Fabians Erfolge beim Dating wurden immer seltener, bis sie zuletzt ausblieben. Als Grund für sein Single-Dasein sieht er vor allem seinen Haarausfall. Er ist sich sicher: Die hohe Stirn und die lichten Haare am Hinterkopf schrecken Gleichaltrige ab. Denn Fabian ist nicht Ende 50, sondern 27.

Haarausfall wird meist mit einem höheren Alter assoziiert, doch er trifft auch junge Menschen. 

Laut einer Studie der Dr. Wolff-Gruppe, einem Kosmetik- und Arzneimittelhersteller, würde jeder vierte Mann in Deutschland zwischen 18 und 24 Jahren Lebensjahre eintauschen, um wieder volleres Haar zu bekommen. Die Folgen der schwindenden Haare sind nicht nur optisch bemerkbar: In der Studie berichten rund 73 Prozent der betroffenen Männer zwischen 25 bis 34 Jahren von psychischen Problemen aufgrund ihres Haarausfalls.

Auch auf Fabian hat es einen Effekt. Die Zurückweisung beim Dating erträgt er nur schwer, sagt er gegenüber bento. Vor allem, weil er die queere Community – sein Dating-Umfeld – normalerweise eher als tolerant kennt. "Auch, wenn viele Menschen sagen, dass Äußerlichkeiten nur zweitrangig sind, bemerke ich momentan das komplette Gegenteil", sagt er. 

Fabian leidet unter seinem Haarausfall.

(Bild: Privat)

Auf Social Media bekomme er für seine Fotos bis zu 300 Interaktionen, wenn er seine Haare mit einer Mütze oder Kappe verdecke – ohne Kopfbedeckung würden viel weniger und nur deutlich ältere Menschen auf seine Fotos reagieren, erzählt er.

Fabian glaubt: Die fehlenden Haare würden als unästhetisch wahrgenommen und passten für viele Menschen nicht in das Bild eines jungen Mannes. Die Sprüche, die er deswegen bekomme, verletzen ihn. "Das Abrasieren meiner Haare kommt aber nicht in Frage, weil ich mich damit unwohl fühlen würde", sagt er, "für Haarersatz habe ich im Moment allerdings kein Geld. Für mich ist das eine Katastrophe."

Dr. Christoph Liebich ist Dermatologe in München. Oft suchen Patienten mit Haarausfall seine Praxis auf. 

Er sagt, in unserer Kultur spiele das Haar eine wichtige Rolle. Auf Bewerbungsfotos würden Menschen mit vollem Haar beispielsweise attraktiver wirken als Menschen mit Haarausfall. Denn: Vollen Haarwuchs assoziiere der Mensch unterbewusst mit Vitalität, Attraktivität und Leistungsfähigkeit. 

Dass Betroffene empfindlich auf Haarausfall reagieren, sei also verständlich. Meistens sei dies jedoch unbegründet. Findet man nach dem Duschen oder im Bett einige Haare, sei dies kein Grund zur Panik, sagt Christoph Liebich: "Es ist völlig normal, dass wir bis zu hundert Haare am Tag verlieren." Ein ausgewogener Lebensstil habe ebenfalls Einfluss auf das Haarwachstum. Wer beispielsweise häufig gestresst ist, verliert laut Liebich eher Haare als jemand, der viel Wert auf eine gesunde Work-Life-Balance legt.

Anders als es häufig wahrgenommen wird, ist Haarausfall kein reines Männer-Thema, auch Frauen sind betroffen. So wie Luisa.

Luisa hat stark ausgeprägte Geheimratsecken. Die 23-Jährige sagt, die habe sie von ihrem Vater geerbt. In den Geheimratsecken wachsen nur wenig Zentimeter lange, dünne Haare. Luisa nennt sie "Babyhaare". "Ich versuche, meinen Haaransatz zu überdecken, indem ich meine Haare offen oder mit Pony trage. Im Sommer ist es allerdings häufig so warm, dass ich einen Zopf mache – da fällt die hohe Stirn natürlich sehr auf. Das ist unangenehm."Luisa ist außerdem der Meinung, das ständige Haarefärben zwischen ihrem 13. und 18. Lebensjahr habe ihren Haarwuchs ebenfalls verändert. Im Laufe der Zeit seien ihre Haare dünner geworden und teilweise komplett ausgefallen. Anfangs bemerkte Luisa dies nur auf Fotos, dann fiel es ihr auch beim Blick in den Spiegel auf. 

Luisas Geheimratsecken sind deutlich sichtbar, wenn sie einen Zopf trägt.

