Es ist leider oft im Leben so, dass wir einige Dinge erst dann so richtig zu schätzen wissen, wenn sie weg sind. Oder wenn wir weg sind – wie im Falle unserer Heimatstadt.

Vielleicht mussten wir in der Jugend mit der Familie wegziehen, fanden das damals aber gar nicht schlimm. Neue Schule, neue Wohnung? Aufregend! Oder wir entschieden uns später selbst dafür, wegzuziehen: für die Ausbildung, das Studium, den Job. Wir wollten Neues erleben, neue Menschen kennenlernen. Wir waren froh, endlich rauszukommen.

Und dann saßen wir da, wohnten, arbeiteten, lebten in der neuen, tollen Stadt. Hörten beiläufig, wie jemand etwas Schlechtes über unsere Heimat sagte. Wir spürten das Bedürfnis, uns zu verteidigen. Wir hörten jemanden mit dem gleichen Dialekt sprechen und bekamen plötzlich Heimweh. Wir vermissten das heimische Bier, die Natur. 

Und merkten plötzlich: Mit etwas Abstand haben wir unsere Heimat erst so richtig lieben gelernt. 

(Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Susan fehlen die Berge und Bratwurst im richtigen Brötchen.

Mein Heimatdorf im fränkischen Baden-Württemberg hat knapp 800 Einwohnerinnen und Einwohner. Nachdem ich viele Jahre im – immer noch beschaulichen – Würzburg gelebt habe, bin ich schließlich nach Hamburg gezogen. Und erst jetzt merke ich, wie viel mir meine Heimat wirklich bedeutet. 

Seit ich in Hamburg lebe, vermisse ich die Stille, die Natur vor der Haustür, die Weinfeste, Bratwurst im richtigen Brötchen – und die Berge. Natürlich sind es keine Alpen, aber zum Spazieren gehen oder zum Wandern sind sie perfekt. 

Immer wieder höre ich Menschen sagen, in Norddeutschland könne man so weit gucken und dass man sich durch das flache Land frei fühlen würde. Das finde ich nicht. Außerhalb der Stadt sehe ich immer nur die nächste Baumreihe. In meiner Heimat bietet sich die Landschaft regelrecht dem suchenden Blick an, es erhebt sich in alle Richtungen etwas Neues und ich frage mich immer, wie es gerade dahinter aussieht. Auf einem Berg zu stehen und mich umzusehen und hinunterzublicken, das ist Freiheit für mich. Ein Gefühl, dass mir hier im Norden fehlt. 

Vielleicht würde ich irgendwann wieder in diese Gegend ziehen. Aber fürs erste bleibe ich in der norddeutschen Großstadt zu Hause. Denn ich habe Hamburg mittlerweile lieben gelernt. Und vielleicht gehört diese kleine Zerrissenheit auch irgendwie zum Erwachsen-Sein dazu. 

(Bild: Friso Gentsch/dpa)

Käthe vermisst die Sparrenburg und die weltoffenen Ostwestfalen.

Dass es Bielefeld nicht gibt, hörte ich zum ersten Mal mit 20. Ich war gerade Praktikantin in einer Hamburger Agentur. Die Bielefeld-Verschwörung war mir neu. Wie konnte das passieren? Weil man aus der Ferne seine Heimat noch einmal ganz anders kennenlernt.

Du triffst auf Menschen, die noch nie in deiner Region waren – und trotzdem ein ganz genaues Bild davon im Kopf haben. 

Von Bielefeld eben weiß man nicht viel, außer dass es das nicht gibt und Arminia Bielefeld schlechten Fußball spielt. Beides stimmt so nicht. 

Ich komme nicht direkt aus Bielefeld, aber einem Ort direkt nebenan. Wer aus der Gegend kommt, weiß, man fühlt sich eh als Ostwestfale und Bielefeld ist da nun mal das Zentrum. Wenn jemand meine Heimat kritisiert, gehe ich automatisch in eine Verteidigungshaltung – und werde zu einem Patrioten, der ich vorher gar nicht war. 

Bielefeld ist zwar nicht weit vom Ruhrpott entfernt, aber nein, es ist trotzdem nicht trist und grau. Laufe an einem sonnigen Tag auf die Sparrenburg und du wirst sehen, wie rundherum alles glitzert und funkelt. Ostwestfalen sind weltoffene Menschen, bei so vielen ansässigen Weltkonzernen kein Wunder. Es gibt so viel Grün, du kannst herrlich wandern gehen, Rad fahren, joggen (Schon mal vom Hermannslauf gehört?). Hach, einfach herrlich. Ich könnte ewig so weitermachen.

(Bild: Carmen Jaspersen/dpa)

Korinna fehlen die Schlachtetreppen und anständige Kohlfahrten. 

Solange ich noch in Bremen wohnte, war mir die Städtefeindschaft zwischen Bremen und Hamburg gar nicht bewusst. Ich bin kein Fußballfan und die Stadt Hamburg war eigentlich nie ein großes Gesprächsthema. Dann fand ich nach dem Studium meinen ersten Job "im Feindesgebiet". 

