Bild: Privat

Warum ich?" hat Seymour sich häufig gefragt, seitdem er weiß, dass er ein neues Herz braucht. Es ist Juni 2006, Seymour leidet immer häufiger unter Atemnot, fühlt sich platt und angeschlagen. Er ist gerade mal 18 Jahre alt, eigentlich sportlich, lebensfroh und immer gut gelaunt. Mit seinem jüngeren Bruder und seiner Mutter lebt er in Aachen, wo er eine Ausbildung zum chemisch-technischen Assistenten macht. Aber seine große Leidenschaft ist der Fußball. 

Seymour will Profi werden, er spielt erfolgreich in der Verbandsliga für den JSV Baesweiler 09. Kurz vor seinem geplanten Wechsel zu Alemannia Aachen wird Seymours Leben aus den Fugen gerissen.                                                                                               

An einem Wochenende geht es Seymour so schlecht, dass seine Mutter ihn in die Notaufnahme fährt. Dort wird er internistisch untersucht. Ein Ultraschall zeigt, dass sein Herz viel zu groß ist. 

Die Ärzte vermuten eine Herzmuskelentzündung.

Seymour macht sich zu dem Zeitpunkt noch keine großen Sorgen. Eine Entzündung? Wird schon wieder weggehen.

An einem Tag im Mai sitzt Seymour in einem Kölner Café und erzählt seine Geschichte. 29 Jahre ist er alt, braune Locken, sportlich. Auf seiner Brust prangen mehrere große Narben, die seine Geschichte dokumentieren und die ihn für immer begleiten werden. 

In seiner Brust schlägt ein fremdes Herz. 

Das Herz eines Spenders.



Denn die Herzmuskelentzündung ging nicht wieder weg. Seymour wird stationär im Aachener Klinikum aufgenommen, die Ärzte entnehmen eine Gewebeprobe seines Herzens. Schnell steht fest, dass er ein neues Herz braucht. Es ist der Moment, in dem Seymour nur an seinen Traum denkt: Er kann kein Fußballprofi mehr werden. 

Aber für Seymour, seinen Bruder und seine Mutter bleibt nichts mehr wie es war.

Am 1. Juli 2006 wird Seymour von Aachen aus ins fast 300 Kilometer entfernte Herzzentrum nach Bad Oeynhausen verlegt und auf die Transplantationswarteliste aufgenommen. Im Herzzentrum angekommen, darf er nicht mal mehr aufstehen. Er ist an Maschinen angeschlossen, Katheter links und rechts führen in seinen Hals. 


Fast täglich bekommt Seymour Besuch von seiner berufstätigen Mutter und seinem Bruder, der noch zur Schule geht. Auch seine Freunde kommen trotz der großen Distanz so oft wie möglich vorbei, um gemeinsam mit Seymour auf ein neues Herz zu warten.

Seymour liegt in seinem Bett. Tage, Wochen, Monate vergehen. 

Er sieht Menschen, die auch auf ein neues Herz warten, Kommen und Gehen. Manche gehen nach Hause, manche gehen für immer. Seymour fragt sich, ob er jemals wieder herauskommen wird – und ob er jemals wieder Fußball spielen wird. 


Nach etwa drei Monaten verschlechtert sich Seymours Zustand drastisch. Es folgt eine Zeit, an die er sich heute kaum erinnern kann: Seine Organe versagen nach und nach, durch eine starke Gallenblasenentzündung kann er fast zwei Wochen weder essen noch trinken. 

Seymour nimmt in dieser Zeit 15 Kilo ab. Einen Reanimationsversuch überlebt er nur knapp. Er wird daraufhin auf die Intensivstation verlegt, wo er an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen wird.

Die Komplikationen nehmen kein Ende. Seymour muss regelmäßig im Bett gedreht werden, damit er sich nicht wundliegt. Die Schläuche in seiner Leiste bewegen sich dadurch und verursachen starke Blutungen. 

Täglich bekommt er Blutkonserven, von denen ihm schlecht wird. Immer wieder müssen die Verbände gewechselt werden, dabei reißen sich die Nähte durch die Haut. Die Schmerzen hören nicht auf.

Aber die Frage nach dem Tod, die stellt sich Seymour nicht. 
In Deutschland spenden weniger Menschen Organe als in den meisten europäischen Ländern:
Dafür gibt es Gründe: In Deutschland muss jeder Bürger einer Spende zustimmen ...
... während man zum Beispiel in Frankreich automatisch Organspender wird - außer, man hat vorher widersprochen.
In den vergangenen Jahren sank die Spendenbereitschaft in Deutschland auch noch - auch wegen eines Organspendenskandals 2012 (Süddeutsche) :
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Er ist nur noch genervt, gleichgültig, er wünscht sich, dass all das endlich aufhört. Die Schmerzen, die Übelkeit. Von der Frage, wie lange es wohl noch dauert, bis er ein neues Herz bekommt. Gemeinsam mit den Ärzten entscheidet er sich für eine vorübergehende Lösung, die ihn zumindest von der Herz-Lungen-Maschine erlösen soll. Er lässt sich eine mechanische Herzklappe implantieren. Die OP soll ihm Zeit kaufen. Zeit, bis ein Herz kommt.

Der Organspendeausweis

Jeder hat die freie Wahl zu entscheiden, ob er im Fall der Fälle Organspender werden möchte oder nicht. Ein Organspendeausweis ist in jedem Fall sinnvoll. Dieser bedeutet nämlich nicht zwingend, dass jemand Organspender ist. 

Auf dem Ausweis kann auch angekreuzt werden, dass man einer Organentnahme nicht zustimmt oder nur einer Teilentnahme von Organen zustimmt. 

