"Ich schaute in den Spiegel und sagte mir: Das bin ich nicht."

2019 naht – und damit die Zeit der guten Vorsätze. Im neuen Jahr endlich nicht mehr auf den letzten Drücker die Hausarbeiten schreiben. Mehr Sport statt Netflix und warum nicht endlich mit dem Rauchen aufhören? Das Problem: Häufig bleibt es bei den guten Absichten, an der Umsetzung hapert es. 

Wie schafft man es, Vorsätze einzuhalten?

Das haben wir drei Menschen gefragt, die ihre Ziele fürs neue Jahr tatsächlich erreicht haben. Welche waren das? War es schwer, oder ganz leicht? 

Conny, 34, wollte mit dem Rauchen aufhören – und hat es geschafft

Die längste Zeit meines bisherigen Lebens habe ich geraucht. Schon früh fing ich damit an, mit 14. Jetzt, 20 Jahre später, habe ich es geschafft, aufzuhören. 

Wenn ich mich an den ersten Zug erinnere, muss ich zugeben, dass er mir nicht einmal schmeckte. Das war damals im Landschulheim während einer Klassenfahrt. Trotzdem machte ich weiter. Als Jugendliche kam ich mit einer Schachtel durch die Woche, zuletzt rauchte ich etwa eine halbe Schachtel pro Tag.

Nach jedem Essen hatte ich immer dieses Kribbeln: Ich musste sofort rausgehen und rauchen. Insofern halfen Zigaretten mir gar nicht, Stress zu bewältigen – sie verursachten Stress.

Der Vorsatz fürs neue Jahr, nicht weiter zu rauchen, war keine plötzliche Entscheidung – da war kein Schalter, der Klick machte. Vielmehr war es ein langsamer Prozess, ich kam immer mehr ins Grübeln: Wozu das alles? Warum ziehe ich mir so etwas rein?

Zuerst versuchte ich, von heute auf morgen aufzuhören. Das war natürlich nicht erfolgreich. Einen Tag später fuhr ich wieder zur Tankstelle. Ich probierte es dann mit Nikotinpflastern, die ein Ersatz für Zigaretten sein sollen. 

Dann hatte ich so etwas wie eine On-off-Beziehung: meine Pflaster, meine Zigaretten und ich. Wenn ich mal keine Pflaster dabeihatte, meldete sich sofort das Verlangen nach Kippen. Mit dem Rauchen aufhören ist ein echtes Psychospiel.

Ein Buch brachte mich schließlich weiter. Zuerst war ich skeptisch. "Wenn Sie diese Tipps einhalten, werden Sie nie wieder rauchen" – das war zu schön, um wahr zu sein. Aber folgender Rat half mir tatsächlich. Wenn wieder das Verlangen nach einer Zigarette kam, fragte ich mich selbst: Was bringt es mir jetzt, wenn ich tatsächlich eine rauche?

Mir half die Einsicht, dass mir Zigaretten einfach nichts nutzen. Wenn, dann bringen sie nur Negatives – mich ärgerte immer, wenn meine Fingernägel wieder so vergilbt waren.

Mittlerweile bin ich seit zweieinhalb Monaten rauchfrei. Die Zigaretten sind mir nicht mehr so wichtig. Wenn ich Rauch rieche, habe ich zwar immer noch das Gefühl, "angefixt" zu werden. Gleichzeitig denke ich: Ich habe echt keinen Bock, das Ganze nochmal von vorne anzufangen.

Benjamin, 35, wollte mehr Zeit für sich – und hat sie jetzt 

(Bild: Falk Frassa)

Ich arbeite als katholischer Seelsorger, ein Job, in dem es weder feste Arbeitszeiten noch einen Feierabend gibt. Vor allem am Wochenende gibt es viel zu tun. Als ich nach meinem Studium in meine Gemeinde kam, sprudelte ich vor Ideen und wollte alles sofort umsetzen. 

Schnell merkte ich: Wenn du überhaupt noch Zeit für irgendetwas haben willst, musst du dich anders organisieren.

Also nahm ich mir vor, meine Zeit besser einzuteilen. Jeder von uns hat nur 24 Stunden am Tag zur Verfügung und muss sich überlegen: Wie möchte ich diese Zeit investieren? Ich will Sport machen, brauche mehr Zeit für mich. Schließlich wurde ich Vater und beschloss, dass ich jeden Tag Zeit mit meinen Kindern verbringen möchte.

Oft sagt man: Das mache ich mal, wenn ich dazu komme. Mit den Kindern spiele ich, wenn ich abends mal früh daheim bin. So wird das nie klappen. Wenn ich aber fest einplane, was mir wichtig ist, dann werde ich die Zeit dafür auch haben.

Also mache ich einmal in der Woche einen Wochenplan, plane meine Freizeiten und die Arbeit drumherum. Man sagt, durch zehn Minuten gute Planung lässt sich eine ganze Stunde sparen. Zugegeben, das funktioniert natürlich vor allem bei Selbstständigen gut. Aber auch in einem 9-to-5-Job kann ich mir sagen: Mittwoch ist mein Sporttag. Und wenn man sich dann mit jemandem zum Joggen verabredet, dann macht man das auch.