(Bild: Privat)


"Im Laufe der Zeit haben mich sogar enge Freunde und meine Familie darauf angesprochen", erzählt sie. Anfangs ignorierte sie den Haarausfall. Sie dachte, es sei nur eine Phase. Als es nicht besser wurde, hörte sie schließlich auf, ihre Haare zu färben. "Fünf Jahre später haben sich meine Haare aber noch nicht davon erholt", sagt sie. Sie ist sicher: "Wenn sich meine Haare nicht zumindest vom Färben wieder erholen, ziehe ich eine Transplantation in Erwägung."

Häufiges Färben der Haare sei laut Dermatologe Christoph Liebich kein zwingender Faktor für Haarausfall. Allerdings: "Natürlich werden die Haare Chemie ausgesetzt. Lässt man das Färben von einem geschulten Frisör durchführen, stellt das kein grundsätzliches Problem dar, es sei denn, man hat eine Unverträglichkeit." 

Mehr als die Chemie verrate hingegen der eigene Stammbaum über die Veränderung der Haare. Männer können sich laut Liebich beispielsweise besonders an ihrem Großvater mütterlicherseits orientieren, da die Erbinformation für den Haarwuchs oft eine Generation überspringt (Spiegel Online). 

Transplantationen sind laut dem Dermatologen eine sinnvolle Option für Menschen, die stark unter Haarausfall leiden. Doch eine solche Behandlung ist in Deutschland teuer – deshalb lassen sich viele Patienten in der Türkei behandeln. Davon rät Christoph Liebich allerdings ab: "Da die Türkei nicht Mitglied der EU ist, hat man als Deutscher dort keinen guten Versicherungsschutz. Mögliche Schäden einer Behandlung müsste man in Deutschland aus eigener Tasche bezahlen, da sie als selbstverschuldet gelten."

Bei Osman fing der Haarausfall mit 17 Jahren an. Heute ist er 22 Jahre alt und kann entspannt damit umgehen.

Als ihm die ersten Haare ausfielen, bekam Osman Selbstzweifel. Er ging ohne Cap nicht mehr aus dem Haus. 

(Bild: privat)

Neben seinen Freunden fühlte er sich alt. Es dauerte einige Zeit, bis er akzeptierte, dass er an seinem Haarausfall nichts ändern konnte. Schließlich wagte er einen radikalen Schritt: Er rasierte sich eine Glatze. 

"Das passte glücklicherweise gut zu meiner Kopfform. Das Feedback von meinen Freunden und meiner Familie war positiv – ich bekam sogar etliche Komplimente von Frauen", erzählt er.

Daher würde Osman jedem, der auch unter Haarausfall leidet, dasselbe empfehlen: "Die Gedanken, die man sich vorher darüber macht, sind am Ende unbegründet. Man sollte den Haarausfall annehmen, weil man es eh nicht verhindern kann – und das Beste daraus machen."

Verhindern kann man den Haarausfall tatsächlich nicht – aber man kann vorbeugen.

Sehr wichtig sei laut dem Dermatologen Christoph Liebich der Sonnenschutz. "Ist die Kopfhaut erst verbrannt, kann das Haarwachstum stark eingeschränkt sein", sagt er. Wenn der Prozess des Haarausfalls beginnt, könne man allerdings auch mit Medikamenten dagegen vorgehen (SPIEGEL ONLINE).

Da der Haarausfall häufig auch auf die Psyche der Betroffenen schlägt, rät Dr. Christoph Liebich zu einer schnellen Entscheidung: "Entweder muss man zu seinem Haarausfall stehen oder aktiv dagegen vorgehen. Abwarten hilft nicht und sorgt eher für seelische Probleme."

Lisa hat alle ihre Haare verloren, bevor sie 18 Jahre alt war. Hier erzählt sie, wie das für sie war:


Future

Wie ich einmal versucht habe, in den Semesterferien mein Leben auf die Reihe zu bekommen
"Die grenzenlose Freiheit mutiert bei mir zu grenzenloser Faulheit."

Aktuell befinde ich mich tief im Semesterferien-Blues. Obwohl ja schon allein der Begriff "Semesterferien" eine Auslegungssache ist. Ich stimme eher denjenigen zu, die von  "Vorlesungsfreier Zeit" sprechen – denn mit Ferien wie in der Schule haben diese Wochen wirklich nicht viel gemein. Schließlich gibt es Hausarbeiten, die geschrieben werden wollen.

Aber bevor ich mich um die kümmere, muss ich erst einmal meinen Semesterferien-Blues bewältigen. 

Und der gestaltet sich wie folgt: Ich bleibe morgens so lange im Bett liegen wie ich will. Meine Wochentage verschwimmen. Zeiten spielen keine Rolle mehr. Und das ist ein Problem.