Es gibt Dinge, über die lässt sich nur schwer sprechen. Über innere Unsicherheit zum Beispiel. Darüber, dass man sich Sorgen macht vor dem, was kommt. Darüber, dass man Angst hat vor der Vergangenheit oder der Zukunft. Oder darüber, dass man irgendwie traurig ist, aber nicht weiß, woher das kommt.

Auch Hannah Daisy, 32, ging das so. Auch sie war oft grundlos traurig. Als die negativen Gefühle im Winter vor zwei Jahren immer lähmender wurden, beschloss die Künstlerin aus England, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Doch die für sie geeignete Therapie in England war teuer, erzählt sie. Weil sie dringend Geld brauchte, begann sie, ihre Kunst auf Instagram zu veröffentlichen und dann online zu verkaufen. Sie schwor sich, ihrem Kummer, ihrer Psyche und all dem, was sie beschäftigte, hier einen Platz zu geben.

So sieht es aus, wenn Hannah tief in ihre Seele schaut – und dann zeichnet:
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Hannah Daisy geht es, genau wie Cécile Dormau und anderen Instagram-Karikaturistinnen darum, zu zeigen, dass das Leben nicht nur rosig und schön ist – auch wenn das auf Instagram oft so vermittelt wird. Die Künstlerinnen machen in ihren Zeichnungen auch zum Thema, was es für sie wirklich bedeutet, eine Frau zu sein, was sie bewegt und womit sie kämpfen.

Wir haben Hannah gefragt, warum sie so offen mit etwas sehr Persönlichem umgeht.

Hannah: Manchmal scheint es so, als würden nur gesunde und glückliche Menschen aus der Welt leben. Ich möchte diesem Eindruck mit meinen Zeichnungen etwas entgegensetzen. Mich beschäftigt es sehr, dass manche Gruppen nicht gehört werden. Das gilt nicht nur für Menschen mit einer psychischen Krankheit, auch queeren Menschen geht es so, Menschen mit anderer Hautfarbe als Weiß und vielen Frauen.

All das zeichne ich, obwohl ich genau weiß, dass ich als privilegierte, weiße Frau diese Gruppen nicht unbedingt repräsentiere. Aber ich kann einen Beitrag leisten, diesen Menschen ein Gesicht zu geben.

Was erhoffst du dir davon?

Ich möchte ein Gespräch anstoßen. Ich möchte Menschen dazu ermutigen, ehrlich über sich selbst zu sprechen und über das, was sie im Innersten bewegt. Ich wünsche mir eine neue Diskussion über die Lebensrealität von Menschen mit einer psychischen Krankheit und eine Diskussion über den Zugang zu Therapien, der nicht selbstverständlich ist.

Für wen zeichnest du?

Ich zeichne für alle Menschen, die meine Kunst sehen wollen. Vor allem aber zeichne ich für diejenigen, die vielleicht nicht in Galerien unterwegs sind oder gar nicht die Möglichkeit haben, einen Zugang zu Kunst zu finden.

Instagram ist deshalb ein wunderbarer Ort, weil ich die Menschen hier unmittelbar erreiche, mitten in ihrem Alltag. Und weil ich hier genauso unmittelbar ihr Feedback erhalte.


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