ich bin überzeugter Vegetarier, will aber den Familienfrieden beim Weihnachtsessen nicht stören. Lasse ich mich auf die Diskussion mit meinen Eltern ein?"
"Meine Mutter sieht nicht ein, dass ich erwachsen bin. –Was soll ich tun?"
"Warum fürchten wir uns so vor einem Terroranschlag, aber nicht vor einem Fahrradunfall?"
"Ich habe Panik, keinen Job zu kriegen – Ist meine Angst berechtigt?"
"Ich verliebe mich zu schnell – was kann ich dagegen tun?"
Mein Studium überfordert mich und lässt mich jeden Tag leiden. Wo sind nur meine Träume und Ziele hin?"
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Art

So sehen wir aus, wenn es uns mal wieder nur ums schönste Selfie geht
Wir sind fixiert auf uns. Was macht das mit unseren Erinnerungen?

Hallo, hier bin ich. Ich bin noch da, ich lebe. Und ich erlebe Aufregendes, zumindest lass ich es so aussehen.

Menschen, die Selfies machen und anschließend hochladen, sagen verschiedene Dinge damit aus – aber wahrscheinlich wollen sie immer die Aufmerksamkeit auf sich lenken, auf das eigene Gesicht, das Selbst.

Im Job, in der Bahn, auf Partys, auf Reisen – ständig gleichen wir per Frontkamera ab, wie wir aussehen, ob das Make-up noch sitzt oder das Lächeln oder ob wir einfach noch in der Form existieren, in der wir uns gern hätten.