Sieben Fans erzählen.

Wir haben mit ihnen gelitten, geliebt, gezittert: Harry, Ron und Hermine sind für viele aus unserer Generation mehr als nur Buchcharaktere. Sie sind Wegbegleiter beim Erwachsenwerden – und das nun schon seit 20 Jahren.

Ja, richtig gelesen! 

Am 31. August 1998, kam die deutsche Übersetzung von "Harry Potter und der Stein der Weisen" heraus. Ein Jahr zuvor war das Buch in England erschienen. Zunächst war es einfach nur eine von vielen unterhaltsamen (und etwas gehypten) Neuerscheinungen. Damals hatten wir alle noch keine Ahnung, in welchen Strudel der Gefühle uns das erste Potterbuch ziehen würde – und dass wir ab diesem Zeitpunkt sehnsüchtig auf unseren Hogwarts-Brief warten würden.

Wir sagen "Happy Birthday, Harry!" und haben ein paar echte Fans gefragt, was die Bücher für sie bedeuten.

Julia, 27, aus Kiel 

(Bild: privat)

"Alles fing in der Schule an, als unsere Lehrerin wollte, dass wir 'Harry Potter und der Stein der Weisen' lesen. Voll ätzend! Oder doch nicht? 

Damals wurde ich mit dem Potter-Virus infiziert: Ganz langsam und schleichend breitete er sich aus und erreichte schon bald mein Herz. Jetzt, mit 27 Jahren, lautet die Diagnose: Hoffnungslos und unheilbar! 

Harry und ich sind nicht mehr zu trennen.

Zum Glück habe ich eine ältere Schwester, die diesen Wahnsinn mit mir teilt. Jedes Mal,  wenn wir uns gegenseitig besuchen, steht ein Harry-Potter-Marathon an. Andere lassen sich ein brennendes Herz auf den Leib tätowieren – wir die Heiligtümer des Todes. 

Wir lieben es einfach, in eine andere, wunderbare Welt voller Magie und wundervoller Dingen zu flüchten. Wobei: Flüchten kann man es kaum nennen, wenn es diese Welt doch wirklich gibt! Sie ist für die meisten Muggel halt nur nicht sichtbar. 

Letztes Jahr war es dann endlich soweit: Unser Hogwarts-Brief kam an! Und so flogen wir dieses Jahr im Mai nach London zum Gleis 9 3/4 und fuhren mit dem Express nach Hogwarts. Es war alles, was wir uns erträumten und noch so viel mehr. Und das Butterbier war auch ganz okay. 

I solemnly swear that I’m up to no good. Always! Juli."

Warum die Fans von Harry Potter echt die besten sind:

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Lisa, 29, aus Hamburg

Lisa (rechts) mit ihrer Frau(Bild: Christine Havill)

"Als ich mit 15 Jahren mein Auslandsjahr plante, war sofort klar: Es geht nach England, weil Harry Potter da lebt. Eine spontane Entscheidung mit großen Folgen!

Ich lernte schnell, dass viele Eigenarten der Zauberer, Hexen und Muggel in den Büchern eigentlich nur die Eigenarten der Briten sind. Galleonen, Sickel und Knuts sind komisch? Habt ihr schon mal versucht, etwas in Stones, Yards oder Gallons zu messen?

Aber durch Harry Potter war ich auf sowas vorbereitet.

Als ich später an der Cambridge Universität studierte, merkte ich: Dort ist es ein bisschen wie in Hogwarts. Man gehört zu einem der verschiedenen Häuser, man isst seine Mahlzeiten in der großen Halle und man trägt auch öfters mal seinen Umhang. 

Meine Frau, Cami, und ich haben uns auf einem Harry-Potter-Roller-Derby kennengelernt. Für unsere Hochzeit hat sie sogar Papierblumen aus einem Potter-Buch gemacht. Wenn ihr genau hinguckt, könnt Ihr vielleicht raten, welches Buch wir benutzt haben!"

Clara, 21, aus Berlin

(Bild: privat)

"Ich habe als Zehnjährige das erste Harry-Potter-Buch gelesen. Und ab da hat Harry mein Leben sehr beeinflusst. 

Als ich elf wurde, wünschte ich mir wie jedes Kind, dass ein Brief von Hogwarts ins Haus flattert und mich als neue Zauberschülerin Willkommen heißt. Meine große Schwester hat sogar an Hogwarts geschrieben – aber leider bis heute keine Antwort bekommen. 

Harry Potter hat mir über die Jahre viel Kraft gegeben. Und das Gefühl, dass es okay ist, anders zu sein. Ich bin gehörlos und habe mich früher oft einsam gefühlt. Doch immer, wenn ich die Bücher wieder las, fühlte ich mich besser."