Mein Tipp ist es, diese Planung langfristig anzulegen: nicht nur auf eine Woche oder einen Monat hinaus zu planen, sondern eine Löffelliste zu erstellen. Was möchte ich machen, bevor ich den Löffel abgebe? Meine Frau und ich haben unsere Ziele gemeinsam aufgeschrieben. Wohin wir noch reisen wollen, wie wir mal wohnen wollen, und so weiter. Alle drei Monate nehmen wir uns ein Ziel vor.

Dann überlegen wir uns: Welche Schritte können wir umsetzen, um das Ziel zu erreichen? Auf diese Weise wird Freizeit zur Zeit, um seine Lebensziele zu verwirklichen.

Benjamin bloggt auch: auf benjaminfloer.com.

Stella, 29, wollte abnehmen – und fühlt sich jetzt viel fitter

Als ich schwanger war, nahm ich zu. Vorher hatte ich etwa 50 Kilo gewogen, danach 83 Kilo. Dieses Gewicht war angefuttert, auch ein Jahr nach meiner zweiten Schwangerschaft wog ich noch so viel. Ich fühlte mich unwohl, ich fand mich selbst nicht mehr schön. Ich schaute in den Spiegel und sagte mir: Das bin ich nicht. Also musste dieses Fett wieder runter.

Ich schaffte das durch viel Sport und gute Ernährung. Mindestens zweimal die Woche gehe ich ins Fitnessstudio und mache Kraftsport. Ich nahm die 30 Kilo wieder ab und baute stattdessen zehn Kilo Muskelmasse auf.

Mein Ansporn ist meine Familie. Meine Kinder motivieren mich, weil wir ihnen durch unsere gesunde Lebensweise etwas mitgeben: sich viel zu bewegen, nicht so viele Süßigkeiten zu essen, alles frisch zu kochen.

Ich selbst bin viel selbstbewusster geworden. Manchmal sprechen mich im Fitnessstudio andere Frauen an, machen mir Komplimente und fragen mich, wie ich das mache. Sie können kaum glauben, wenn ich erzähle, dass ich zwei Kinder habe.

Ich sage ihnen dann, dass sie sich nicht zu hohe Ziele setzen sollen. Wenn man vorher noch keinen Sport gemacht hat, muss man mit kleinen Schritten starten. Wenn man seine Fortschritte sieht, bleibt man auch am Ball. Deshalb hilft es, sich nicht nur zu wiegen, sondern sich auch zu vermessen und die  Muskeln zu beobachten.

Natürlich verlangt das viel Disziplin. Und natürlich ist es nicht leicht, sich für den Sport aufzuraffen und so einen Vorsatz wirklich umzusetzen. Das erste Vierteljahr war besonders schwer. Auch das gesunde Kochen mussten mein Mann und ich erst lernen. Aber ich denke, dieses "Ich habe keine Zeit", ist eine Ausrede. Wir haben einen eigenen Betrieb, ich arbeite mehr als 40 Stunden in der Woche und habe noch zwei kleine Kinder – und trotzdem finde ich die Zeit für den Sport. Der Antrieb muss da sein. Ich war wirklich unzufrieden mit mir – deshalb habe ich es geschafft. 

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Berlin will aus dem Mittelmeer gerettete Menschen aufnehmen – doch Seehofer zögert
Jetzt dürfen schon zwei deutsche Rettungsschiffe keinen sicheren Hafen anlaufen.

Was ist passiert?

Zwei Schiffe von deutschen privaten Seenotrettern haben im Mittelmeer Geflüchtete gerettet und dürfen derzeit keinen sicheren Hafen anlaufen. Die EU-Staaten blockieren einen Zugang zu ihren Häfen, weil sie die Menschen nicht aufnehmen wollen. (bento)

Um welche Schiffe handelt es sich?

Es geht um die Sea-Watch 3 und das Schiff Professor Albrecht Penck der Organisation Sea-Eye.

Die Retter der Sea-Eye haben am frühen Samstagmorgen 17 Menschen von einem Holzboot vor der libyschen Küste gerettet. Das berichtet Zeit Online. Demnach habe die Rettung in internationalen Gewässern stattgefunden. Die libysche Küstenwache habe die Crew laut Sea-Eye aufgefordert, die geretteten Menschen an sie zu übergeben. Das hat die Crew verweigert. In Libyen werden Flüchtende oft in staatliche Gefängnisse gesteckt, es drohen Folter und Vergewaltigungen, die Seenotretter betrachten Tripolis deshalb nicht als sicheren Hafen. Laut Zeit Online hat die Crew das Auswärtige Amt um Hilfe gebeten.

Die Sea-Watch 3 hatte bereits am 22. Dezember 32 Menschen aus dem Wasser gerettet. Das Weihnachtsfest hatten sich auch die Helfer an Bord anders vorgestellt. "Jetzt war es ein Weihnachten mit Menschen aus 17 Ländern", sagte Einsatzleiter Philip Hahn im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Es wurde auf vielen verschiedenen Sprachen gesungen. Ich würde sagen: Es war ein Highlight."

Wie geht es weiter?

Zumindest im Fall der Sea-Watch scheint eine Lösung greifbar. Die Stadt Berlin ist bereit, einige Geflüchtete aufzunehmen.