Spieglein, Spieglein auf dem Kopf: Manche Männer mögen ihre Glatze mit Genuss wienern - die sind dann aber meist jenseits der 60. Und was ist mit U21-Jährigen?

Hier erzählen Markus und Thore, wie sie es erlebt haben, als ihnen mit 19 Jahren plötzlich die Haare ausfielen.
Markus, 20
Nach einem Fußballspiel hat mir ein Teamkollege unter der Dusche gesagt, ich sähe aus wie 30. Im nassen Zustand konnte er deutlich sehen, wie wenig Haare ich nur noch hatte.Bis dahin habe ich meinen Haarausfall gar nicht bemerkt, ich bin 1,90 Meter groß und schaue mir nicht selbst auf den Kopf. Außerdem war ich gerade erst 19 Jahre alt, da denkt man noch nicht an Haarverlust. Zumal ich in meiner Familie niemanden kenne, der schon in so jungen Jahren seine Haare verloren hat.
"Wird schon etwas licht da hinten, Markus." Anfangs haben mich solche Kommentare verunsichert und ich habe mich gefragt: Würde mir etwas fehlen, wenn ich schon so früh eine Glatze bekäme?

Anfangs dachte ich: Ja! Gerade weil ich keine anderen Jungs kannte, die vom Haarausfall betroffen sind. Mit der Zeit habe ich aber andere getroffen, denen es ähnlich geht und mich damit arrangiert. Jetzt vermisse ich nichts mehr.
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Dann habe ich es einfach mal ausprobiert: Vor drei Monaten haben meine Freunde mir spontan meine Haare nahezu komplett abrasiert. Das hatte ich meinem besten Freund zum Geburtstag geschenkt. Wir haben den Rasierer auf drei Millimeter gestellt und dann ging er im Kreis meiner besten Freunde einmal umher; jeder durfte ein Stück rasieren. Es war ein großer Spaß, über den wir noch oft reden.

Ich muss sagen: Mir und vielen meiner Freunde hat das gut gefallen. Meine Geheimratsecken und die dünnen Haare fallen kurz geschnitten viel weniger auf. Nur manche Frauen reagierten geschockt. 'Ach du Heilige, Markus, dein Ernst? Warum hast du das gemacht?' Genau diese Frauen wollen jetzt, wo die Haare etwas gewachsen sind, dass ich sie wieder abrasiere.

Letztlich ist mir das aber egal, wer was sagt,denn meine Freundin akzeptiert mich natürlich so, wie ich bin. Das ist das Wichtigste.

Es war eine gute Idee, mich durch meine "Fast-Glatze" auf mein haarloses Schicksal vorzubereiten. Ich bin zwar sehr früh dran, aber Glatzen sind bei Männern nun mal ein natürliches Phänomen. Ich bin froh, dass ich meine anfängliche Verunsicherung überwunden habe – und letztlich spare ich durch das kurze Haar auch noch Zeit, die ich nicht mehr für meine Frisur aufwenden muss.
Thore, 22
Als bei mir mit 19 Jahren die Haare ausfielen, wusste ich gar nicht, wo das herkommt. Zu dem Zeitpunkt hatte ich eine Verletzung am Knie und nahm Medikamente. Ich dachte, es sei eine Nebenwirkung und es würde wieder besser werden. Doch es bildeten sich zunehmend Geheimratsecken und ein leichtes Kränzchen auf dem Oberkopf. Ich bin adoptiert, deswegen wusste ich auch nicht, ob es erblich bedingt ist.

Ich wurde also ziemlich überrumpelt. Mit 19 Jahren rechnet da nun wirklich keiner mit. Ich hätte es definitiv gern anders, wenigstens noch ein paar Jahre. Ich habe sämtliche Mittel gegen Haarausfall ausprobiert.
Geholfen hat natürlich nichts. Eine Haartransplantation würde ich nie durchführen, nicht mal darüber nachdenken. Deswegen blieb mir irgendwann nichts anderes übrig, als mich damit abzufinden. Dabei hat mir geholfen, das Ganze mit Humor zu sehen.

Ich selbst habe meine Haare jetzt sehr kurz geschnitten und trage oft Kappen. Die finde ich nicht nur cool, sondern sie verstecken auch die restlichen Haare. Ich möchte nämlich trotzdem nicht immer sofort zeigen, dass ich nicht mehr so viele habe. Wobei ich inzwischen mit Witzchen wie "Glatzkopf" eigentlich gut umgehen kann.

Heutzutage lassen sich ja sogar Männer aus modischen Aspekten eine Vollglatze scheren, obwohl sie volles Haar tragen könnten. Nachvollziehen kann ich das nicht, aber früher oder später werde ich das auch machen – machen müssen. Denn ich habe keine Lust auf einen Professorenkranz.


Fühlen

Wie ich der besten Freundin meine offene Beziehung gebeichtet habe
"Hallo Liebes, wie gehts? Schön. Mir auch. Leo und ich schlafen auch mit anderen."

Japaner haben keine Haare und kleine Penisse. Latinos sind klein, haarig und ausdauernde Liebhaber. Afrikanerinnen sind wild und Ossi-Frauen ohnehin am liebsten nackt. Und rothaarige Frauen erst… Ich könnte die Liste von Vorurteilen wahrscheinlich unendlich weiterführen.

Doch Vorurteile beruhen auf Klischees – auf nicht belegten Annahmen, die oft sogar rassistisch sind. Die Wahrheit sieht dann doch immer anders aus.

So ist es auch im Swingen.