Max, 22, fragt:

Es fing harmlos an. Ich habe mich selbstbefriedigt und da war sie wieder: Karina, meine Ex. Vor meinem inneren Auge turnte sie auf und ab. Sie war nicht nackt, nein – sie saß mit mir beim Chinesen und schlürfte breit grinsend ihre Cola, wie sie das früher immer machte, wenn wir unser Lieblingsrestaurant besuchten.

Hilfe!

Jeder hat mal Angst und Stress. Jeder fühlt sich mal hilflos, machtlos, überfordert. Wenn Freunde, Eltern oder Geschwister nicht weiterhelfen können, wollen oder sollen – dann melde dich bei uns. Die Psychologin Kathrin Hoffmann beantwortet in der Serie Über-Ich für bento ausgewählte Fragen, die wir anschließend veröffentlichen. Dabei ändern wir selbstverständlich alle Namen von Betroffenen.

Ich habe mittlerweile eine neue Freundin. Wir sind seit einem Jahr ein Paar. Und bisher war ich gedanklich auf sie fokussiert. Doch seit einigen Wochen ist Karina wieder da.

Wenn ich im Büro alleine Aufzug fahre, stelle ich mir vor, wie sie beim nächsten Stop zusteigt und wir uns plötzlich wiedersehen. Neulich habe ich mit meiner neuen Freundin einen Film gesehen und daran gedacht, wie es wäre, mit Karina auf dem Sofa zu liegen. Und im Supermarkt muss ich bei jedem Apfel, den ich sehe, an Karina denken – sie hatte immer einen dabei.

Noch mehr Notfälle? Eure Hilfegesuche – und Kathrins Antworten:
"Oft fühle ich mich erfolglos und allein. Was kann ich tun?"
"Meine Schwiegereltern mögen mich nicht – soll ich sie dennoch besuchen?"
"Meine Oma kommt auch nach zehn Jahren noch immer nicht mit meiner Homosexualität zurecht. Auf Familienfeiern geraten wir immer wieder aneinander – was kann ich tun?"
"Ich liebe meine Tante, aber sie geht an Weihnachten immer total herzlos mit meiner Cousine, um. Was kann ich tun?"
"Jedes Jahr an Weihnachten findet ein Klassentreffen statt. Was kann ich gegen Gefühl tun, dass alle anderen viel mehr erreicht haben als ich?"
"Ich bin überzeugter Vegetarier, will aber den Familienfrieden beim Weihnachtsessen nicht stören. Lasse ich mich auf die Diskussion mit meinen Eltern ein?"
"Meine Mutter sieht nicht ein, dass ich erwachsen bin. –Was soll ich tun?"
"Warum fürchten wir uns so vor einem Terroranschlag, aber nicht vor einem Fahrradunfall?"
"Ich habe Panik, keinen Job zu kriegen – Ist meine Angst berechtigt?"
"Ich verliebe mich zu schnell – was kann ich dagegen tun?"
Mein Studium überfordert mich und lässt mich jeden Tag leiden. Wo sind nur meine Träume und Ziele hin?"
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Ich habe Karina damals verlassen, die Beziehung lief nicht mehr. Wir sind im Guten auseinandergegangen, ich war erleichtert, als es vorbei war. Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen. 

Ich weiß nicht, warum ich ständig wieder an sie denke, was genau der Auslöser dafür war. Ich habe nur selten Sexträume mit ihr, ich denke eher an tolle Momente, die wir hatten. Dabei bin ich mit meiner neuen Freundin mega glücklich, ich liebe sie. Wir streiten uns selten, im Bett vermisse ich nichts.

Letztens beim Sex dachte ich dann doch einmal kurz an Karina. Ich war direkt voll raus, dachte, dass das doch nicht sein darf

Aber je mehr ich mir verbiete, an sie zu denken, umso öfter passiert es. Es macht mich verrückt. Überall Karina, was genau soll das bedeuten?

Die Psychologin Kathrin Hoffmann antwortet:

Lieber Max,

offensichtlich bist du sehr beunruhigt über die Gedanken an deine Ex-Freundin und du scheinst völlig ratlos, warum diese Gedanken plötzlich auftauchen.

Wahrscheinlich hat dich irgendeine Situation unbewusst an deine Ex-Freundin erinnert, was ja in keiner Weise ungewöhnlich ist. Mit der Trennung sind ja die Erinnerungen nicht weg, alles ist gespeichert und daher ist es auch ganz normal, dass  bestimmte Situationen Erinnerungen wachrufen.

Kreisende Gedanken? Kämpf nicht dagegen an!(Bild: Unsplash)

Gerade eine neue Partnerschaft bietet viele Situationen, in denen innerlich ein Vergleich gezogen wird oder zumindest Bilder von damals hochkommen.

Die meisten würden so einen Gedanken gar nicht großartig beachten und nicht weiter wichtig finden. Dich scheint es jedoch stark beunruhigt zu haben, weil du die Gedanken als falsch und verwerflich bewertest, besonders in sexuellen Situationen.

Vielleicht ziehst du innerlich einen Vergleich.

Daher hast du dir innerlich verboten, noch mal an deine Ex zu denken. Genau diese Überbewertung der Bedeutung und der Versuch, nicht mehr an sie zu denken, führen paradoxerweise dazu, dass die Gedanken zunehmen.

Das führt wiederrum dazu, dass du dich noch mehr hineinsteigerst – ein Teufelskreis

Um aus diesem Teufelskreis auszusteigen, solltest du versuchen, deinen Gedanken keine so große Bedeutung mehr zu geben. Es sind nur Gedanken!

Wie du selbst schon festgestellt hast, drängen sie sich immer mehr auf, je mehr du sie dir verbietest. Versuche genau das Gegenteil von dem, was du bisher machst.

Lass die Erinnerungen einfach kommen, ohne sie zu bewerten. So wie du auch an schöne vergangene Urlaube ohne schlechtes Gewissen zurückdenkst, erlaube dir auch an gemeinsame Momente mit deiner Ex zu denken. 

Mit der Zeit werden die Gedanken abnehmen.

Diese Erinnerungen müssen nicht bedeuten, dass du noch Gefühle für deine Ex hast. Und selbst wenn, wäre das auch nicht schlimm. Oft dauert die innere Loslösung und Trennungsverarbeitung viel länger, als wir denken.

Du scheinst dir sehr klar darüber zu sein, dass es gute Gründe für das Ende der Beziehung gab, du deine Ex nicht zurückwillst und du in deiner jetzigen Partnerschaft sehr glücklich bist. Das ist es, was zählt! 

Deine Erinnerungen sind nicht verwerflich, sie sind ein Teil von dir. Und du wirst beobachten, dass die Gedanken an sie mit der Zeit weniger werden, wenn du sie als unbedeutend bewertest und nicht weiter dagegen ankämpfst. 

Alles Gute für dich!

Deine Kathrin


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