Bild: Hanna Bohnekamp
Pickel, Pille, Perfektion: Ein Gespräch mit GNTM-Kandidatin Hanna Bohnekamp

Scrollt man durch Hanna Bohnekamps Instagram-Feed sieht man eine junge Frau, oft in Wollpullis mit geflochtenen Zöpfen und bunten Haarbändern - und mit Pickeln. Was eigentlich alltäglich ist, sieht man auf Instagram selten. Noch seltener bei Menschen, die mit ihrem Aussehen Geld verdienen. Hanna ist 2010 durch die TV-Sendung "Germany's Next Topmodel" bekannt geworden. In letzter Zeit sorgt die 26-Jährige aber vor allem für Aufsehen, weil sie ihr ungeschminktes Gesicht auf Instagram zeigt. 

Als Hanna Anfang des Jahres beschlossen hat, die Pille nicht mehr zu nehmen, verändert sich ihre Haut. Models würden häufig die Pille nehmen, sagt Hanna, damit ihre Haut immer perfekt ist. Das ist schließlich ihr Job – oder? 

Hanna Bohnekamp sieht das anders. Wir haben mit ihr gesprochen – über Pickel, Perfektion und das eigene Körpergefühl. 

Du zeigst dich ungeschminkt auf Instagram. Ist das ein Risiko?

Im ersten Moment mag man das denken, aber das Gegenteil ist der Fall. Denn Instagram ist oft Fake: Man trägt dick Schminke auf, posiert, stellt sich im besten Licht dar. Viele wünschen sich jedoch mehr Realität. Deshalb sind sie froh, wenn sie mal einen Pickel sehen. Eigentlich ist es eine Chance, um den Leuten näherzukommen. Natürlich stören sich aber auch Manche daran. 

„Ich zeige mich, wie ich bin.“
Hanna Bohnekamp

Wie hast du dich gefühlt, als du das erste Bild mit Pickeln hochgeladen hast?

Ich hatte erstmal bedenken. Das Foto hatte ich schon vorher gemacht, aber habe zehn Tage gebraucht es hochzuladen. Auch ich brauchte noch Mut! 

Und was sagen die Kritiker? Erntest du Hass oder wirst beleidigt? 

Die meisten meiner Follower sind zum Glück nicht so. Aber ich bekomme auch private Hassnachrichten, die mich treffen. Mir wurde gesagt, ich solle mein hässliches Gesicht lieber nicht so oft in die Kamera halten, ich wolle nur Aufmerksamkeit. Ich lasse mich davon aber nicht entmutigen. Mir ist bewusst, dass ich anecke, weil ich andere Bilder poste als die Meisten auf Instagram. Ich möchte zeigen: Es geht auch ohne Filter.

Was willst du mit deinen Posts bewirken? 

Ich möchte zeigen: Durch das Absetzen der Pille habe ich Pickel bekommen, aber das ist in Ordnung – und geht auch wieder vorbei. Man sollte sich nicht frustriert zuhause verkriechen, sondern rausgehen und der Haut Zeit geben.

Hast du nie überlegt, die Pille einfach wieder zu nehmen? 

Ne! Meine Pickel entfernen mich eher von der Pille. Was habe ich meinem Körper da angetan? Mit 14 habe ich eine sogenannte hautregulierende Pille bekommen und diese für einige Jahre genommen. Bei Models ist das üblich. So hatte ich nie Probleme mit meiner Haut. Jetzt sehe ich, wie stark die Pille in meinen Körper eingegriffen hat. Ich weiß, dass ich mir etwas Gutes tue, indem ich sie nicht mehr nehme. Seitdem habe ich auch keine Schmerzen oder Stimmungsschwankungen mehr. 

Du sagst, du bekommst weniger Jobs aufgrund deiner Pickel. Jedoch werden Models vor allem für ihr Aussehen bezahlt. Kannst du das also auch nachvollziehen?

Ich verstehe das und sehe es auch nicht als Beleidigung. Klar, wir Models werden für unser Aussehen bezahlt und müssen einiges dafür tun. Trotzdem gibt es heute viele Möglichkeiten durch Photoshop. Es macht bei einem Fotoshooting kaum einen Unterschied, ob man einen Pickel hat oder nicht. Bei anderen Jobs ist es dagegen schwieriger.

Spricht man dich bei Shootings auf deine Haut an?

Ein Fotograf sagte einmal: 'Hast du zu viel Schokolade gegessen?' Und es gibt öfter kleine Sticheleien, dass man bei meiner Haut viel mit Photoshop nachbearbeiten müsste. Sowas stecke ich allerdings gut weg. Mich nervt nur die negative Unterstellung dahinter, als sei mein Lebensstil ist nicht gut genug. 

Und wie reagieren deine Follower? 

Follower geben mir oft ungefragt Tipps gegen meine Pickel. Sie empfehlen mir zum Beispiel Medikamente. Das ist zwar nett gemeint, aber auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Denn dahinter steckt die Annahme: 'Du bist unglücklich, weil du Pickel hast.' Ich bin aber nicht unglücklich. Trotzdem kenne ich das Gefühl, angestarrt zu werden. Ich denke manchmal, alle sehen mich wegen meiner Haut an. Meistens bildet man sich das aber nur ein. Mir hilft es zu wissen, dass die Pickel nicht für immer da sein werden.

Viele sind durch ihre Pickel verunsichert. Was hat dir geholfen?

Hanna: Als sich meine Haut verändert hat, war ich zuerst traurig. Ich kann verstehen, wenn man sich deshalb schlecht fühlt. Aber ich wollte nie, dass mich meine Pickel einschränken und ich deshalb nicht mehr das Haus verlasse. Es sind letztendlich nur Pickel. Auf Insta musste ich mich entscheiden: Ich zeige mich dort täglich, sollte ich es nur wegen meiner Haut lassen? Nein! Pickel gehören jetzt dazu. 

Deine Botschaft ist "Niemand soll sich verstecken". Hast du dich selbst versteckt? Und woher kommt jetzt das Umdenken? 

Hanna: Früher waren Augenringe mein größtes Problem – heute lache ich darüber. Das alles ist mir nicht mehr so wichtig. Wir gewöhnen uns an Schönheitsideale. Auf Insta ist es gerade angesagt, sich ungeschminkt zu zeigen. Die natürlichen Looks, ganz ohne Mascara, finden auf einmal alle schön. Es gibt fast so etwas wie einen Trend hin zu mehr Realität. Dieser Wandel ist gut, weil gerade Frauen dort extrem idealisiert werden. Aber das Ideal – die perfekte Frau – gibt es nicht. 

„Realität auf Insta? Wir brauchen mehr davon!“
Hanna Bohnekamp

Glaubst du, du könntest damit wirklich die Modelbranche oder das Frauenbild verändern?

Ich hoffe, dass ich zumindest im Kleinen etwas verändere. Mir schreiben viele junge Leute persönliche Nachrichten, sie sehen mich als Vorbild. Und das ist okay, denn ich kann mehr als 'gut aussehen'. Wir kennen dieses Klischee von Schönheit aus der Werbung: Dort wird immer eine reine Haut gezeigt und selbst ein Pickel ist gleich eine Katastrophe. Das sollte aber nicht so sein – man kann auch mit Pickeln schön aussehen. Jeder hat schließlich mal welche. 


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