Wir haben es doch alle schon mal getan. Wir haben die "Gesundheits"-Rubrik unserer Lieblings-Newsseite besucht, nur um dort mit widersprüchlichen Informationen konfrontiert zu werden.

An einem Tag ist Kaffee gut für uns, am nächsten wieder schlecht. Gemäßigter Alkoholkonsum könnte gut für die Gesundheit sein. Oder, warte - doch nicht. Achja, und Achtsamkeit (was auch immer das sein soll) kann wahlweise deine Rückenschmerzen heilen, dich gelassen und stressfrei machen – oder dich in den Wahnsinn treiben.

Warum scheinen sich Gesundheits-Nachrichten ständig zu widersprechen?

Dafür gibt es viele Gründe. Einer der wichtigsten ist, dass viele Nachrichten aus Studien an Menschen oder Tieren stammen. Beide Studientypen haben ihre Grenzen. Studien an Tieren wie Mäusen, Ratten und bestimmten Primaten-Arten lassen sich nur begrenzt auf Menschen übertragen. Die Art, wie eine Maus ein bestimmtes Lebensmittel verdaut, kann sich sehr davon unterscheiden, wie ein Mensch es verdaut.

Studien an Menschen finden ihre Grenzen in dem, was Wissenschaftler und Ethikwächter bei menschlichen Experimente für moralisch vertretbar halten. Bei Ernährungsstudien und anderen Langzeitstudien kann das problematisch werden. Die Testpersonen müssen ihr Leben normal führen können, sich aber gleichzeitig an die Vorgaben der Forscher halten.

Wir haben schon eine ganze Menge über den menschlichen Körper gelernt. Aber es gibt immer noch vieles, was wir nicht wissen.

Die Keimtheorie (die besagt, dass Krankheiten durch Mikroorganismen verursacht werden und nicht etwa durch ein Ungleichgewicht von Körperflüssigkeiten oder Stimmungen) setzte sich erst im 19. Jahrhundert durch. Aspirin, oder Vorläufer davon, sind seit Jahrzehnten im Umlauf. Dennoch haben wir erst 1971 verstanden, wie das Mittel wirklich funktioniert. Der menschliche Körper und wie er arbeitet, insbesondere auf Ebene der Zellen, ist nach wie vor eine ziemliche Blackbox.

Natürlich macht die Wissenschaft Fortschritte – dabei kann sie jedoch nicht mit dem Informationsbedarf der Medien mithalten. Gesundheits- und Wissenschaftsjournalisten müssen auch irgendwie ihre Rechnungen bezahlen. Deshalb berichten sie über einzelne Studien. Wenn sie gut sind, erklären sie auch, wie diese Studie einzuordnen ist und wo ihre Einschränkungen liegen.

Dennoch widersprechen sich manche Studien untereinander. So kommt es, dass Kaffee manchmal gut, und manchmal schlecht für uns sein soll. Das gilt auch für wichtigere Fragen. Zum Beispiel, ob deine Vorliebe für Wurst dich auf die Krebsstation bringt, oder ob 'schlechtes' Cholesterin am Ende doch gar nicht so schlecht ist – Dinge also, die einen größeren Einfluss auf unsere Gesundheit haben können.

Für Gesundheitsbewusste ist es da manchmal schwierig, auf dem Laufenden zu bleiben. Manche Menschen bilden sich auch ihre ganz eigenen Vorstellungen, die aus den Augen der Wissenschaft alles andere als gesund sind. Was sollte man also tun?

Ich bin bei weitem keine Expertin. Die einzige Qualifikation, die ich vorweisen kann, ist ein Bachelor-Abschluss in Biologie. Als Medizin-Journalistin habe ich jedoch täglich mit solchen Nachrichten zu tun. Dabei habe ich Folgendes gelernt:

Oberste Regel: Mach dich nicht verrückt.

Bewegst du dich regelmäßig? Bist du Nichtraucher? Isst du jeden Tag Gemüse? Würdest du keine deiner Essgewohnheiten als ‚übermäßig‘ bezeichnen? Hast du keine anhaltenden, kraftraubenden Schmerzen? Fühlst du dich generell gut und nicht schlecht oder komisch? Dann machst du, meiner Laien-Meinung nach, wahrscheinlich alles richtig. Aber: Sprich noch einmal mit deinem Arzt darüber, denn ich bin kein Arzt (und nie einer gewesen).

Red' endlich mit deinem Arzt!

Das Internet ist keine gute Quelle für medizinische Informationen und Ratschläge. Egal, ob du nun eine Nachrichtenseite oder NetDoktor liest. Im Internet gibt es Unmengen von Informationen, die von Menschen geschrieben wurden, die keine Experten sind. Ebenso viele nutzen Gesundheits-Informationen, um dir etwas zu verkaufen. Sei skeptisch.

Dein Arzt kann dir immer noch am besten sagen, was gut für dich ist. Nicht nur, weil er dafür ausgebildet wurde. Sondern auch, weil er Zugang zu deiner Krankenakte hat, deine Familiengeschichte und vor allem dich wirklich kennt. Frag deinen Arzt, wenn du mehr Informationen brauchst. Und lass dich nicht mit einer unbefriedigenden Antwort abwimmeln. Lass dein inneres Kleinkind raus und nerve ihn mit "Warum?"-Fragen, bis du eine richtige Antwort bekommst.

Akzeptiere, dass du eines Tages sterben wirst.

Natürlich solltest deine Gesundheit ernst nehmen. Ich möchte hier keinesfalls einen "live fast, die young"-Lebensstil bewerben. Aber wenn du feststellst, dass dich Gesundheits-Meldungen so sehr beeinflussen, dass du all deine Gewohnheiten und kleinen Laster aufgibst, um stattdessen wie besessen nach glutenfreiem Kohl zu suchen: Schalte einen Gang zurück.

Letztlich liegt es nur ein Stück weit in deiner Verantwortung, ob du Krebs, Alzheimer oder sonst irgendeine Krankheit bekommst, die Menschen in der westlichen Welt betreffen. Und vermutlich überschätzt du sogar noch, wie viel Kontrolle du darüber hast.

Den einen, besten und gesündesten Lebensstil gibt es nicht.

Verschiedene Menschen haben verschiedene medizinische Bedürfnisse. Es scheint immer mehr so, als gäbe es kein Universalrezept für alle. Wenn du gesund leben willst, rede mit deinem Arzt darüber.

Der beste Ratschlag, den ich dir als Nicht-Expertin geben kann, ist wahrscheinlich: Rauch nicht (und wenn du es doch tust: Hör auf!). Versuche, mehr Gemüse zu essen. Und geh vielleicht ein bisschen häufiger vor die Tür.

Dieser Beitrag von Cynthia McKelvey ist zuerst auf The Daily Dot erschienen. Übersetzung: Helene Flachsenberg.


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