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er schwanger ist, soll in den kommenden Monaten gewisse Gebiete in Deutschland meiden. Vor allem: Bayern, Hessen, Berlin und die deutsche Küste. Das sagt zumindest die Berliner Elterninitiative "Mother Hood".

Eine entsprechende "Reisewarnung" hat sie auf ihrer Website veröffentlicht:

(Bild: Mother Hood)
Der Verein warnt nicht etwa vor Krankheitserregern, Zecken oder vorm Klima – er warnt, dass in den Regionen zu wenige Hebammen im Einsatz sein werden.

Aber ist des wirklich so schlimm? Wir haben mit dem Deutschen Hebammenverband und der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft gesprochen. 

Die schnelle Einschätzung: Ja, Schwangere können in vielen Regionen nur schlecht betreut werden. Aber nein, die Karte stimmt so nicht.

  • In Deutschland gibt es zu wenige Hebammen. 2016 waren es etwa 20.000 freiberufliche Hebammen (Hebammenverband).
  • Einige von ihnen, sogenannte Beleghebammen, werden von Krankenhäusern engagiert. 
  • Der Verein "Mother Hood" warnt nun: Zur Urlaubszeit wird der Mangel noch einmal deutlicher. Schließlich verreisen auch Geburtshelferinnen.
  • Zudem gibt es in vielen Regionen auch keine Kreißsäle mehr –  seit 2004 hat sich die Zahl der Krankenhäuser mit Entbindungsabteilungen von 952 auf 709 reduziert (DKG).
  • Vielerorts wäre man also auf Hebammen angewiesen, weil der Weg zu einem ausgestatteten Krankenhaus zu lange dauert.

"Mother Hood"-Sprecherin Katharina Desery sagt: "Schwangere Frauen sollten sich gut überlegen, welche Gebiete innerhalb Deutschlands sie für ihren Urlaub wählen." 


Carola ist Hebamme. Hier erzählt sie, warum sie den Job lieber macht, als Lehrerin zu seien:
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Viele Krankenhäuser seien überfordert: In Großstädten wie Berlin oder München würden viele Kliniken Geburten ohne vorherige Anmeldung nicht mehr annehmen. Frauen würden angeblich unter Wehen vor den Kreißsälen abgewiesen und müssen zum nächsten Kreißsaal fahren. 

In anderen Gebieten gebe es gar keine Versorgung. "Wer hochschwanger nach Sylt fährt, riskiert, sein Kind im Autozug Richtung Festland zu bekommen", behauptet Desery.

Die Reisewarnung ist schwierig

Robert Manu vom Deutschen Hebammenverband sagt, die Lage ist nicht neu. "Es gibt schon lange einen prinzipiellen Hebammenmangel, aber der hat mit der Urlaubszeit nichts zu tun." Die Karte mit den Reisewarnungen halte er für "schwierig" – schon allein, weil es gar keine offiziellen Erhebungen gebe, wo wie viele Hebammen arbeiten und Kreißsäle existieren. 

Der Hebammenverband hat selbst eine ähnliche Karte. Auf ihr können Schwangere eintragen, wo sie beim Finden einer Hebamme gescheitert sind. 

Das Bild hier: Vor allem nahe Großstädten und Ballungsgebieten gibt es zu wenig Hebammen.
Warum ist die Lage so kritisch?

Der Beruf Hebamme lohnt sich kaum noch: Er ist schlecht bezahlt und sehr anstrengend. 

Dahinter steckt unter anderem ein aktueller Rechtsstreit: Krankenkassen wollen durchsetzen, dass Hebammen künftig nur noch zwei Frauen gleichzeitig betreuen. Für jede weitere Kundin gibt es von den Krankenkassen kein Geld mehr. (Deutschlandfunk)

Aber stimmt es, dass Krankenhäuser Schwangere nicht ohne Anmeldung annehmen?

Ja und nein. Es gebe immer weniger Entbindungsstationen, warnt Holger Mages von der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft DKG, das sei vor allem ein Finanzierungsproblem. So könne es tatsächlich sein, dass an Orten wie Sylt oder im Alpenvorland nicht jeder Schwangeren gleich geholfen werde. "Engpässe in gewissen Regionen gibt es", sagt Mages.

Eine Reisewarnung wie sie "Mother Hood" ausspricht, hält er dennoch für stark übertrieben: 

"Eine flächendeckende Versorgung für Schwangere ist gewährleistet."

Auch den Vorwurf, dass viele Krankenhäuser Schwangeren nicht ohne Anmeldung helfen würden, kann Mages nicht verstehen. Die "Morgenpost" berichtet von vielen Berliner Krankenhäusern, in denen sich Frauen sechs Monate vor dem errechneten Entbindungstermin anmelden müssen. Wer sich nicht bewirbt, laufe Gefahr, weggeschickt zu werden.

Das stimme so nicht, sagt Mages. Geburtstermine im Voraus anzumelden mache zwar Sinn, werde aber von Krankenhäusern nicht gefordert. Denn: "Notfälle werden immer behandelt."

Was bedeutet das? Hebammen werden in Deutschland immer seltener. Eine plötzliche "Reisegefahr" für Schwangere besteht jedoch nicht.
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