Ich mochte Bremen immer, aber nach 26 Jahren dort "und Umzu" (aufgewachsen bin ich nämlich eigentlich in Niedersachsen), war es auch in Ordnung, mal etwas Neues kennenzulernen. Ich zog nach Hamburg. 

Die Stadt fand ich toll – aber da war eben auch diese Städtefeindschaft. Plötzlich rümpften Menschen – vor allem Männer – die Nase, wenn ich sagte, dass ich aus Bremen komme. "Oh, die verbotene Stadt" und "Sei froh, dass du es raus geschafft hast". Bremen sei ja so schmutzig und hässlich – hörte ich von Menschen, die, wenn man genauer nachfragt, dann doch zugaben, dass sie Bremen bisher nur einmal mit der Straßenbahn durchs Industriegebiet durchquert hatten. 

Mich ärgerte das. Was fällt denen ein, so über meine Stadt zu reden? Saßen die schon mal an einem lauen Sommerabend mit einem Wein und den besten Freunden auf den Schlachtetreppen und haben den vorbeifahrenden Schiffen auf der Weser zugesehen? Haben die schon mal eine anständige Kohlfahrt mitgemacht? Haben die schon mal wild im "Modernes" getanzt bis die Luft augeheizt war und dann gesehen, wie die Decke aufgeht, frische Luft rein kommt und man zwischendurch den Sternenhimmel sieht? Einen Poetry Slam im Schlachthof besucht (der übrigens – obwohl fast die gleichen Leute wie in Hamburg auftreten – viel weniger Eintritt kostet)?

Immer wieder fühlte ich mich in die Verteidigungsrolle gedrängt, kämpfte für "mein Bremen". 

Je mehr ich das tat, desto lieber hatte ich "mein Bremen". Und erst Recht "meine Bremerinnen und Bremer" – denn vor denen musste ich mich eben nie für irgendetwas verteidigen. 

(Bild: Britta Pedersen dpa/lbn)

Moritz vermisste die Späti-Instantnudeln und den Bolzplatz eine Station weiter. 

Berlin, du bist so wunderbar! Das habe ich allerdings erst verstanden, als ich schon weit weg im hohen Norden wohnte. 

Ich zog mit 12 aus Berlin weg. Damals nahm ich nicht so richtig wahr, wie viel mir diese Stadt gab. Egal ob in Prenzlauer Berg oder in Schöneberg, langweilig war mir nie. 

Woran das lag, merkte ich erst, als ich das erste Mal so richtig auf’s Dorf zog: Ritterhude im Bremer Umland. Mal eben eine U-Bahn-Station weiter zum Bolzplatz fahren? Ging plötzlich nicht mehr. Auf dem Rückweg beim Späti Instantnudeln kaufen und vernaschen, ohne sie kochen zu müssen? Gab’s auch nicht mehr. 

Klar, das Dorfleben hatte auch seine Vorteile. Aber es waren eben vor allem die kleinen Vorzüge der Großstadt, die ich damals vermisste. 

Auch heute denke ich noch viel an Berlin. Bremen – da lebe ich jetzt – ist auch sehr schön. Aber meine Interessen haben sich verändert und im Vergleich zu Berlin ist Bremen immer noch ein großes Dorf (sorry, Korinna!).

Heute höre ich: Berlin soll die besten Partys haben, von Freitag bis Montag. Kater Blau, Sisyphos, Berghain. Sind die Partys da wirklich so krass? Ich weiß es nicht. Aber irgendwann ist es so weit und die Hauptstadt hat mich (dauerhaft) wieder. Dann werde ich es herausfinden.

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Streaming

Schlechte Serie auf Netflix gesehen? So löschst du das nervige "Weiterschauen"

Netflix verzeiht dir nicht so einfach, wenn du einen Fehler machst. Du klickst auf einen Film und merkst schon nach zehn Minuten: Der wird so richtig schlecht. Oder du beginnst die neue angesagte Serie und spürst nach der ersten Folge: Das wird nichts mit uns.

Aber was macht Netflix? Es hält die unfertigen Filme und Serien in deiner "Weiterschauen"-Liste. Und schlimmer noch, es will dir mehr davon anbieten. "Weil sie 'Schlechter Film' gesehen haben", steht dann da – und es folgt eine Auswahl mit weiteren Filmen, die du sicher nicht anklicken willst.

Kann ich angefangene Serien und Filme auf Netflix aus der "Weiterschauen"-Liste löschen? 

Ja, es gibt einen Trick.

So geht es Schritt für Schritt:

  1. Klick oben rechts auf dein Profil-Icon und wähle im Menü den Punkt "Konto".
  2. Scrolle in den Konto-Einstellungen nach unten und klicken auf den Punkt "Titelverlauf".
  3. Nun siehst du eine Liste mit all deinen angeschauten Filmen und Serien. Immer rechts neben dem einzelnen Titel ist ein kleines Löschen-Symbol ø.