Bild: Christian Erfurt / Unsplash
Dann doch lieber alleine wohnen.

Gemeinsames Wohnen kann so schön sein: Zusammen Kochen, Putzen, Filmeschauen, Lernen oder stundenlanges Reden, ohne die eigenen Wände verlassen zu müssen. Kann schön sein, muss es aber nicht. Denn so machne Mitbewohnerinnen oder Mitbewohner zeigen dann doch recht schnell ihre hässlichste Seite: Jeden Beziehungsstreit bekommt man lautstark mit, morgens betritt man eine Küche, die eher einem Schlachtfeld gleicht. 

Auch unsere Redaktion hat ihre Erfahrungen mit Horror-WGs gemacht. Wir haben die besten Geschichten für Euch aufgeschrieben: 

1.Zwischen Muttersöhnchen und Hysterie

So erlebt von Dilan in Berlin. 

Während meiner Zeit in Berlin wohnte ich in einer 3er-WG. Meine Mitbewohnerin war 27, mein Mitbewohner 38. Kurz nach WG-Gründung wurden die beiden ein Paar. Was hätte schön sein können, wurde grauenhaft. Sie war unsicher und kaum beziehungserfahren, er war ein arrogantes Muttersöhnchen, der nur mit ihr zusammen war, um sich stark zu fühlen. Von Liebe war wenig zu spüren – in acht Monaten habe ich die beiden nicht einmal eine Zärtlichkeit austauschen sehen. Weil sie sehr eifersüchtig war und er mit Kälte darauf reagierte, eskalierte es zwischen den beiden ständig.

Auch an diesem einen Abend, als ich dachte: "Es reicht, ich will hier raus." Ich hatte gerade erfahren, dass ein ehemaliger Arbeitskollege gestorben war. Das schockierte mich – ich lag traurig im Bett. Da klopfte es an die Tür und meine Mitbewohnerin fragte, ob ich kurz Zeit hätte, mit ihr zu reden. Er war nicht Zuhause. Ich sagte ihr, dass es mir nicht gut gehe, weil ich gerade diese schlimme Nachricht bekommen hatte. Sie versicherte mir, dass es nicht lange dauern würde. 

Letztlich saß ich drei Stunden in der Küche und hörte ihr zu. Sie war völlig hysterisch und erzählte mir davon, dass er einer Freundin von ihr bei einer Party ein Bier gebracht hatte. Na und? Ihre Aussagen wurden irgendwann richtig absurd: Verrückt erschien mir ihre Wahrnehmung der Dinge, krankhaft ihre Handhabe damit.

Und ich fand es rücksichtslos, zumal es mir selbst nicht besonders gut ging. Nicht lange danach bin ich ausgezogen. Und er auch. Seine Mutter hatte ihm eine Eigentumswohnung gekauft – damit hatte er keine Verwendung mehr für seine Freundin. Ich frage mich heute manchmal noch, was aus den beiden geworden ist. Auf jeden Fall weiß ich eines: Mit einem Paar wohne ich nicht nochmal zusammen.

2.Das Eier-Tribunal

So erlebt von Hanna in Südafrika.

Während meines Studiums in Südafrika habe ich in einer 5er-WG gewohnt und – sagen wir es so – wir waren alle sehr unterschiedlich. Der Gipfel unserer kleinen und mittelgroßen Meinungsverschiedenheiten war eine Eier-Intervention. Es war Sonntagnachmittag, ich wollte zu einer Freundin, sie hatte Geburtstag. Also noch schnell einen Kuchen backen – nur leider hatte ich keine Eier mehr. Aufgeben? Nein! 

Ein Blick in den Kühlschrank brachte Hoffnung, denn meine Mitbewohnerin hatte eine riesige Packung gekauft. Zwölf Eier, perfekt, da kann man sich doch zwei ausleihen. Alles wunderbar, dachte ich. Als ich abends mit einer extra noch besorgten Packung Eier nach Hause kam, saßen meine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner allerdings schon im Wohnzimmer. Schweigend. Wartend. Ich rief "Hallo" in die Runde und wollte in die Küche gehen, als ich vor das Tribunal zitiert wurde.

Die fehlenden Eier waren offenbar aufgefallen und es ginge ja gar nicht, dass ich einfach "klauen" würde. Mein Einwand, dass die Eier ja nur für wenige Stunden gefehlt hatten und dass ich nicht damit gerechnet hatte, dass jemand in dieser Zeit zwölf Eier brauchen würde, wurde einstimmig abgelehnt. Seitdem waren sich alle sicher, dass ich eine Diebin sei und machten mich nicht nur für abhanden gekommene Eier, sondern auch für kaputte Zahnbürsten und fehlende Socken verantwortlich. Ich blieb nicht mehr lange in dieser WG.

