Unsere Psychologin weiß, was zu tun ist
Lene, 28, fragt:

In meiner Clique sind wir zu siebt. Sieben Mädels, wir kennen uns seit der Oberstufe und halten seitdem zusammen.

Wir waren öfter im Urlaub, kennen uns besser, als unsere Geschwister – und auch, wenn wir mittlerweile alle in unterschiedlichen Städten wohnen, schaffen wir es sehr gut, den Kontakt zu halten.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Was mich sehr unglücklich macht: Ich bin die Einzige, die noch keine Hochzeitspläne hat. Die anderen sind fast alle verlobt oder sogar schon verheiratet, sie sind seit Jahren in festen Beziehungen.

Die, die noch nicht verlobt ist, hat seit drei Jahren einen festen Freund. Alles sieht so aus, als würde da auch bald ein Antrag kommen.

Noch mehr Notfälle? Eure Hilfegesuche – und Kathrins Antworten:
"Oft fühle ich mich erfolglos und allein. Was kann ich tun?"
"Meine Schwiegereltern mögen mich nicht – soll ich sie dennoch besuchen?"
"Meine Oma kommt auch nach zehn Jahren noch immer nicht mit meiner Homosexualität zurecht. Auf Familienfeiern geraten wir immer wieder aneinander – was kann ich tun?"
"Ich liebe meine Tante, aber sie geht an Weihnachten immer total herzlos mit meiner Cousine, um. Was kann ich tun?"
"Jedes Jahr an Weihnachten findet ein Klassentreffen statt. Was kann ich gegen Gefühl tun, dass alle anderen viel mehr erreicht haben als ich?"
"Ich bin überzeugter Vegetarier, will aber den Familienfrieden beim Weihnachtsessen nicht stören. Lasse ich mich auf die Diskussion mit meinen Eltern ein?"
"Meine Mutter sieht nicht ein, dass ich erwachsen bin. –Was soll ich tun?"
"Warum fürchten wir uns so vor einem Terroranschlag, aber nicht vor einem Fahrradunfall?"
"Ich habe Panik, keinen Job zu kriegen – Ist meine Angst berechtigt?"
"Ich verliebe mich zu schnell – was kann ich dagegen tun?"
Mein Studium überfordert mich und lässt mich jeden Tag leiden. Wo sind nur meine Träume und Ziele hin?"
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Meine Beziehungen scheiterten alle nach ein paar Jahren. Es lag an mir oder an ihm, irgendwas war immer. Insgesamt hatte ich vier. Nun bin ich Single, ein Neuer ist nicht in Sicht, ich tindere mir einen Wolf.

Doch dass meine Freundinnen heimelig werden, das tut mir richtig weh. Sie reden so viel von Hochzeitskleidern, Babys, sogar von irgendwelchen Grundstücken, die sie vielleicht mal kaufen wollen.

Dass meine Freundinnen heimelig werden, tut mir weh

Ich werde in diesen Gesprächen immer stiller. Ich habe keine Lust, ihnen den Spaß zu verderben – den Neid fresse ich immer mehr in mich hinein.

Mir wäre es unangenehm, das zuzugeben. Denn dann bin ich sicherlich auf ewig die, die das Glück der anderen nicht ertragen kann. 

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Liebe Lene,

ich kann sehr gut verstehen, wie schwierig diese Situation für dich sein muss. Alle deine Freundinnen haben etwas, was du momentan nicht hast. Es ist ganz natürlich, dass immer wieder ein Gefühl von Neid und vielleicht auch Trauer in dir hochkommt. 

Alle so: Liebe! Und du?(Bild: Unsplash)

Dafür musst du dich nicht schämen.  Allerdings merkst du selbst, dass es sowohl für dich als auch für deine Freundschaften schädlich ist, wenn du dich aus Scham immer mehr innerlich zurückziehst.

Versuche zunächst anzunehmen, dass du diese Gefühle hast. Erlaube dir gegenüber deinen Freundinnen, offen damit umzugehen. Überlege wie  du empfinden würdest, wenn eine deiner Freundinnen in deiner Situation wäre. Fändest du es gut, wenn sie alles in sich hineinfrisst und sich immer mehr zurückzieht?

Erlaube dir deine Gefühle

Würdest du es ihr übelnehmen, wenn sie zugibt, dass sie manchmal neidisch ist und traurig, dass sie als Einzige keine Beziehung hat?  

Wenn du Neid oder Trauer spürst, nimm die Gefühle an, ohne sie als falsch oder unerlaubt zu bewerten. Jedes Gefühl gehört zum Menschsein dazu.

Das Problem ist nicht das Gefühl selbst, sondern der Umgang damit – bei dir das Hineinfressen und dein innerer Rückzug. Stell dir vor, Gefühle sind wie das Wetter – mal Sonnenschein, mal Wolken, mal Regen, mal Sturm.

Auch deine Gefühle kommen  und gehen. Du bist nicht dein Gefühl, du hast ein Gefühl. 

Neben der Akzeptanz deiner Gefühle kann es auch hilfreich sein, deine Aufmerksamkeit von diesem Thema wegzulenken und auf die Bereiche in deinem Leben zu fokussieren, die für dich wichtig sind.

Umso mehr du dich innerlich mit dem Vergleich und deinem vermeintlichen Defizit beschäftigst, umso größer machst du dieses Problem.

Dein Leben besteht ja aus viel mehr als einem fehlenden Partner: 

  • Was ist dir wichtig in deinem Leben? Was genießt du? 
  • Wofür bist du dankbar? 
Du bist nicht dein Gefühl

Du kannst dir ein kleines Büchlein kaufen, in das du jeden Tag eine kleine Notiz schreibst, was du heute Schönes erlebt hast, welche wertvollen Begegnungen oder Gespräche du heute hattest oder was dir das Leben heute geschenkt hat.

Umso mehr du dich auf dich selbst und dein Leben fokussierst, umso weniger Druck wirst du spüren, schnell einen Partner finden  zu müssen und umso wahrscheinlicher ergibt sich alles wie von selbst. 

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin


Streaming

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