In jedem Fall schafft ein Organspendeausweis Klarheit über den Willen des Verstorbenen. Einen Organspendeausweis kann man sich hier in Scheckkartengröße kostenlos bestellen: https://www.organspende-info.de/organspendeausweis

Seymours Überleben bedeutet gleichzeitig den Tod eines Anderen. 

Er vermeidet den Gedanken daran, hat zu viel Angst vor seiner eigenen Reaktion – und erst mal muss er ja leben.

Etwa zwei Jahre nach der Diagnose, im Mai 2008, ist es dann soweit: Ein Arzt betritt Seymours Zimmer und sagt, er hätte ein passendes Herz für ihn.

So richtig glauben kann Seymour das nicht. Er hat den ganzen Tag im Halbschlaf geträumt, dass ein Arzt gute Neuigkeiten für ihn hat. Plötzlich ist der Tagtraum Realität. Seymour ruft seine Mutter an, die sich mit einer Freundin sofort auf den Weg aus Aachen macht.

Er ist aufgeregt, freut sich – aber auch skeptisch. Zu oft hat er mitbekommen, dass im letzten Moment doch noch etwas schiefgehen kann. Dann ist das Herz da, gegen 23 Uhr geht es los - seine Mutter schafft es gerade rechtzeitig vor der OP noch einmal zu ihrem Sohn. Sie verabschiedet Seymour unter Tränen.



Fakten zur Organspende

  • In Deutschland warteten 10.129 Patienten auf ein oder mehrere Spenderorgane - 3.708 Organe wurden 2016 transplantiert

Transplantationswarteliste

Um eine gerechte Verteilung der Spenderorgane zu gewährleisten, gibt es sogenannte Transplantationswartelisten. Diese funktionieren nach dem Dringlichkeitsprinzip, auch die Erfolgsaussichten stehen im Vordergrund. Ein Patient wird nur aufgenommen, wenn die Erfolgsaussichten einer Transplantation groß genug sind.

Der Hirntod

Voraussetzung für eine Organentnahme ist der irreversible Ausfall der Hirnfunktion. Das heißt, dass die Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms endgültig und nicht behebbar ausgefallen ist. Die Diagnose des Hirntods erfolgt in einem dreistufigen Schema, dass von zwei unabhängigen Ärzten durchgeführt wird. Kommen beide Ärzte zum gleichen Ergebnis, wird der Patient als Hirntod eingestuft. Weitere Infos zum Hirntod und zur Hirntoddiagnostik gibt es bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation: https://www.dso.de/organspende-und-transplantation/todesfeststellung.html

Quelle: eurotransplant.org

Um 5.55 Uhr atmen die Ärzte vorerst erleichtert auf: Seymours neues Herz schlägt das erste Mal von alleine. Er hat die OP gut überstanden, ein paar Stunden später wacht er auf. Alles, was er hört, ist das Piepen der Überwachungsmaschinen, mit denen er verkabelt ist. Das Klackern der mechanischen Herzklappe, das ihn über Monate hinweg permanent begleitet hat, ist weg.

Eine beängstigende Stille macht sich breit und das Gefühl ein fremdes Herz in sich zu tragen, ist seltsam. Aber sein neues Herz schlägt gleichmäßig im Takt. 

In Seymour keimt Hoffnung auf. 

Hoffnung, dass endlich alles wieder gut wird. Er lebt. 

Mehr als 700 Tage hat Seymour im Krankenhaus verbracht und um sein Leben gekämpft. Er hat die Hoffnung und das Leid Gleichgesinnter gesehen, während manche mit einem neuen Herzen nach Hause gehen konnten und andere die Wartezeit nicht überlebten. Trotzdem hat er nie aufgehört zu kämpfen. Der Wunsch wieder zu leben, wieder Fußball zu spielen, war für Seymour immer zu groß, um einfach aufzugeben. 


Jeder will leben.
Seymour

 Und ich habe mir immer gesagt: Dann werde ich halt der erste Fußballprofi mit transplantiertem Herz!“

Die Erfahrungen, die Seymour in diesen drei Jahren gemacht hat, haben ihn natürlich verändert. Immerhin wäre er fast gestorben. Seymour hat in diesen drei Jahren viel verloren, aber seine Freude am Leben ist dafür umso stärker geworden.

Wem sein neues Herz gehört hat, hat Seymour nie erfahren. Über eine Organisation hat er einen Brief an die Spenderfamilie geschrieben. Ob der Brief angekommen ist, weiß er nicht. Aber ihm wurde ein zweites Leben geschenkt und dafür ist er dankbar.

Mittlerweile kann Seymour wieder ein normales Leben führen. Er arbeitet in der Gastronomie, macht Sport und verbringt viel Zeit mit seinen Freunden. Das mit dem Fußballprofi hat nicht geklappt, leider. Die Belastung im Leistungssport ist für Seymours neues Herz einfach zu groß. 

Aber er hat das Beste draus gemacht.


Musik

Es wird ein "Game of Thrones"-Musical geben!
(Mit einer Menge Humor!)

Alljährlich im siebten Monat sei es, dass Nerds aus aller Welt ihre Köpfe gen Westen wenden, um zu schauen, welch frohe Kunde sie von dort erreichen möge. Es erwarte sie in San Diego die Comic Con, die verheißungsvollste Comic-Messe der Welt.

Fürwahr, dort werden nicht einfach nur Comichefte feilgeboten – auch Offenbarungen zu Filmen, Serien und Büchern machen die Runde. Die Barden spielen eine frohe Melodie auf, manche verkleiden sich als ihre Heilande, Cosplay nennen sie es. (II. Buch Martin, "Der kommende Winter")

Andere stellen als Huldigung ein Musical auf die Beine – für "Game of Thrones".