Gemeinsames Geld oder getrennte Konten? Wer zahlt Miete, wer den Einkauf – und wer den Restaurantbesuch? Und wie umgehen mit unterschiedlichen Gehältern und unterschiedlichen Konsumbedürfnissen? Geld kann in Beziehungen schnell zum Streitfall werden. 

Wir haben uns von drei Paaren erzählen lassen, wie sie die Finanzen in ihrer Beziehung jeweils regeln.

Judith (28) und Simon (30) aus Freiburg:

Die beiden sind seit neun Jahren zusammen und vier Jahre davon verheiratet. Judith verdient als Lehrerin in Teilzeit monatlich rund 2100 Euro brutto, Simon promoviert und verdient rund 1700 Euro brutto. Ihre Tochter ist ein Jahr alt.

Wofür gebt ihr euer Geld aus?

Judith: Wir geben für den alltäglichen Einkauf eigentlich am meisten Geld aus, aber versuchen auch immer, etwas zu sparen, um etwas Sicherheit zu haben. Das, was wir dann jeweils über haben, geben wir individuell aus – ich zum Beispiel für Klamotten. Oder wir reisen ein-, zweimal im Jahr in eine Stadt in Deutschland.

Simon: In unserer Beziehung hat Geld keinen primären Stellenwert. Natürlich ist das auch irgendwie arrogant zu sagen, da wir uns eine Wohnung in der Innenstadt leisten können und ab und zu auswärts essen oder ins Kino gehen können. Wir haben unser Leben so eingerichtet, dass unser Geld reicht, auch wenn wir keinen Haushaltsplan führen. Und durch die Elternzeit haben wir beide gemerkt, dass es auch mit weniger Geld geht. 

Wie organisiert ihr eure Finanzen in der Beziehung?

Judith: Wir hatten vor der Hochzeit getrennte Konten und haben uns gefragt, wieso sich das nach der Hochzeit ändern sollte. Das Einzige, das sich nach der Hochzeit geändert hat, sind Vollmachten, die wir ausgestellt haben: Im Notfall hat jeder auch Zugriff auf das Konto des Anderen. Wir haben schon vor der Hochzeit zusammengelebt und haben es so aufgeteilt, dass ich die Miete zahle und Simon den Rest. Wenn der eine knapp ist, dann überweist ihm der andere einfach Geld.

Simon: Bei der Scheidung meiner Eltern habe ich gesehen, dass ein gemeinsames Konto zu viel Ärger führen kann, und hatte für mich deshalb beschlossen, dass ich das nicht möchte und jeder für sich noch einigermaßen autonom und selbstverantwortlich sein sollte. So hat jeder sein eigenes Gehaltskonto und sein eigenes Geld, das er ausgeben kann – für was auch immer. 

Judith: Unser Modell ermöglicht jedem eine gewisse Unabhängigkeit, dafür braucht man natürlich auch sehr viel Vertrauen. Aber ohne Vertrauen funktioniert eine Partnerschaft sowieso nicht. Größere individuelle Ausgaben besprechen wir vorher, es ist aber noch nie passiert, dass der andere gesagt hat, man solle etwas nicht kaufen. Wir haben nicht das Gefühl, dass wir vor dem Partner etwas verheimlichen oder ständig argumentieren müssen.

Und streitet ihr über Geld?

Simon: Nein. Aber natürlich gab es auch Momente, zum Beispiel in der Elternzeit, wo das Geld einfach knapp ist und wo es dann auch zu Stress führen kann. Aber Streit in dem Sinne nicht, sondern eher das doofe Gefühl, dass der andere in diesem Monat vieles übernehmen muss. 

Judith: Ich hatte aber auch noch nie das Gefühl, dass das ungerecht aufgeteilt ist. Ich habe eher das Gefühl, dass das unser gemeinsames Geld ist und dass wir beide unseren Anteil dafür tun, dass wir Geld haben.  

Viktoria (27) und Daniel (26):

Seit fünfeinhalb Jahren sind sie ein Paar. Sie hat einen Master im Baubereich, er einen in BWL. Nachdem beide ihr Studium vor einem Jahr beendet haben, haben sie sich ihren Wunsch erfüllt und reisen seitdem durch die Welt. Ihr Erspartes lag vor Reiseeintritt bei rund 20.000 Euro.

