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"Wir haben einfach Schnick-Schnack-Schnuck gespielt."

Egal, wie sich Beziehungsformen ändern mögen – ein soziales Konstrukt hat es bis jetzt über die Zeit geschafft: die Ehe. Und mit ihr eine alte Regel, nach der Frauen den Namen ihres Mannes annehmen. 

Gesetzlich ist das mittlerweile aufgehoben (allerdings erst seit 1991!). Genauso wenig, wie alle Paare aus Mann und Frau bestehen, muss sich der Familienname nach dem des Mannes richten. Die Vorschrift aber scheint in den Köpfen der Menschen weiterzuleben: Nicht mal 20 Prozent der Ehepaare bestimmen den Namen der Frau als ihren gemeinsamen. 

Und laut einer Umfrage aus dem Jahr 2014 bestehen mehr als 60 Prozent der Männer darauf, ihren Namen zu behalten. 

Ist das altmodisch? Machen Frauen sich damit zum Gehilfen des Patriarchats und sollten aus Prinzip darauf bestehen, ihren Namen zu behalten – bis mindestens 50 Prozent der Paare es ihnen gleichtun? Ist das Politische wirklich so privat?

Die Journalistin Mareike Nieberding schrieb vor kurzem ein viel diskutiertes Plädoyer, in dem sie Frauen dazu aufrief, ihre Namen zu behalten. (Zeit Online)

Aber bedeutet das Gegenteil wirklich Gleichberechtigung? Oder besteht diese nicht auch in der Freiheit, sich für die Norm zu entscheiden? Wie reagieren Familie und Freunde, wenn ein Mann seinen Namen ablegt? Und wie können Paare hier eine gleichberechtigte Entscheidung treffen?

Wir haben sieben Menschen gefragt, wieso sie ihren Namen in der Ehe behalten oder abgeben haben.

David, 29, aus Köln behält seinen Namen, seine Braut ihren.

(Bild: Privat)

Wir heiraten im Juli. Ursprünglich wollte ich den Nachnamen meiner Freundin "Wingender" annehmen. Sie schreibt gerade ihre Doktorarbeit und hat schon viele Fachartikel veröffentlicht. Zwar gibt es viele Wissenschaftlerinnen, die nach der Hochzeit weiter unter ihrem Mädchennamen veröffentlichen, aber das ist nicht nötig. Sie soll ruhig ihren Nachnamen behalten. Außerdem ist er viel schöner als meiner. Ich heiße Schreckenberg.

In den letzten Wochen ist mir bewusst geworden, wie sehr auch ich an meinem Namen hänge und er meine Identität prägt. Mein Leben lang gab es immer wieder lustige Reaktionen. Die Leute waren irritiert, wenn ich als jemand mit dunklerer Haut – mein Vater wurde in Indien geboren – sage, dass ich "Schreckenberg" heiße. Dieser kurze Moment der Verwirrung ist einfach witzig.

So bleiben wir jetzt einfach erst einmal bei unserem Mädchen- beziehungsweise Jungennamen. Im Freundeskreis werden wir zwar manchmal gefragt, warum wir das so machen – aber nach einer kurzen Erklärung verstehen das alle.

Es ist völliger Quatsch, dass die Frau den Nachnamen des Mannes annehmen muss, nur weil es immer so war. Hätte ich das von meiner Freundin gefordert, hätte sie mir berechtigterweise den Vogel gezeigt. Unsere Kinder werden dann bestimmt ihren Namen tragen, da bin ich völlig uneitel. 

Namensrecht – welchen Namen kann man bei der Hochzeit annehmen?

Ehegatten können nach der Hochzeit den Geburtsnamen des Mannes oder den Geburtsnamen der Frau annehmen. Bestimmen sie keinen gemeinsamen Ehenamen, behalten sie ihre jeweiligen Nachnamen – das ließe sich auch später noch ändern. 

Der Ehepartner, dessen Geburtsname nicht Ehename wird, kann außerdem seinen Geburtsnamen oder den bisherigen Namen voranstellen oder anfügen. Besteht der Name eines Ehegatten aus mehreren Namen, so kann nur einer dieser Namen hinzugefügt werden. 

Und was ist mit den Kindern? Eheliche Kinder erhalten den Ehenamen der Eltern als Geburtsnamen. Gibt es keine Ehenamen, bestimmen die Eltern gegenüber dem Standesbeamten den Namen, den der Vater oder den die Mutter zur Zeit führt, zum Geburtsnamen.

