Bild: Westend 61/imago

Zur Geburt, zu Ostern, Weihnachten, der Einschulung oder einfach nur so: Anlässe, Kindern Geschenke zu machen, gibt es genug. Oft sind es nicht nur die Eltern, die für die Fülle an Spielzeug in den Kinderzimmern sorgen, sondern auch Großeltern, Tanten, Onkel und Freunde.

Doch was, wenn es einfach zu viele – oder die falschen – Geschenke werden? 

Eine junge Mutter erzählt, wie die Großzügigkeit Überhand nehmen kann. Und eine Psychologin gibt Tipps, wie Eltern mit unerwünschten Geschenken umgehen können.

Bianca* ist 25 Jahre alt und studiert Jura. Ihre Tochter ist zwei. 

"Meine Tochter ist das erste Enkelkind beider Familien. Groß- und Urgroßeltern möchten sie deshalb verwöhnen. Im Grunde finde ich das sehr schön, aber leider bietet unsere 38 Quadratmeter-Wohnung wenig Platz für so viele Geschenke. Auf Verständnis hoffe ich aber meistens vergebens. Aussagen wie "Wann dürfen wir dem Kind denn endlich was schenken?" prasseln pünktlich zu besonderen Anlässen auf mich nieder. 

Wenn ich Familienmitglieder auf den fehlenden Platz aufmerksam mache, schenken sie trotzdem kleine Geschenke, aber auch die nehmen irgendwann viel Platz weg. Im Grunde bräuchte unsere Tochter noch kein eigenes Zimmer, aber ich weiß einfach nicht mehr, wohin mit ihren ganzen Sachen. So sind wir jetzt eben sogar früher auf der Suche nach einer größeren Wohnung als geplant. Wir selbst sind inzwischen dazu übergegangen, unserer Tochter nichts mehr zu schenken. 

Mein Vorschlag, persönliche Geschenke zu machen – zum Beispiel ein selbst eingesprochenes Hörbuch – werden gekonnt übergangen. Man wolle lieber etwas "Richtiges" schenken. Ich verstehe das auch, weil alle Großeltern noch voll berufstätig sind und nicht immer so viel Zeit haben. 

Etwas dagegen zu sagen, ist mir jedes Mal unangenehm. Es ist wunderbar, dass sich alle kümmern und meiner Tochter eine Freude machen möchten. Ich fühle mich manchmal ungerecht, weil ich meiner Tochter in gewisser Weise etwas verweigere und das Gefühl habe, dass ich diese Gesten nicht genug wertschätze. Gerade, weil ich weiß, dass das alles aus Liebe zu meinem Kind geschieht, und weil unsere Tochter auch einige sehr schöne Spielsachen besitzt, die sie oft bespielt. Vieles davon möchte ich nicht missen, weil ich ihr als Studentin nicht immer das kaufen kann, was ich gerne würde.

Manchmal bin ich so weit, dass ich Dinge weiterverschenken oder verkaufen würde. Das kann ich aber nicht, weil ich dann ein schlechtes Gewissen habe. Also verschenke ich zuerst die Sachen, die ich selbst für meine Tochter gekauft habe.

Ich würde werdenden Eltern raten, bereits vor der Geburt eine Liste anzufertigen, auf der alles steht, was man sich wünscht und braucht. So kommt es zum Beispiel nicht dazu, dass alle das Gleiche schenken.  

Wenn wir gefragt werden, was wir uns für sie wünschen, sagen wir nur noch: Ausflüge. Die nehmen keinen Platz weg und außerdem wissen wir, dass unsere Tochter sich viel mehr freuen würde, Zeit mit ihrer Familie zu verbringen, als noch einen Puppenwagen im Flur stehen zu haben. Zum Glück fruchtet diese Aussage so langsam und zum letzten Geburtstag gab es viele Gutscheine für Ausflüge."

*Bianca heißt eigentlich anders. Sie möchte anonym bleiben, ihr echter Name ist der Redaktion bekannt.

Wie viel Spielzeug ist gut für ein Kind?

Eine US-amerikanische Studie hat kürzlich ergeben, dass sich die Qualität des Spielens verbessert, je weniger Spielzeug Kindern zur Verfügung gestellt wird. Bei einem geringeren Spielzeugangebot spielen Kinder demnach länger, konzentrierter und kreativer. (Infant Behavior and Development)

Die Psychologin Svenja Lüthge sieht das ähnlich. Kleinkinder bis etwa drei Jahre bräuchten keinen großen Reiz-Input. Sie seien schon mit Kleinigkeiten wie einem Ball oder Holzklötzchen zufrieden. Erst später entwickle sich dann ein breiteres Interesse an Spielsachen wie Autos oder Einkaufsläden. 