Gerade sind Daniel und Viktoria auf Weltreise – das Geld dafür haben sie lange gespart.

Was bedeutet für euch Geld und wie geht ihr damit um?

Daniel: Geld ist etwas Positives für mich. Ich hatte immer einen guten Umgang mit Geld und habe mich immer für meine Finanzen interessiert. Als ich Viki kennengelernt habe, war das bei ihr aber nicht so.

Viktoria: Ich hatte keinen Überblick über meine Finanzen. Ich dachte immer, das klappt schon irgendwie. Aber dann gab es Momente, wo ich kein Geld hatte: Als ich aus meinem Auslandssemester zurückgekommen bin, hatte ich Schulden. Das war ein sehr emotionaler Moment für mich, weil ich nicht wusste, wie ich die nächste Zeit überleben soll. Durch Daniel habe ich gelernt, dass man auch Rücklagen bilden kann und dass man mit seinem Geld bewusst umgehen sollte. 

Daniel: Für mich war immer klar: Ich will eine längere Zeit reisen. Deswegen habe ich schon sehr früh angefangen, Geld zur Seite zu legen. Als ich Viki kennenlernte, erzählte ich ihr von meinem Traum. Am Anfang hat sie das nicht so richtig ernst genommen, aber als sie gemerkt hat, wie viel Geld man durch bewussten Umgang zur Seite legen kann, wurde es dann unser gemeinsamer Traum.

Wie finanziert ihr die Reise?

Viktoria: Wir haben in den drei Jahren vor Reisebeginn sehr viel getan, um Geld zur Seite zu legen. Zum Beispiel haben wir ein Zimmer in unserer Wohnung an Freunde vermietet oder etwa einfach jedes Kleingeld zur Seite gelegt.

Daniel: Während unseres Studiums haben wir viel gearbeitet und wirklich jeden Euro für unseren Traum zur gespart. Mit der Zeit haben wir auch gemerkt, dass wir durch viele kleine Beträge viel sparen können, zum Beispiel haben wir einfach Bücher verkauft. Und wir haben auch investiert, unter anderem in Aktien. In manchen Monaten konnten wir 1000 Euro zur Seite legen.

Viktoria: Wir haben für unsere Finanzen ein System entwickelt, wo alle Ein- und Ausgaben in Kategorien geordnet werden, etwa Essen, Einkaufen oder Spaß. Für jede Kategorie gibt es einen Richtwert, der angibt, wie viel wir in dieser Kategorie ausgeben wollen. Diese Richtwerte sind aber keine Limits. Wenn wir zum Beispiel richtig Bock auf etwas haben, dann machen wir das auch einfach, auch wenn wir eigentlich schon zu viel in diesem Monat ausgegeben haben. Wenn wir uns limitieren würden, kommen bei mir Gefühle wie Einschränkung, Mangel und Armut hoch. Das möchte ich nicht.

Daniel: Wir reisen jetzt seit rund einem Jahr und leben von unserem Ersparten und den Investitionen. Und wir haben auch gemerkt, dass wir auf der Reise gar nicht so viel Geld brauchen: In Neuseeland haben wir zum Beispiel im Tausch für einen Schlafplatz gearbeitet.

Streitet ihr auch über Geld?

Viktoria: Wir haben irgendwann unsere Finanzen zusammengelegt, um einen besseren Überblick zu haben und gemeinsame Fixkosten wie die Miete zu zahlen. Daniel hatte aber oft das Gefühl, dass ich zu verschwenderisch sei und deswegen haben wir uns gestritten. Das Problem war: Früher war ich tatsächlich so. Aber ich habe mich mit der Zeit verändert. Wir haben dann einfach uns nochmal alle Zahlen genauer angeschaut und dann hat er gemerkt, dass ich nicht mehr Geld ausgebe als er. 

Daniel: Am Anfang hatten wir unsere Finanzen nur im Kopf, aber mit der Zeit und vor allem durch unsere Reisen haben wir gemerkt, das funktioniert so nicht. Jetzt haben wir eine App, in der wir alles dokumentieren. Und am ersten Tag jeden Monats setzen wir uns zusammen und machen ein Finanzmeeting: Wir tragen all unsere Ausgaben zusammen und schauen dann, wie viel wir in welcher Kategorie ausgegeben haben und wie viel wir kommenden Monat ausgeben wollen. 

