Chips für Frauen, rosa Überraschungseier und Mädelsabende im Kino: Produkte und Dienstleistungen in zwei Geschlechter zu unterteilen, finde ich ziemlich überholt. Trotzdem habe ich mich für eine Ladies Night im Baumarkt angemeldet.

In meiner WG repariere ich schon mal kaputte Duschschläuche oder Lampen. Bei manchen Dingen bin ich allerdings überfragt. Ein Handwerkskurs kann also nicht schaden. Dennoch bin ich vorher überwiegend skeptisch.

Auf der Website wirbt der Baumarkt mit lachenden Frauen, die neben den Farbpinseln auch Sekt in der Hand halten. 

Ich frage mich, ob die Veranstaltung noch mehr Klischees bedienen wird: Wenn Frauen angeblich Sekt zum Arbeiten brauchen, benutzen sie dann auch nur pinkes Werkzeug und tragen enge Latzhosen? Vor allem aber frage ich mich: War der Feminismus nicht schon mal weiter? Schließlich leben wir inzwischen in einer Welt, in der Vereine nicht ausschließlich Männer aufnehmen dürfen und Frauen Darts-Duelle gewinnen.

Im Baumarkt gibt es tatsächlich einen langen Tisch mit Sektgläsern, Orangensaft und Schnittchen. Als unsere Kursleiter vorgestellt werden, fühle ich mich bestätigt: Die vier Kurse werden nur von Männern geleitet. Die weiblichen Mitarbeiterinnen sind für Buffet und Getränke zuständig.

Den Ärger darüber schlucke ich herunter und folge den anderen rund 20 Teilnehmerinnen von "Bohren und Dübeln." Die meisten Frauen haben sich für diesen Kurs entschieden.  Wir setzen uns auf Bierbänke, hinter uns hängen Schleifpapier und Holzdübel, im Hintergrund läuft Chartsmusik. 

Unser Kursleiter Michael räumt zu Beginn erst mal mit Vorurteilen auf: Beim Bohren komme es nicht auf die Kraft an, sondern auf die Technik. Und die können sowohl Männer als auch Frauen lernen. Er erklärt uns die unterschiedlichen Modelle von Bohrmaschinen, reicht sie herum. Eine Teilnehmerin teilt ihr neues Wissen direkt auf Instagram. Nach der kurzen Einführung dürfen wir dann nach und nach in einen zentimeterdicken Betonblock bohren.

Es staubt und stinkt. Und meine Ohren surren. Nicht nur vom Lärm des Bohrers, sondern auch von den Fragen, die die Frauen stellen.

Denn von denen gibt es viele. Vor einer zu grundlegenden Frage scheint niemand Angst zu haben. Manchmal antwortet auch jemand anderes aus der Gruppe, bevor Michael zu sprechen beginnt. "Gibt's den Bohrer auch in pink?", fragt eine Teilnehmerin. Ich nehme an, dass es ein Witz ist. Immer wieder wird gelacht und über die eigenen Erfahrungen geredet.

Ich merke: Mich entspannt die Atmosphäre unter Frauen. Andere sind offensichtlich genauso unsicher wie ich. Und froh, hier Erklärungen zu bekommen, ohne belächelt zu werden.

Als ich den Bohrer zum ersten Mal in die Hand nehme, bin ich trotzdem nervös. Meine Hände schwitzen, ich habe Angst, etwas kaputt zu machen. "Lieber hier als zu Hause", ermutigt mich eine Teilnehmerin, bevor ich mich mit lautem Dröhnen durch den Beton arbeite. Der Staub fliegt mir ins Gesicht. Und als ich das Loch sehe, bin ich tatsächlich: stolz.

Mit jeder Frau, die sich durch den Klotz arbeitet, steigt das Selbstvertrauen in der Runde. Als sich die letzte Teilnehmerin durch den Betonblock bohrt, applaudieren wir alle.

Geschlechterstereotype nerven, sinnloses Gendermarketing sowieso. 

Auch nach der Erfahrung im Baumarkt möchte ich keinen pinken Bohrer. Und trotzdem muss ich einsehen: Manchmal kann Geschlechtertrennung doch ihre Vorteile haben.

Frauen wissen genauso viel wie Männer, trauen sich aber weniger zu (DER SPIEGEL). Sind Frauen unter sich, fällt es leichter, sich auszuprobieren. So wird aus der eigenen Unsicherheit Stärke, aus dem Problem eine Lösung. 

"Sie bohren, Ihr Mann hält den Staubsauger", sagt Kursleiter Michael am Ende der Veranstaltung. Er meint das als Witz. Aber tatsächlich fühle ich mich, als ob ich und die anderen Teilnehmerinnen einen kleinen Schritt Richtung Unabhängigkeit gemacht haben und weg von klassischen Rollenbildern. Den Sekt hätte ich dazu vielleicht nicht unbedingt gebraucht – die Unterstützung der anderen Frauen schon.


Trip

Weg ohne Dreck: Friesentorte statt Natas
Die Insel Amrum ist wie Sylt, nur besser.

Der Wind peitscht mir ins Gesicht, als ich die letzten Stufen zur Deichspitze in Wittdün hochsteige. Ich hätte eine Mütze mitnehmen sollen. Umdrehen will ich trotzdem nicht, denn der Ausblick, der sich mir nun bietet, ist atemberaubend: kilometerlanger Sandstrand und die glitzernde Nordsee bilden ein beeindruckendes Panorama. Die salzige und frische Luft erinnert daran, wie Luft eigentlich riechen sollte. Auto-Abgase? Fehlanzeige. 

Nur ein paar Vögel kreisen über meinem Kopf, Menschen sind keine zu sehen. Ich habe endlich meine Ruhe. 

Alles, was ich jetzt zu tun habe? Durch die Dünen wandern, die Natur bestaunen, die wilden Vögel im Naturschutzgebiet fotografieren. Vorher hole ich aber noch kurz meine Mütze. Und eventuell ein Fischbrötchen.