Chiara, 19, aus Wetzlar

(Bild: privat)

"Ich bin mit Harry Potter aufgewachsen. In der Grundschule las ich das erste Buch – und war sofort süchtig. Ich habe sogar von Harry Potter und seiner Welt geträumt. Ich liebe die Figur des Severus Snape und natürlich Hermine Granger. Die Charaktere lehren einen so viel über Mut, wahre Liebe, Ehrgeiz und Freundschaft.

Band 5 und 6 habe ich an einem Wochenende durchgelesen, ich habe sie nicht aus der Hand gelegt. Als der siebte Band rauskam, stellte meine Mutter die Regel auf, dass mein jüngerer Bruder das Buch vor mir lesen solle. Sie wollte ihn zum Lesen motivieren. Also habe ich es ihm vorgelesen, um nicht warten zu müssen. Meine Mutter sagt, ich habe damals so schnell vorgelesen, dass man kaum etwas verstehen konnte.

Den siebten Band habe ich immer und immer wieder gelesen. Meine beste Freundin zieht mich immer noch damit auf, dass sie auf dem Schulweg aufpassen musste, dass ich nicht gegen Straßenlaternen lief, weil ich die Nase nicht aus meinen Büchern lassen konnte.

Wenn ich meine Lieblingsszene, die Konfrontation Dumbledores durch Snape im letzten Teil sehe oder lese, muss ich noch immer weinen."

Lisi, 25, aus Hamburg

(Bild: privat)

"Um es mit Voldemorts Worten zu sagen: Harry Potter ist meine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

In der Geschichte stecken unglaublich viele Kindheitserinnerungen. Ich weiß noch, wie wir in der Schule ganz aufgeregt darüber geredet haben, dass Harry am Anfang des fünften Buchs von Dementoren angegriffen wurde. Oder wie traurig wir zusammen waren, als Sirius gestorben ist.

Es gibt fast keinen Tag, an dem ich nicht wenigsten ein paar Minuten ein Harry-Potter-Hörbuch höre. Die Geschichte begleitet mich jeden Tag und bei jedem Hören fallen mir neue Details auf. Ich werde einfach nicht müde davon, in diese Welt einzutauchen. Das ist für mich wie nach Hause kommen.

Mein absoluter Lieblingscharakter ist Hermine. Sie ist sehr intelligent – klar, manchmal auch etwas besserwisserisch – und hat ein gutes Herz. Sie ist sehr gesellschaftskritisch und versucht, Dinge zu verändern. Hermine nimmt es nicht hin, dass die Zauberwelt so ist, wie sie ist, sondern sie versucht, sie aktiv zu gestalten. Gerade heute ist es wichtig, Vorbilder zu haben, die einem zeigen, dass man sich nicht alles bieten lassen muss.

Überhaupt haben mich die Frauen aus dem Buch sehr geprägt. Die starke und strenge McGonagall, Mrs. Weasley, die sieben Kinder großgezogen hat, oder auch Luna Lovegood, die immer ihr Ding macht, egal, wie komisch andere das finden. Ich habe durch diese Figuren gelernt, dass es wichtig ist zu wissen, was man kann und keine Angst haben sollte, das auch zu zeigen."

Malena, 15, aus Dresden

(Bild: privat)

"Harry Potter ist für mein Leben ein sehr starker Bezugspunkt. Es wird einfach alles angesprochen: normale Alltagsprobleme (Streit mit Freunden, Schulstress oder Eifersucht) aber auch tiefgehende politische und gesellschaftliche Probleme (Vorurteile, Gleichberechtigung, Gewalt, Rassismus). 

Ganz nebenbei wird auch noch Stilberatung geboten: Durch Rons Horror-Outfits wissen wir alle, was man auf gar keinen Fall zu einem Weihnachtsball anziehen sollte."

Kathi, 19, aus Hannover

(Bild: privat)

"Seit meinem elften Geburtstag warte ich auf den Brief aus Hogwarts – er hat inzwischen acht Jahre Verspätung. Doch auch wenn ich noch nicht offiziell in Harrys Welt eingeladen wurde, begegnen mir fast täglich Situationen, die er und seine Freunde durchgemacht haben. 

Dass mein Hang zum Klugscheißen nichts Schlimmes ist, auch wenn das nicht alle so sehen, hat mir Hermine gezeigt. Als ich nach dem Abitur für ein Auslandsjahr nach Israel ging – für mich eine ganz neue Welt – hatte ich Harry im Hinterkopf, der Trotz der Zweifel und Ängste bei seiner Einschulung in Hogwarts alles gemeistert hat. Und ich hatte ihn nicht nur im Hinterkopf: 'Harry Potter und der Orden des Phönix', das dickste Buch der Reihe, lag in meinem Koffer ganz oben. Und darin zu lesen ist das beste Rezept gegen Heimweh."


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