Anja (30) und Daniel (30):

Das Paar ist seit zehn Jahren zusammen und acht davon verheiratet. Sie leben gemeinsam in Friedrichshafen am Bodensee und haben sich während des FSJ in der christlichen Jugendarbeit kennengelernt. Anja arbeitet als Sozialarbeiterin und verdient rund 3300 Euro brutto, Daniel ist Jugendreferent einer Kirche und verdient rund 2700 Euro brutto.

Anja und Daniel haben ihre Konten bei der Hochzeit "zusammen geschmissen", ohne groß darüber nachzudenken. 

Was bedeutet jedem einzelnen von euch Geld?

Anja: Wir sind beide keine Menschen, die Wert darauf legen, so viel Geld wie möglich haben – sonst hätten wir beide keine sozialen Berufe ausgewählt. Aber dass wir leben können und etwas reisen können, das ist uns schon wichtig. 

Daniel: Geld ist wichtig zum Leben, wichtiger sind aber andere Dinge. Ich bin eigentlich Industriekaufmann und habe früher deutlich mehr verdient, aber ich habe mich bei meinem früheren Job immer nach dem Sinn gefragt. Für mich war damals wichtig, dass ich nochmal über Gott, das Leben und die Menschen nachdenken kann. Also habe ich nochmal studiert und mich also bewusst entschieden, den Beruf zu wechseln und damit auch sehr viel weniger zu verdienen.

Anja: Das meiste Geld geben wir fürs Reisen aus. Wir haben uns jetzt vor kurzem einen Bus gekauft und wollen mehr von Europa sehen. Und wir achten sehr auf Nachhaltigkeit: Wenn wir Klamotten kaufen, dann kostet es auch mal mehr, da wir zum Beispiel nicht zu H&M gehen. Und beim Essen ist es genauso: Die Bio-Kiste auf dem Markt kostet nun mal mehr als Billiges im Supermarkt. 

Wie organisiert ihr eure Finanzen?

Anja: Wir haben geheiratet und hatten kein großes Vermögen und haben dann das Bisschen, das wir auf dem Konto hatten, zusammengeschmissen. Ich werde oft von meinen Freundinnen gefragt, warum wir das damals gemacht haben und sage dann, dass wir das einfach gemacht haben, ohne groß darüber nachzudenken.

Daniel: Ein gemeinsames Konto ist einfacher zu handhaben. Ich mag es unkompliziert: Mich würde es stressen, ständig zu schauen, wer überweist was, wer zahlt was. Deswegen ist es bei uns super easy. Unsere beiden Gehälter fließen auf ein Konto, deswegen ist es egal, wer beim Bezahlen seine Karte rausholt oder wer mehr oder weniger verdient. Wir brauchen das gar nicht scharf getrennt.

Anja: Wir führen auch kein Haushaltsbuch. Aber wir wissen schon, für was wir ungefähr wie viel ausgeben. 

Daniel: Obwohl das Leben in Friedrichshafen sehr teuer ist, hatten wir nie finanzielle Probleme. Wir konnten immer komfortabel leben und es war auch oft noch was drin, um sich was leisten zu können. 

Habt ihr euch schon mal über Geld gestritten?

Daniel: Ich gebe zwar gerne mal etwas mehr aus, aber einen wirklich großen Streit hatten wir noch nie. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass wir beide eine sehr relaxte Grundeinstellung zum Thema Geld haben.

Anja: Bei größeren Anschaffungen reden wir aber etwas länger darüber und treffen keine leichtsinnigen Entscheidungen. Wir haben die Abmachung, dass Ausgaben über 50 Euro besprochen werden. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns das erst gegenseitig erlauben müssen. Es geht vor allem darum, dass wir darüber reden, ob das notwendig ist und ob genügend Geld da ist. Aber wir sind beide auch keine Menschen, die sehr großspurig leben. 

 


Gerechtigkeit

Nur mal kurz Europa retten – ein Treffen mit Katja Sinko
Gestern ihr, morgen wir

Als ich Katja Sinko im Februar 2018 traf, um sie für mein Buch zu interviewen, war sie gerade dabei, ihre Masterarbeit zu schreiben. Eineinhalb Jahre später treffe ich sie wieder in der Nähe der "Stabi" - draußen, auf den Stufen eines Uni-Gebäudes. Katja schreibt noch immer an ihrer Abschlussarbeit. Oder besser gesagt: wieder.