3. Der Hamsterwurf

So erlebt von Christian in Hannover.*

Als mein guter Freund und Mitbewohner kurzfristig umziehen musste, brauchte ich sofort einen Nachmieter. Alleine hätte ich die 3-Zimmer-Wohnung in Uninähe auf keinen Fall bezahlen können. Da es wirklich schnell gehen musste, stellte ich eine offene Anzeige bei WG-Gesucht online und versuchte mich erst gar nicht daran, über mein Facebook-Netzwerk Mieter zu finden.

Dementsprechend komisch war die Auswahl an Leuten, die sich letztendlich auf das WG-Zimmer bewarben. Ich schaute mir einige Bewerber an, doch die einzige Person die einziehen konnte, war eine blonde Verkäuferin Mitte 20. In unserem erzwungenen Castinggespräch erzählte sie mir nach fünf Minuten komplett emotionslos, dass sie schon mal einen Hamster an die Wand geworfen hatte: "tot." 

Warum sie das erzählte? Keine Ahnung! Danach gefragt hatte ich jedenfalls nicht. Trotzdem war die Geldnot größer als meine Skepsis, und ich ließ sie bei mir einziehen. Ein ganzes Jahr lang wohnte ich mit ihr zusammen, doch die Angst um unser uraltes WG-Kaninchen wurde ich bis zum Schluss nicht los. 

4.Bei Essen endet die Freundschaft

So erlebt von Johanna in Bielefeld.*

Während eines Sommerjobs wohnte ich in einer WG, die nur aus Kunsthochschülern bestand. Die drei wollten, wie Künstler halt so sind, vieles anders machen: Zum Beispiel waren alle Lebensmittel der WG Allgemeingut. Weil ich mich nicht gleich beim Einzug als Spießerin outen wollte, ließ ich mich darauf ein. 

Doch schnell merkte ich, dass diese Regel sehr zu Ungunsten einiger weniger ausfiel. Damit meine ich: mich. Immer, wenn ich Vorräte einkaufte, waren sie spätestens nach einem Tag aufgebraucht. Wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause kam und schnell etwas snacken wollte, war mir unter Garantie jemand zuvor gekommen – und ich stand um 20 Uhr mit leerem Magen da. 

Dabei hätten die anderen drei den ganzen Tag Zeit gehabt, sich Essen zu besorgen – denn ihr Terminkalender war bis auf die abendlichen Ausstellungseröffnungen meistens ziemlich leer. Aber sie waren, na klar, ständig pleite, „und du hast ja nen Job!” Als ich eines Abends heimkam, um festzustellen, dass sich die anderen es mit einem Joint und meinem Essen am Küchentisch gemütlich gemacht hatten, zog ich meine persönliche Reißleine: 

Von nun an versteckte ich meine Lebensmittel in meinem Zimmer. Nudeln oder Konservendosen kamen zwischen meine Klamotten, was gekühlt werden musste, stelle ich nach draußen aufs Fensterbrett. Spießig? Ja, vielleicht. Aber bei Essen hört die Freundschaft auf.

5.Das traurige Ende

So erlebt von Emma in Berlin.*

Als Lara das erste Mal am Küchentisch unserer chaotischen Familien-WG saß, waren wir schockverliebt. Zum WG-Casting brachte sie eine riesige Tüte Brötchen von unserem Lieblings-Bäcker mit und erzählte wilde Geschichten aus der Theaterwelt – sie war angehende Schauspielerin. 

Wir waren selbst ein wilder Haufen, Studentinnen und Berufseinsteiger, Lebenskünstlerinnen und zwei Babies. Wir dachten: Das passt! Lara zog ein, bekochte alle, hatte gute Laune. Sie rasselte zwar nacheinander durch die Aufnahmeprüfungen aller Schauspielschulen, aber dann gab es eben am Küchentisch ein Glas Wein und am nächsten Tag ging das Leben weiter. 

Für uns zumindest: Dass es Lara immer schlechter ging, merkte erstmal keiner. Sie kam nicht mehr zu den gemeinsamen Tatortabenden, fehlte, wenn wir die traditionelle WG-Kürbissuppe kochten. Irgendwann tauchte sie gar nicht mehr auf. Als meine Mitbewohnerin ihr Wäsche ins Zimmer legen wollte, sah sie: Lara hatte mit roter Farbe „Du schaffst das“ auf alle Wände geschrieben. 

Wir merkten: Lara hatte ein Problem, das sie nicht allein lösen konnte. Das Gespräch mit ihr war wohl der härteste Tag in unserem bunten WG-Leben. Lara war traurig und wütend, es gab Streit und sie zog aus. Wir durften ihr nicht einmal beim Kisten tragen helfen. Lara zog kurz zu ihren Eltern, dann ging sie in eine Klinik. Heute ist sie Schauspielerin an einem kleinen Theater. An unserem Küchentisch saß sie nie wieder.

Hattest du auch schon mal schreckliche Mitbewohnerinnen oder Mitbewohner? Oder warst vielleicht selbst eine? Schick uns deine Geschichte an fühlen@bento.de.

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*Diese Namen und Orte haben wir geändert. 



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