Mehr über das Namensrecht bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Julia, 31, aus Mainz, hat den Namen ihres Mannes angenommen.

Für mich war immer klar, dass ich mal den Namen meines Mannes annehmen werde. Ich wurde eher konservativ erzogen und habe schon früh beschlossen, dass Familie für mich das wichtigste im Leben ist. 

Der Name steht für das Gefühl einer neuen Etappe. Ich habe nie gedacht, damit etwas aufzugeben. Im Gegenteil: Ich bin stolz auf meinen neuen Namen, denn ich habe damit eine Familie hinzu gewonnen.

Der Name bedeutet für mich, dass wir zusammen gehören und ich will, dass alle das auch sehen können.

Klar, hätten wir auch meinen Namen wählen können. Aber auf die Idee bin ich gar nicht gekommen, weil das klassische Modell für mich schon immer feststand. Mit Blick auf die Vergangenheit wirkt das Prinzip vielleicht altmodisch und irgendwie auch patriarchalisch, ja.

Ich bin auch wirklich dankbar, dass sich in der Vergangenheit so viele Frauen für unsere Rechte eingesetzt haben. Ohne diese starken Menschen könnten ich heute nicht so frei leben. Aber genau so sehe ich auch die Wahl des Nachnamens: als Freiheit, mich zu entscheiden.

Annkathrin, 31, aus München, hat ihren Namen behalten – ihr Mann seinen auch.

Mein Mann ist Spanier, daher ging es uns bei der Namensfrage vor allem darum: Wo wollen wir später leben? Wir gingen erstmal von Deutschland aus. Mein Mann hat einen spanischen Doppelnamen, eher sperrig. Er bot an, meinen anzunehmen. Aber das wollte ich irgendwie nicht. Er verliert damit ja ein Stück spanische Identität, die mir auch wichtig ist. 

Vielleicht fand ich es auch ein bisschen unmännlich, obwohl ich mich kaum traue, das zu sagen. Unsere Rollen waren im klassischen Sinn ohnehin vertauscht: Er war mit mir nach Deutschland gekommen, lernte die Sprache, suchte einen Job. Ich ging zur Arbeit, machte Karriere. Er hat sich da schon erstmal zurückgewiesen gefühlt.

Seinen Namen habe ich aber nicht aus feministischen Gründen abgelehnt. Der Gedanke kam mir ehrlich gesagt nicht. 

In Spanien tragen nur Geschwister den gleichen Doppelnamen. Er wird aus den jeweils ersten Nachnamen der Mutter und des Vaters zusammengesetzt, bei einer Heirat behalten beide Partner ihre und die Kinder bekommen einen neuen Doppelnamen. Ich wollte nicht, dass Leute in Spanien denken, er sei mein Bruder. 

Mein Mann und ich haben aber unabhängig davon entschieden: Für unser Gefühl brauchen wir keinen gemeinsamen Namen. Jeder hat seinen behalten. Glücklicherweise löst das spanische Namensrecht auch die Frage nach den Kindern: Ihnen können wir dann einen Doppelnamen geben.

Peter*, 32, aus Mainz, hat den Namen seiner Frau angenommen.

Dein Umfeld, deine ganze Sozialisation, alles zielt darauf ab, dass der Mann seinen Namen behält. Irgendwann ist mir aber klar geworden, dass mir mein Nachname völlig egal ist. Ist doch nur ein Name. Meiner Frau war er wichtiger als mir. Sie möchte nicht, dass der Familienname ausstirbt. Also haben wir eben ihren genommen.

Ich hab dann gesagt, dass ich im Gegenzug will, dass unsere zukünftigen Kinder katholisch getauft werden. Religion ist mir zwar nicht so wichtig, aber ich dachte mir, hier kann meine Frau dann ja auf mich zukommen. 

Natürlich musste ich mir auch typische Männersprüche anhören. Die sind allerdings nicht zitierfähig. Waren auch nur Scherze. Außerdem habe ich im Freundeskreis schon drei Männer, die auch ihre Namen abgegeben haben. 

Auf jeden Fall ist es mega anstrengend, seinen Namen überall zu ändern. Ausweis, Reisepass, puh.

Herr Pfeiffer, bald Herr Ottenhues hat um seinen Namen gezockt – und verloren.

