Stell dir vor, du bekommst einen Heiratsantrag und dein Lieblingstier stiehlt dir die Show. 

Wir stellen uns das ungefähr so vor:

This is just otterly crazy love❤️! Even I cannot believe this😍! A UK couple contacts me to see otters in Singapore. ...

Posted by Bernard Photojournals on Monday, November 19, 2018

Aber Moment, das ist kein Stockfoto – sondern ein richtiger Heiratsantrag, den der Brite Jordan Doyle seiner Freundin Mary gemacht hat. Die ist nämlich großer Fan von Ottern, also besuchten die beiden während einer gemeinsamen Reise nach Singapur die berühmte Otterfamilie "Bishan 10". (BBC

Jordan engagierte dafür sogar extra einen Tierfotografen – die Entscheidung, seiner Freundin einen Antrag zu machen, fiel offenbar spontan: "Ich trug den Ring eine Weile mit mir und Mary ist ein großer Fan von Ottern, also dachte ich mir, das ist der richtige Zeitpunkt, um ihr den Antrag zu machen", sagte Jordan Doyle. (BBC

Der Fotograf ist begeistert.

Den ursprünglichen Antrag konnte der Fotograf Bernard Seah nicht festhalten, also bat er Jordan und Mary, den Antrag nochmal nachzustellen. 

"Als ich sie bat, für ein Foto zu posieren, kamen die Otter aus dem Wasser und näherten sich dem Paar", sagte er. Er habe nicht glauben können, dass das wirklich passiert. (BBC)

Mary hat übrigens "Ja" gesagt!

Aber zurück zu den Ottern:


Queer

Die Aussagen der Bildungsministerin zur Ehe für alle zeigen, dass sie ihren Job nicht versteht

Liebe ist eben Liebe – ganz egal, ob ein Mann einen Mann liebt oder eine Frau eine Frau. Das hat auch die deutsche Regierung, zumindest gesetzlich, eingesehen. Seit Oktober 2017 dürfen auch gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland endlich heiraten.

Dass damit nicht alle Bundestagsabgeordneten zufrieden sind, zeigte sich schon während der Abstimmung dazu im Bundestag. 226 Abgeordnete stimmten gegen die "Ehe für alle" – 225 davon waren von der CDU/CSU. (Bundestag.de)

In einem Interview mit n-tv hat sich die Bildungsministerin Anja Karliczek am Dienstag nun noch mal zu der Einführung der "Ehe für alle" geäußert.  

Was die Bildungsministerin dazu zu sagen hat, zeigt, wie weit die Vorstellungen mancher Politikerinnen und Politiker von der tatsächlichen Lebenswelt der Menschen in Deutschland entfernt sind.

Das beginnt in dem Interview bereits mit Karliczeks unkonkreter Antwort auf die Frage, ob sie die Einführung der "Ehe für alle" als richtig erachte: "Ich glaube, so, wie wir es gemacht haben, ist es nicht richtig gewesen." Ihrer Meinung nach habe die Einführung für eine "Polarisierung" gesorgt. Wie diese Polarisierung sich konkret in der Gesellschaft zeigt, erklärt sie nicht. 

Karliczek findet die Art der Einführung "nicht richtig" und hätte sich gewünscht, dass das Thema vorher "breit diskutiert" worden wäre. Man habe mit der "Ehe für alle" ganze Gesellschaftsstrukturen verändert, ohne darüber zu reden.

Genau genommen wurde darüber allerdings schon viel zu lange geredet. Und zwar mindestens 16 Jahre lang. Gleichgeschlechtliche Paare können schließlich seit 2001 eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen. Diese stand der Ehe zwar in einigen Punkten noch nach, in vielen Punkten war die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft aber rechtlich mit der Ehe gleichgestellt. Damit änderte sich für die meisten gleichgeschlechtlichen Paare im Alltag mit der "Ehe für alle" 2017 kaum etwas. Sie haben jetzt einfach dieselben Rechte wie heterosexuelle Paare. Eine Familie gründen, Kinder bekommen, das konnten sie aber vorher auch schon. 

