Lieber Herbst,

bisher hast du dich noch nicht richtig rausgetraut. Aber an manchen Tagen habe ich dich schon gerochen und deinen kühlen Atem auf der Nasenspitze gespürt. Und ich muss zugeben: Ich freue mich auf dich!

Der Sommer hat es dir nicht leicht gemacht. Er war so heiß, so perfekt und voller schöner Erinnerung. Ihn gehen zu lassen, das wird schwer.

Aber ich bin realistisch. Ich weiß, dass der Abschied kurz bevorsteht. Und während ich abends im Park klein beigebe und die Sweatshirtjacke über das T-Shirt ziehe, denke ich schon mal an dich:

An die Herbsttage, an denen die Sonne noch scheint und ich trotzdem meinen Mantel anziehen kann.

Spaziergänge in der Herbstsonne. Was gibt es besseres?

(Bild: Unsplash / Curtis MacNewton)

Ich freue mich auf die kühle, frische Luft. Endlich kein Schweiß mehr, keine S-Bahn Fahrten, die sich wie ein Saunagang anfühlen. Stattdessen: kalte Wangen, die man im Schal vergräbt und rote, glühende Wangen, wenn man wieder zu Hause ankommt. 


Da ist es wie in einer Höhle, warm und sicher. Hier kann ich die Jacke ausziehen und die Heizung aufdrehen.

Und zu Hause dann ein warmer Tee und Heizung auf 5 drehen.

(Bild: Unsplash / John Mark Smith)

Der Sommer roch nach Sonnencreme und Vanilleeis. Du, lieber Herbst, du riechst nach so viel mehr: Nach Kamin, trockenem Laub, feuchtem Laub, Matsch unter den Schuhen und Kürbissuppe.

Gerüche, die an die Sonntagnachmittage erinnern, an denen wir als Kinder nach Kastanien suchten. Warm eingepackt, die Füße steckten trocken in Gummistiefeln.

Mit dir darf man auch einen ganzen Sonntag in der Wohnung verbringen - ohne schlechtes Gewissen.

Bald kann ich wieder stundenlang Serien gucken, das ganze Wochenende den gleichen Pulli tragen und mich beschweren, dass ich kalte Füße habe. Den ganzen Tag im Bett bleiben. Und dabei keine Angst haben, etwas zu verpassen.

Endlich kann ich schon nachmittags um 15 Uhr Kerzen anzünden. Neue kaufen und alles voll stellen damit. Wenn man sie auspustet, riecht es nach Herbst.

Und trotzdem weiß ich: Es werden die Tage kommen, an denen ich dich verfluche.

Endlich Kerzen, Kerzen und noch mehr Kerzen.

(Bild: Unsplash / Jovi Waga)

Die Tage, an denen mir kalt ist und draußen alles nass und grau. An denen ich dir die Schuld für meine schlechte Laune gebe und mir schwöre, jetzt wirklich endlich in ein warmes Land auszuwandern.

Ich werde bereuen, diesen Liebesbrief jemals verfasst zu haben, weil ich an diesen Tagen absolut nichts Liebenswertes an dir finde. Aber vielleicht werde ich den Brief dann auch nochmal lesen und merken, wie sehr ich mich auf dich gefreut habe, an den letzten warmen Tagen:

Lieber Herbst, du gibst mir Zeit, die Erinnerungen an den Sommer in aller Ruhe zu konservieren. Den Sommer nochmal richtig zu schätzen, bei einer Tasse Tee, während es stundenlang durchregnet. Nur mit dir kann ich noch einmal durchatmen, bevor der Winter kommt.


Queer

Jens Spahn erzählt: Politischer Gegner in der CDU drohte ihm vor Bundestagskandidatur mit Outing
Er ließ sich davon nicht einschüchtern.

Mit 21 Jahren wollte Jens Spahn erstmals für den Bundestag kandidieren, in seiner Heimat im Münsterland. Seine Familie wusste damals nicht, dass er homosexuell ist, Spahn hatte sich nicht geoutet. Er wurde deshalb innerhalb der örtlichen CDU unter Druck gesetzt – man drohte ihm, ihn zu outen. Das geht aus einer aktuellen Biografie über Jens Spahn des Journalisten Micheal Bröcker von der "Rheinischen Post" hervor.