Besitzt ein Kind zu viel Spielzeug, kommt es irgendwann mit der Masse nicht mehr zurecht. Eine zu große Auswahl lässt die Kinder ratlos und überfordert zurück.
Svenja Lüthge

Bemerke man, dass ein Kind beim Spielen unkonzentriert ist, könne es sein, dass es mit der Menge an Spielzeug überlastet ist. "Die Fantasie der Kinder wird nicht richtig angeregt, wenn sie überfordert sind. Solche Kinder sind dann häufig unruhig, quengeln viel und brauchen viel Input von außen. Da hilft es, wenn man als Eltern den Kindern zeigt, wie man spielt." Das funktioniere zum Beispiel, indem man den Alltag nachspielt oder Geschichten aus Büchern oder Filmen.

Spielzeug zu fasten hält die Psychologin richtig eingesetzt ebenfalls für eine gute Idee. Nach Weihnachten oder dem Geburtstag könne man als Eltern darauf achten, mit welchen Dingen das Kind gerne spielt und andere Spielzeuge, für die es sich gerade nicht interessiert, erst einmal wegpacken. "Kommt dann ein verregneter Nachmittag, an dem sich das Kind langweilt, kann man das Geschenk wieder hervorholen."

Eltern, deren Freunde und Verwandte zu viel schenken, rät Lüthge zur Ehrlichkeit.

Es ist wichtig, dass vor allem junge Eltern klare Ansagen machen. Und das dürfen sie auch!
Svenja Lüthge

So könne man zum Beispiel ganz selbstbewusst mitteilen, welches Spielzeug man sich für die eigenen Kinder wünscht. Je klarer die Ansage der Eltern ist, desto einfacher sei es auch für die Verwandtschaft, findet die Psychologin. Deshalb sollten Eltern ganz genau sagen, welches Spielzeug oder welchen Strampler sie sich wünschen – ohne Angst davor zu haben, undankbar zu wirken. "Wenn man freundlich bleibt und mit offenen Karten spielt, muss auch keiner böse sein."

Außerdem rät Lüthge jungen Eltern zu mehr Gelassenheit. Werden beispielsweise Spielzeuge wie Spielzeugwaffen verschenkt, die man als Eltern nicht in der Wohnung haben möchte, sollten sie darauf achten, wie das Kind darauf reagiert. "Verbietet man als Eltern so ein Geschenk, finden es die Kinder umso interessanter." 

Aber auch hier gilt: klare Ansagen an die Person, die das Geschenk macht, helfen. Ähnlich sei es bei geschlechtertypischen Geschenken wie pinken Kleidern für Mädchen und Werkzeugkästen für Jungen. "Ich glaube, Kinder werden sich am Ende immer das suchen, was sie am meisten interessiert. Das zeichnet ein gutes Spielzeug aus. Ob das ein kleiner Ball ist, der blau oder rosa ist, ist dabei eigentlich egal." 

Bekommt ein Mädchen immer wieder stereotype Geschenke, können die Eltern andere Spielsachen zur Verfügung stellen. Dann kann das Kind selbst entscheiden, womit es gerne spielen möchte. "Da ist ein bisschen Coolness gefragt", findet Lüthge.


Fühlen

"Ich musste die Pille vor ihren Augen einnehmen": Was Frauen beim Kauf der Pille danach erlebten

Kondom gerissen, Pille vergessen oder einfach auf Nummer sicher gehen: Es gibt viele Situationen, in denen die Pille danach hilfreich sein kann. Seit 2015 können Frauen das Medikament in der Apotheke kaufen, ohne sich vorher beim Arzt ein Rezept zu holen. 

Die neue Regelung sollte die Hürden zur Hilfe bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr senken und den betroffenen Frauen den Kauf erleichtern.

Doch bedeutet Rezeptfreiheit auch Wertungsfreiheit? Darüber haben wir mit Betroffenen und einer Apothekerin gesprochen. 

Hier erzählen drei Frauen, was sie beim Kauf der Pille danach erlebt haben.

Anna, 34, arbeitet in der Werbebranche

Es war keine dramatische Situation, in der ich die Pille brauchte – meinem Freund ist das Kondom geplatzt. Als ich morgens in die Apotheke ging, sagte der Apotheker, dass er die Pille danach aus ethischen Gründen nicht verkauft. Dann hat er unter die Theke gegriffen und mir einen Stapel Broschüren von christlichen Einrichtungen gegeben. Da solle ich mir doch Hilfe holen, weil alles Leben ein Geschenk sei.Ich stand ganz perplex vor ihm und wusste gar nicht, wie mir geschieht. Ich habe ihn angeschrien, ihm den Mittelfinger gezeigt und bin rausgegangen.