Ist es nicht lächerlich, die "Ehe für alle" jetzt zu hinterfragen? 

Mit ihrer Einführung hat sich nichts verändert – außer, dass gleichgeschlechtliche Paare jetzt heiraten dürfen. Karliczeks Kritik zeigt doch, dass sie eine veraltete Vorstellung von Familie hat. Und darum, dass das "Label Ehe" nur einer Beziehung zwischen Mann und Frau zusteht. 

Die "Ehe für alle" ist mittlerweile in 22 Ländern legal. Darunter sind Länder wie Irland, wo sich fast 80 Prozent der Bevölkerung zum katholischen Glauben bekennen (Central Statistics Office). Und dann sorgt sich eine CDU-Politikerin um ihre christlichen Werte und traditionellen Vorstellungen von Familie?

Karliczek belässt es aber nicht nur bei der Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren. Es gäbe bisher auch keine Langzeitstudien zu Kindern, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen, sagt sie. Dass diese Aussage nicht stimmt, lässt sich beim deutschen Jugendinstitut nachlesen. Dort wird der internationale Forschungsstand zusammengefasst:

Dabei kommen wissenschaftliche Studien zu dem Ergebnis, dass sich "Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Paaren aufwachsen, mindestens ebenso gut entwickeln wie Kinder mit einem gemischtgeschlechtlichen Elternpaar". Dabei wurden verschiedene Bereiche, "wie die Beziehung zu den Eltern, psychisches Wohlbefinden, emotionale Verhaltensprobleme, Bildungserfolg, soziale Entwicklung sowie sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität" untersucht. (Deutsches Jugendinstitut)

Für Kinder sei es laut Karliczek wichtig, das "emotionale Spannungsfeld" zwischen Männern und Frauen zu erleben. Was genau sie damit meint: "Frauen und Männer gehen unterschiedlich an Sachen heran." Redet die deutsche Bildungsministerin also 2018 wirklich immer noch darüber, dass es in Beziehungen Männer- und Frauenrollen gibt? Verschiedene Rollen gibt es in gleichgeschlechtlichen Beziehungen genauso wie zwischen Männern und Frauen. Es hat allerdings in beiden Fällen nichts mit dem Geschlecht zu tun. 

Es gehe Karliczek aber nicht darum, ob Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern glücklich seien, sagt sie. Das Problem sei vielmehr, dass Kinder aufgrund ihrer gleichgeschlechtlichen Eltern gemobbt und diskriminiert werden. Aber: 

Wäre es dann nicht eigentlich die Aufgabe einer Bildungsministerin, dafür zu sorgen, dass es zum Beispiel in Schulen mehr Aufklärung zu LGBTQ-Themen gibt? 

Dass es im Biounterricht nicht hauptsächlich um heterosexuellen Geschlechtsverkehr geht? Das wäre vielleicht nicht die Lösung aller Probleme – aber doch wenigstens ein Anfang. Das sagt auch der LSBTI-politische Sprecher der FDP, Dr. Jens Brandenburg: "Kinder in Regenbogenfamilien leiden nicht unter ihren Eltern, sondern unter den Vorurteilen anderer." (Queer.de)

Wenn Frau Karliczek also noch mehr Langzeitstudien durchführen möchte: Bitteschön. Herauskommen wird, dass Kinder aus den unterschiedlichen Gründen gemobbt werden: zu dick, zu klein, zu billige Klamotten – sicherlich auch mal wegen ihrer Eltern. 

Aber daran wird sich leider nichts ändern, wenn man verbietet, dass zwei gleichgeschlechtliche Elternteile, die sich lieben und respektieren, eine Familie gründen dürfen. Und vielleicht kann in der Studie dann auch erforscht werden, wie es sich mit alleinerziehenden Elternteilen verhält und ob man die eigentlich auch besser verbieten sollte. 

"Das Leben macht doch mehr aus als das, was wir wahrnehmen," sagt Karliczek an einer Stelle. Ein schöner Satz, den sie sich vielleicht selbst auch mal zu Herzen nehmen sollte.