(Bild: Privat)

Wir haben einfach Schnick-Schnack-Schnuck gespielt. Das Duell zog sich mehrere Monate hin, lange lag ich 2:0 in Führung, dann gab es den Ausgleich irgendwann im Herbst letzten Jahres. Vor der Finalrunde haben wir uns lange gefürchtet, hatten einfach Schiss.

Am 2. Januar hatten wir dann den Anmeldetermin beim Standesamt und mussten uns vorher entscheiden, sprich zu Ende spielen. Am Silvesterabend war es dann soweit. Sie hatte Schere und ich Papier. Was für eine Niederlage.

Sie hatte Schere und ich Papier. Was für eine Niederlage.
Herr Pfeiffer, bald Ottenhues

Richtig aufgeben wollte den Nachnamen keiner von uns, es gab lange Strichlisten mit Pro und Contra-Argumenten. Mein Nachname kommt recht häufig vor, hat aber einen Wiedererkennungswert. Ich bin Arzt und trage auch einen Doktortitel. Viele Patienten fühlten sich an Dr. Pfeiffer aus der "Feuerzangenbowle" erinnert.

Das Argument meiner Freundin war Individualität. Ich habe dagegen gehalten, dass niemand den Namen richtig schreiben kann. Selbst Freunde, die ihren Namen befürwortet haben, schreiben ihn auf Postkarten teilweise falsch. 

Meinen Nachnamen habe ich übrigens von meiner Mutter, mein Vater hat seinen behalten. Als ich mit ihm zu zweit gereist bin, hat das an der Grenze auch schon mal zu Verwirrung geführt. Deshalb haben meine Freundin und ich auch beschlossen, dass wenn wir mal Kinder haben, sie unseren gemeinsamen Namen tragen sollten.

Henriette, 31, hat den Namen ihres Mannes angenommen und ihn damit überrascht. 

Ich habe mich sehr spontan entschieden, meinen Namen zu wechseln. Ich fand es komisch, verheiratet zu sein, ohne einen gemeinsamen Namen zu tragen. 

Es ist mir schwergefallen, weil ein Name natürlich auch Identität stiftet und mich mit meiner Familie verbindet. Aber wenn man schon heiratet, dann sollte auch der Name gleich sein – das ist meine Meinung. So zeigt man auch nach außen, dass man zueinander gehört. 

Das bedeutet aber nicht, dass die Frau den Namen vom Mann annehmen muss. 

Ich fühle mich auch mit neuem Namen weiterhin mit meiner Familie verbunden und ebenfalls mit meinen Mann. Den habe ich übrigens mit dem Namenswechsel erst beim Standesamt überrascht. Er dachte die ganze Zeit ich würde meinen Namen behalten.

Das war wahrscheinlich das schönste Hochzeitsgeschenk, dass ich ihm machen konnte.

Gerechtigkeit

Was junge Polen über das umstrittene "Holocaust-Gesetz" denken
"Es hat nur einen Skandal provoziert"

"Polnische Todeslager", so dürfen Polen NS-Konzentrationslager ab dem 1.3.2018 nicht mehr bezeichnen. Denn heute tritt in dem Land das umstrittene "Holocaust-Gesetz" in Kraft. Es geht in dem Gesetz aber nicht bloß um solche Formulierungen: Wer dem polnischen Volk oder Staat eine Mitschuld an Nazi-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg unterstellt, soll demnach bestraft werden, mit Geldstrafen oder bis zu drei Jahren Gefängnis. (SPIEGEL ONLINE

Das Problem: Das Gesetz verfestigt damit ein Geschichtsbild, wonach Polen im Zweiten Weltkrieg ausschließlich Opfer war (faz.net). Historiker und Überlebende widersprechen: Auch Polen haben im Krieg mit Nazis zusammengearbeitet, sagen sie, auch Polen haben im Zweiten Weltkrieg Juden ermordet. (DER SPIEGEL, MDR, Deutschlandfunk

Deswegen haben Israel, die USA, die Europäische Union und auch Holocaust-Überlebende das Gesetz kritisiert. Israel wirft Polen vor, die Geschichte beschönigen zu wollen. Zudem greife Polen so die Meinungsfreiheit an, auch wenn Kunst und Wissenschaft von der Regelung ausgenommen sind. (Zeit Online) Immerhin: Um sicherzugehen, dass das Gesetz nicht die Meinungsfreiheit einschränkt, hat Präsident Andrzej Duda angekündigt, es dem Verfassungsgericht vorzulegen. (SPIEGEL ONLINE)